München: Ecclestone-Prozess Tag 1

Formel-1-Chef Bernie Ecclestone blickt Prozess zuversichtlich entgegen.

Bernie Ecclestone zeigt sich am ersten Prozesstag optistisch. „Ich bin zuversichtlich. Die Sonne scheint“, so der Formel-1-Chef am Donnerstag vor der Verhandlung. Der 83-Jährige beharrt auf seiner Unschuld und weist den Vorwurf der Bestechung des bayerischen Bankers Gerhard Gribkowsky über seine Anwälte erneut zurück. Zum Prozessauftakt am Donnerstag vor dem Landgericht München bezeichneten die Verteidiger die Vorwürfe der Anklage in einer schriftlichen Erklärung als „unzutreffend, irreführend und unschlüssig“. Sie betonten: „Die behauptete Bestechung gab es nicht.“ Ecclestone lies seine Verteidiger eine schriftliche Erklärung vorlesen: „Herr Dr. Gribkowsky hat in den entscheidenden Punkten die Unwahrheit gesagt.“ Ecclestone selbst will sich zunächst nicht äußern, sondern nur über seine Anwälte. „Fragen des Gerichts und der Staatsanwaltschaft wird Herr Ecclestone zunächst nicht beantworten“, sagte einer seiner Rechtsvertreter.

Im Prozess werde es darum gehen, den Zeitpunkt, den Inhalt und die Umstände der „vielfältigen Aussagen von Herrn Dr. Gribkowsky“ zu hinterfragen. Die Verteidiger kündigten neue Beweise an, die sie im Prozess vorlegen wollen.

System der Alleinherrschaft

Die Münchner Staatsanwaltschaft hat in der Anklage gegen Bernie Ecclestone dessen System der Alleinherrschaft in der Formel 1 beschrieben. Insbesondere bezogen sich die Ermittler dabei auf den Zeitraum vor und während des Verkaufs der Königsklasse des Motorsports vor rund acht Jahren, als Ecclestone der Staatsanwaltschaft zufolge einen damals hochrangigen Banker der BayernLB mit 44 Millionen US-Dollar bestochen haben soll.
„Sämtliche wichtigen operativen Strukturen und Abläufe waren auf seine Person zugeschnitten und wurden de facto von ihm allein kontrolliert“, heißt es in der 24-seitigen Anklageschrift. Ecclestone habe die Formel 1 in ihrer „heutigen Form aufgebaut“ und gelte „bis heute als Zentralfigur der Formel 1“.

Der Angeschuldigte hätte sämtliche Vertragsabschlüsse des operativen Geschäfts als seine persönliche Angelegenheit und seine Geschäftsgeheimnisse angesehen. Den anderen damaligen Gesellschaftern, sprich den drei Banken, habe er keine Mitsprache und keinen Einblick gewähren wollen.

Ecclestones habe die „unbequeme BayernLB durch einen neuen Anteilseigner“ austauschen wollen, um die vereinbarten Mitbestimmungs- und Kontrollregelungen nicht mehr mit der BayernLB umsetzen zu müssen. Und Kaufinteressent CVC hätte von Beginn an klar gemacht, dass Ecclestone auch bei einer Übernahme Geschäftsführer bleibe. „Diese Interessen stießen auf volles Gegeninteresse beim Angeschuldigten“, erklärte die Staatsanwaltschaft.

 

rr/dpa