München: Titeljagd vor jähem Ende? EHC München droht Aus in DEL

Im Viertelfinale um die deutsche Eishockey-Meisterschaft bahnt sich eine große Überraschung an. Außenseiter Wolfsburg fehlt nur noch ein Sieg zum Halbfinal-Einzug. München, finanzstärkstes Team der Liga mit klarem Titel-Anspruch, steht vor dem Aus.

 

An die große Aufholjagd des EHC München glaubt kaum noch jemand, das weiß auch Nationalmannschaftskapitän Michael Wolf. „Wer traut uns noch was zu? Wahrscheinlich keiner“, räumte der Torjäger ein, will sich selbst aber damit noch nicht abfinden: „Wir in der Kabine glauben noch daran. Das ist das wichtigste“, betonte der 34-Jährige trotzig. Doch die Saison des Liga-Finanzkrösus droht ein jähes Ende zu nehmen. Mit 0:3 liegt der Titelkandidat in der Viertelfinal-Serie „Best of Seven“ gegen Wolfsburg zurück. Am Dienstag (19.30 Uhr) kann alles vorbei sein.

 

Der Hauptrunden-Zweite der Deutschen Eishockey Liga (DEL) verlor am Sonntag Duell drei mit 0:2 und verpasste es, den Anschluss in der Serie herzustellen. „Ich bin enttäuscht“, klagte Star-Trainer Don Jackson. „Wir müssen jetzt Charakter zeigen und großen Mut haben im nächsten Spiel.“ Den Münchnern helfen nur vier Siege in Serie.

 

Dem niedersächsische Außenseiter fehlt dagegen ein Erfolg für das Halbfinale. Dafür hat er am Dienstag vor heimischem Publikum die erste Chance. Es ist die einzige der vier Viertelfinal-Begegnungen, die so früh entschieden werden kann. „Es ist noch nichts verloren“, meinte EHC-Verteidiger Benedikt Brückner. „Wir werden in jedem Spiel um unser Leben kämpfen“, kündigte EHC-Profi Francois Methot an.

 

Nichts anderes als der Titel wird in München erwartet, von Red Bull wird der Club mit viel Geld ausgestattet. Die Meisterschaft ist auch der Anspruch von Jackson. Mit den Eisbären Berlin holte er fünf Titel in sechs Jahren. „Wir erwarten alles von jedem Spieler. Spiele, als wäre es dein letztes Spiel überhaupt“, forderte der 58-Jährige.

 

Chancenverwertung lässt EHC-Spieler verzweifeln

 

In den ersten drei Playoff-Partien haperte es beim EHC vor allem am Toreschießen. Zweimal unterlagen die Münchner zu Null. Lediglich zwei Tore stehen für sie bislang zu Buche. Auch am Sonntag scheiterten sie häufig am gut aufgelegten Wolfsburger Torhüter Felix Brückmann. „Es ist sehr frustrierend, weil wir in allen drei Spielen genügend Chancen hatten“, klagte Nationalstürmer Alexander Barta.

 

Zudem plagen die Münchner in der entscheidenden Saisonphase große personelle Sorgen. Auf neun Verletzte muss Jackson am Dienstag voraussichtlich verzichten, darunter Topscorer Garrett Roe. Mit 13 Treffern und 38 Vorlagen war der Amerikaner in der Hauptrunde Münchens Bester in der Offensive. Als Ausrede lässt der Favorit das freilich nicht gelten. „Wir hatten Pech bei vielen Schüssen und wir müssen einen Weg finden, zu treffen“, erklärte Jackson.

 

Der EHC gibt sich noch nicht auf, die Grizzly Adams Wolfsburg wollen sich nicht zu früh freuen. Erst durch die Vor-Playoffs hatte der Hauptrunden-Siebte das Viertelfinale erreicht und sah sich als klarer Außenseiter. In der Vorrunde verließen die Niedersachsen gegen München viermal als Verlierer das Eis. Pavel Gross behauptete nun selbst nach dem dritten Sieg: „Wir sind auf einen langen Weg eingestellt.“

 

rg / dpa