München: Viele Schüler mit Lese- oder Rechenschwäche

Jeder siebte Schüler leidet an Legasthenie oder schwächeren Formen von Lese- und Schreibschwäche, oder an Dyskalkulie, also einer Veranlagung zu schlechten Fähigkeiten beim Rechnen.

Alle Schularten betroffen

In jeder Grundschulklasse seien zwei bis drei Kinder mit Legasthenie oder Dyskalkulie, sagte der Leiter der Münchner Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Professor Gerd Schulte-Körne, am Mittwoch in München.

Nach Erhebungen der im Forschungsverbund Schulische Entwicklungsstörung zusammengeschlossenen Wissenschaftler litten etwa 220 000 Kinder aller Schularten an Lese- und Rechtschreibstörung oder an Rechenschwäche. Die Defizite ließen sich schon vor der Schule prognostizieren und durch frühzeitige Maßnahmen verhindern.

Das Bundesministerium für Bildung fördert den Forschungsschwerpunkt bis 2017. Der Forschungsverbund entwickelt Lernprogramme zur Diagnose der Schwächen und zur Förderung der Kinder. Schulte-Körne kritisierte: „Der Bund fördert, aber die Länder setzen es nicht um.“

 

Woher kommt das mangelnde Talent?

Sowohl für die Legasthenie als auch für die Dyskalkulie gilt, dass beides als Störungen anerkannt und nicht etwa durch Faulheit bedingt sind. Jedoch gibt es noch keine eindeutige Ursache für die beiden Störungen.

Wissenschaftler diskutieren die Sozialisation zu Hause als mögliches verstärkendes Moment bei der Entwicklung der Störung, es scheint aber in jedem Fall eine erbliche Komponente bei der Entstehung zu geben.

Die Ursache kann deshalb entweder in der Mutation eines Chromosoms begründet liegen, das für die Entwicklung der Hirn-Fähigkeiten verantwortlich ist, oder aber es handelt sich um eine Störung in den Nervenzellen, die Sinneseindrücke (wie etwa Zahlen oder Buchstaben) nicht schnell genug an die Bereiche des Gehirns weiterleiten, die sie verarbeiten müssten. Die Dateien gingen in diesem Fall beim Verschicken praktisch verloren.

adc