Uwe Mundlos, Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt, © Das NSU-Trio v.l.n.r.: - Uwe Mundlos, Beate Zschäpe und Uwe Böhnhardt

München/Gera: Ermordete NSU 1993 kleinen Jungen?

Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass Mitglieder einer frühen Form des Nationalsozialistischen Untergrundes die ersten Gewalttaten  schon in den frühen Neunzigern verübt haben könnten.

Jetzt laufen erneut Ermittlungen zum Mord an dem neunjährigen Schüler Bernd Beckmann aus Gera im Juli 1993.

 

Hat Uwe Böhnhardt den Jungen ermordet?

Der Fokus der Ermittlungen liegt auf dem mittlerweile toten NSU-Killer Uwe Böhnhardt.

Der war in den frühen neunziger Jahren in der selben Jugend-Gang wie der polizeibekannte Enrico T. (ein mutmaßlicher Helfer des NSU)

Nachdem vor einigen Monaten die Taten des NSU ans Licht gekommen waren und zwei der drei Mitglieder Selbstmord begangen hatten, hatte ein Aussteiger der rechten Szene in Polizeivernehmungen gesagt, Enrico T. „stehe auf Kinder“.

T. war schon 1993 ins Visier der Ermittlungen geraten, weil ein Außenbordmotor, der Enrico T. gehört hatte, unweit der Fundstelle der Leiche des neunjährigen Bernd Beckmann aufgetaucht war.

Derselbe Außenbordmotor, mit dem Böhnhardt und Enrico T. zu der Zeit, als sie befreundet waren, oft auf Gewässern unterwegs waren.

Dann aber – so sagt Enrico T- jedenfalls – soll Uwe Böhnhardt ihm den Motor geklaut haben, nachdem ihre Freundschaft zerbrochen war. Weiterhin vermutete T. in Vernehmungen, Böhnhardt wolle ihm den Mord an Bernd Beckmann in die Schuhe schieben. Enrico T. selbst behauptet weiterhin, nichts mit dem Mord zu tun zu haben.

Diese verschlungenen Erzählungen lenkten die Aufmerksamkeit auf Uwe Böhnhardt als Tatverdächtigen des Jungen-Mordes von 1993.

 

Schon immer gewaltbereit

Die kriminelle Laufbahn des späteren NSU reicht viel weiter zurück als nur zu den Morden ausländischer Geschäftsbetreiber:

Die Deutsche Presseagentur berichtet:

„Böhnhardt und T. gehörten Anfang und Mitte der 90er Jahre derselben Jugendbande in Jena an. Beide galten als hoch kriminell. Böhnhardt wurde im Februar 1993 wegen mehrerer Diebstähle und Körperverletzung zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Im Juni 1993, wenige Wochen vor dem Verschwinden Bernd Beckmanns, kam er frei. Im August darauf, nur wenige Tage, nachdem Beckmanns Leiche am Saaleufer gefunden wurde, stand er erneut vor Gericht. Enrico T. fiel 1993 ebenfalls mit seiner ersten schweren Straftat auf. Er soll versucht haben, mit einem gestohlenen Radlader die Front einer Bankfiliale einzufahren.“

adc / dpa