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Münchens Immobilienmarkt entspannt sich

In München zu wohnen muss man sich leisten können. Noch immer ist die bayerische Landeshauptstadt das teuerste Pflaster Deutschlands. Im vergangenen Jahr lag der Quadratmeterpreis angebotener Mietwohnungen mit 60 bis 80 m² bei rund 16 Euro. Zehn Jahre zuvor waren es etwa zehn Euro. Liegen wir bald bei 20 Euro pro Quadratmeter?

Experten erwarten eine Abkühlung auf dem Münchener Immobilienmarkt zumindest bei Wohneigentum. Die immensen Preissteigerungen der letzten Jahre sollen sich in naher Zukunft abschwächen. 2018 mussten im Schnitt knapp 7.000 Euro pro Quadratmeter für eine Bestands-Eigentumswohnung in guter Lage bezahlt werden.

Laut Immobilienverband Deutschland (IVD) konnten Verkäufer jedoch nicht mehr die teilweise sehr überzogenen Preisvorstellungen durchsetzen. Zum anderen lassen sich Käufer inzwischen mehr Zeit, bevor sie sich für eine Immobilie entscheiden.

Hier spielt sicherlich auch die Finanzierung eine Rolle. Wer eine Kreditzusage über 500.000 Euro hat und dann feststellt, dass für diesen Preis keine geeignete Immobilie in München zu finden ist, muss den Kredit aufstocken und sich erneut mit der Bürokratie der Banken herumschlagen. Laut Kredite.org sind hierfür die Konditionen bei einer alternativen Bank oftmals günstiger als bei der Bank, welche bereits eine Kreditzusage erteilt hat.

Doch auch wenn im vergangenen Jahr weniger Immobilien verkauft wurden – noch steigen die Preise. Ein freistehendes Einfamilienhaus in guter Lage kostet durchschnittlich 1,6 Millionen Euro, in Toplagen liegen die Preise fast doppelt so hoch. Zum Vergleich: In Nürnberg sind es 500.000 Euro, in Ingolstadt 630.000 Euro.

Selbst für eine einfach ausgestattete Eigentumswohnung mussten in München 2018 mehr als 4.000 Euro pro Quadratmeter gezahlt werden – eine Verdopplung gegenüber 2008. Noch extremer ist die Preisentwicklung bei Baugrund. Hier hat sich der Preis gegenüber damals vervierfacht.

Interessant sind auch die Beobachtungen im Münchener Umland. Laut Immobilienverband IVD Süd scheint auch hier der Hype vorbei. Der Markt ist gesättigt – auch weil viele Käufer nicht bereit sind, noch mehr zu zahlen. In Erding, Freising und Starnberg stiegen die Preise für Eigentumswohnungen im vergangenen Jahr um weniger als zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr an, während es in München und Ebersberg knapp acht Prozent waren.

In Ebersberg wird jedoch am ehesten deutlich, dass sich Kauf- und Mietpreise nicht immer analog entwickeln. Während hier auch Einfamilien- und Doppelhäuser um einiges teurer waren als 2017, stiegen die Mieten nicht. Und so wohnen die Menschen hier mit unter 13 Euro pro Quadratmeter weiterhin am günstigsten, wenn man die Kreisstädte im Münchener Umland vergleicht.

Wer dem überhitzten Münchener Immobilienmarkt aus dem Weg gehen will, hat zwei Optionen, muss aber Abstriche machen. Auf dem Land gibt es vielerorts noch immer bezahlbares Wohneigentum. Wer sich dafür entscheidet, wird gegebenenfalls zum Pendler und bezahlt die günstigere Immobilie mit langen Anfahrtswegen in die Münchener City.

Die zweite Möglichkeit sind Zwangsversteigerungen. Hier lässt sich mitunter ein echtes Schnäppchen machen, doch das Risiko ist hoch. Die Objekte können zuvor in der Regel nicht besichtigt werden – man kauft quasi die Katze im Sack. Doch der Münchener Immobilienmarkt lässt vielen Menschen keine andere Wahl.