Nach Flüchtlingsschikane: Stellvertretende Betriebsleiterin in Funkkaserne gefeuert

Alma S. war erst seit ein paar Wochen stellvertretende Betriebsleiterin in der Funkkaserne. Nach schlimmen Anschuldigungen seitens der Flüchtlinge, zieht die Firma, die S. beauftragt nun die Reißleine.

 

München – Sie soll den Flüchtlingen Reinigungsmittel ins Gesicht gesprüht haben und andere Asylbewerber in ihren Zimmern eingesperrt haben, weil sie zu krank waren um zu putzen. Das behauptet Agron (Name geändert) aus dem Kosovo gegenüber münchen.tv.

 

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Die Vorwürfen richten sich an Alma S. Die Bosnierin ist seit wenigen Monaten die stellvertretende Betriebsleiterin vor Ort gewesen – eingestellt von der Firma ORS aus der Schweiz, die sich im Auftrag der Regierung von Oberbayern um Verpflegung und Personal kümmert. Nachdem ORS diese am Montag noch schützte und von Missverständnissen sprach, wurde sie, die sich eigentlich noch in der Probezeit befand, am Dienstagnachmittag entlassen. Die Regierung von Oberbayern will die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft melden, um sie dort prüfen zu lassen

 

Sie soll vor allem Syrer und dunkelhäutige Menschen schikaniert haben, ihnen Essensrationen entzogen haben oder Familien nicht miteinander in einem Zimmer schlafen haben lassen.

 

ORS: „Wir wollen Vorbilder“

 

Sicher ist sich ORS bei all diesen Vorfällen noch nicht, zu unterschiedlich sind die Darstellungen zwischen S. und den Flüchtlingen. Laut dem Schweizer Unternehmen habe die Bosnierin eine „Reinigungsmittel-Schlacht“ unter den Flüchtlingen mit Nachdruck beenden wollen, indem sie ebenso mit diesen Mitteln gesprüht habe.

 

„Ganz egal wie das genau war“, schildert Roman Della Rossa, der Pressesprecher von ORS: „Wir erwarten von unseren Mitarbeitern eine andere Kommunikation und dass sie sich wie Vorbilder verhalten.“

 

Grünen warnten vor ORS

 

Auch sollen Asylbewerber in ihren Zimmern eingesperrt worden seien. Laut ORS allerdings „ausversehen“. Dreimal sei das passiert, erklärt Della Rossa münchen.tv. „Das sind dreimal zu viel.“ Denn die kleinen Zimmer der Asylsuchenden könne man überblicken bevor man zusperrt.

 

Alma S. wurde nun entlassen. Wohl auch weil der Druck auf ORS zu groß wurde. Denn schon mit Beginn des Engagements regte sich Widerstand, vor allem aus dem Lager der Grünen. Die Fraktionsvorsitzende im Rathaus, Gülseren Demirel, beanstandete generell, dass die Regierung von Oberbayern eine Unterkunft in private Hände gibt. „Und von ORS hatten wir schon damals negative Dinge aus der Schweiz gehört“, sagt sie nun.

 

Beschwerdebrief auch bei Ministerin Müller

 

Nach diesen Vorfällen schrieben 22 Asylbewerber einen Beschwerdebrief, der an die Innere Mission ging und mittlerweile im Rathaus, als auch im Sozialministerium bekannt ist.

 

Die Regierung von Oberbayern erklärte in einem Statement, dass sie die Kündigung begrüße und hoffe, dass nun Ruhe einkehre. Auch ORS hofft, dass das Klima der Angst für einige Flüchtlinge in der Funkkaserne nun ad acta gelegt werden kann.

 

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