Nach TV-Sendung – Städtisches Klinikum äußert sich zu den Vorwürfen

Die TV-Sendung „Team Wallraff – Reporter undercover“ erhebt in einer weiteren Folge einige Vorwürfe gegen die scheinbar missliche Lage deutscher Kliniken, darunter auch das Münchner Klinikum Harlaching. Jetzt äußert sich die Krankenhausleitung zu den dargestellten Missständen.

 

„Team Wallraffs“ Darstellung der Situation

 

Die Reporterin Pia Osterhaus der Sendung „Team Wallraff“ hatte verdeckt in verschiedenen Krankenhäusern, darunter das städtische Klinikum in Harlaching, als Praktikantin getarnt, gearbeitet. Acht Tage verbrachte sie im Dezember 2014 auf einer chirurgischen Station des Münchner Klinikums – die verbleibende Praktikumszeit meldete sie sich krank. In ihrem Beitrag stellt sie die scheinbar katastrophale Situation der Station dar und zeigt auf, unter welchen Bedingungen Ärzte und Pfleger anscheinend arbeiten müssen.

 

Unter welchem enormen Druck die Pflegekräfte während ihrer Schicht zu stehen scheinen, arbeitet die Reporterin besonders heraus. Zu viele Patienten müssen, laut Pia Osterhaus, in einer zu kurzen Zeit behandelt werden. Trotz der Liebe zu ihrem Beruf würden die Krankenpfleger und Pflegerinnen über ihre Kräfte hinaus arbeiten müssen.

 

Auch bei den Ärzten würde Personalmangel und enormer Zeitdruck herrschen. Den Druck, der auf den Angestellten in der Klinik zu lasten scheint, würden laut der TV-Sendung auch die Patienten stark zu spüren zu bekommen. So habe die Reporterin erlebt, wie eine Mitarbeiterin einen Patienten mit den Worten „Fick dich, du Tauber“ beschimpft habe. Der schwerhörige Mann hatte schlichtweg ihre Frage akustisch nicht verstanden. Diese Mitarbeiterin fiel im Klinikum Harlaching bereits anfangs anderen Kollegen negativ auf. Diese Kollegen meldeten dann auch ihr Verhalten umgehend der Krankenhausleitung. Daraufhin wurde die Pflegerin kurze Zeit später entlassen – das war bereits im Sommer letzten Jahres.

 

Die „Städtisches Klinikum München GmbH“ schreibt laut Angaben der Reporterin seit einiger Zeit rote Zahlen, wohl mit ein Grund für geplante Personalkürzungen und Sparmaßnahmen. Pia Osterhaus berichtet von folgenden Einbußen: 1600 von ungefähr 8000 Stellen sollen wegfallen und mindestens 24% der Krankenhaus-Betten abgebaut werden.

 

Städtische Klinik stellt sich den Vorwürfen

 

In einem Interview mit münchen.tv berichtet die Klinikleitung Sonja Eckert, ihre Mitarbeiter würden sich beschmutzt und hintergangen fühlen. Die positiven Leistungen des Teams während der kurzen Anwesenheit der vermeintlichen Praktikantin seien vollkommen unter den Tisch gekehrt worden. Die Pflegekräfte hätten sich sogar während ihrer Schicht zusätzlich zu ihrer hohen Belastung noch um die Rückenschmerzen der Praktikantin gekümmert und versucht, ihr den Arbeitsalltag zu erleichtern.

 

Die Wertschätzung und der Respekt vor den Patienten sei allen Mitarbeiten sehr wichtig. Sie fühlen sich in der Reportage als lieblose und respektlose Pfleger dargestellt, was nicht der Wahrheit entspreche. Sonja Eckert betont vor allem das gute Vertrauensverhältnis, das unter allen Mitarbeitern des Klinikums herrsche. Dies sei bei dem Fall der unfreundlichen Pflegerin zu erkennen, die einen schwerhörigen Patienten beschimpft haben soll. Sie wurde bereits während ihrer ersten Arbeitstage von mehreren Kollegen bei der Geschäftsleitung gemeldet. Ihre Kündigung folgte nach kurzer Zeit.

 

Klinik-Chef Axel Fischer erklärt, dass es sich bei den von der Reporterin aufgeführten Fällen um Einzelfälle handelt und versichert, diese Fälle umgehend aufzuklären. Die internen Kontrollmechanismen hätten ja auch bereits beim tatsächlichen Fall von schlechter Behandlung des schwerhörigen Patienten gegriffen – die dafür verantwortliche Pflegerin sei ja bereits seit über einem halben Jahr aus dem Dienst entfernt worden, weit vor dem erschienenen RTL-Bericht. Er betont, dass zwischen 80% und 90% der Patienten des Klinikum Harlaching mit ihrer Behandlung zufrieden seien. Wichtig anzumerken sei zudem, dass die 1600 Stellenkürzungen sich auf alle Klinikbereiche beziehen, wobei der Pflegebereich proportional deutlich weniger Einbussen hinnehmen müsse, als beispielsweise der Verwaltungsbereich.

Zu dem Bettenabbau von 24% würde die Klinik jedoch proportional Pflegepersonal aufbauen wollen, um den Arbeitsstress zu mindern und so eine bessere Versorgung gewährleisten zu können.

 

ad