Nach zwei schweren Unfällen: Taxler fühlen sich im Stich gelassen

Die erste Wiesn-Woche war eine zum vergessen für den Ruf der Taxifahrer in München. Ein Toter, ein Schwerverletzter, so die Bilanz. münchen.tv hat sich bei den Fahrern umgehört, was das Taxifahren zur Oktoberfest-Zeit so gefährlich macht.

 

Jede Fahrt mit höchster Konzentration: Für die Taxler in der Münchner Innenstadt im speziellen um die Theresienwiese herum, ist derzeit jede Fahrt ein Kraftakt. Das Oktoberfest erfordert das zwei Wochen lang. Doch alle sind anscheinend nicht im Stande, das zu leisten. Am vergangenen Mittwoch gegen 23.00 Uhr, überfuhr ein 24-jähriger Taxifahrer einen 26-jährigen Australier auf der Bayerstraße. Erst beging er Fahrerflucht, nachdem er seine Insassen abgesetzt hatte, kehrte er dann doch noch einmal um.

 

 

Am Freitag dann wieder ein schwerer Unfall und wieder Fahrerflucht. Das Opfer war ein 27-Jähriger Engländer. Er überlebte mit Glück. Zusätzlich kam es noch am vergangenen Sonntag zu einem Zwischenfall, ein Taxifahrer stritt sich um einen Parkplatz, beim Eintreffen der Polizei stellte sich heraus, dass er getrunken hatte. Außerdem widersetzte er sich der Polizei.

 

münchen.tv spricht mit Taxlern

 

Münchens Taxlern um die Theresienwiese brennt einiges zum Thema auf der Zunge und haben anonym mit uns gesprochen. Einer von ihnen erhebt starke Vorwürfe, unter anderem, gegen Münchens zweiten Bürgermeister und Wiesn-Chef Josef Schmid (CSU):

 

„Da sitzen Leute herum, die nur an den Profit denken. Was hier passiert, ist so etwas wie eine Genehmigung für alle sich vollzusaufen und sich aufzuführen wie es ihnen passt.“

 

 

Taxifahrer fühlen sich im Stich gelassen

 

Ein anderer erklärt: „Der Alkoholpegel ist bei vielen so hoch, dass sie unglaubliche Aggressionen in sich haben, teilweise ist das sogar menschenverachtend, was hier passiert. Das große Problem für die Taxifahrer aber sind die Straßenüberquerungen der Betrunkenen bei Nacht.“

 

Aber Niemand tut etwas dagegen. Es ist ja auch bequem einfach zuzusehen und nichts zu tun.“ Besonders entrüstet ist dieser Taxifahrer darüber, dass die Wiesn nach dem Todesfall des Australiers einfach so weitergegangen ist. Ohne Schweigeminute, ohne ein Zeichen der Politik, ohne alles.

 

Aus den Gesprächen wird klar. Nicht das Taxifahren tagsüber, sondern nachts ist das Problem. Deshalb fährt ein anderer Taxler, französischer Herkunft nur noch, wenn es hell ist. Vor fünf Jahren wurde er von einem Rechtsradikalen nach dem Oktoberfest beinahe zu Tode geschlagen. Er sagt: „Das muss ich mir nicht mehr antun.“ Damals nahm die Polizei im Übrigen nicht einmal die Verfolgung des Täters auf, obwohl er seine Jacke im Auto zurückgelassen hatte, so seine abschließende Aussage.

 

 

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