Neuperlach: Junge in Tablet vertieft und auf Gleise gestürzt

In Neuperlach wurde ein 8-Jähriger vom eigenen Vater aus dem Gleisbett gerettet. Kurz bevor eine U-Bahn einfuhr, war er so in ein Rennspiel auf seinem Tablet vertieft, dass er bei einer „Rechtskurve“ auf die Schienen fiel.

 

Am Montag, 22.12.2014, gegen 07.17 Uhr, war ein 8-jähriger Schüler mit seinem 45-jährigen Vater auf dem Bahnsteig des UBahnhofes Neuperlach Süd unterwegs. Sie befanden sich im vorderen Bereich des Bahnsteiges.

 

Während des Gehens spielte der 8-Jährige auf seinem Tablet-PC ein Autorennspiel und war offensichtlich in dieses vertieft. Links neben ihm ging sein Vater. Wie der 8-Jährige später selbst berichtete, wollte er bei seinem Rennspiel eine Rechtskurve fahren und ging instinktiv plötzlich und unerwartet für seinen Vater nach rechts und stürzte nach ca. eineinhalb Metern in den Gleisbereich. Sein Vater sprang sofort hinterher, packte seinen Sohn und hob ihn aus dem Gleisbereich auf den Bahnsteig.

 

Zu diesem Zeitpunkt fuhr eine leere U-Bahn der Linie U5 nach einem Richtungs- und Führerhauswechsel an der Endhaltestation langsam in den U-Bahnhof ein. Der U-Bahnfahrer erkannte den im Gleisbereich befindlichen 45-Jährigen, stoppte leicht bis zum Stillstand ab und wartete bis der Mann sich ebenfalls aus dem Gleisbereich entfernt hatte. Im Anschluss fuhr er vollständig in den U-Bahnhof ein. Nach einer kurzen Verständigung zwischen dem Familienvater und dem U-Bahnfahrer nahm dieser seine Fahrt ohne Fahrplanverzögerung wieder auf.

 

Bei dem Unfall verletzte sich der 8-Jährige leicht und musste zur ambulanten Behandlung in ein Klinikum gebracht werden. Der 45- jährige Vater blieb unverletzt.

 

Polizeibericht

 

Sicherheitshinweis:

 

Wenn Personen oder Gegenstände in das Gleisbett geraten, sollte die Nothalte-Säulen oder MVG-Notfallsäule am Bahnsteig genutzt werden. Durch Drücken des dort installierten Notrufknopfes wird eine Sprechverbindung zum MVG-Betriebszentrum hergestellt. Von dort kann der Zugverkehr angehalten und der Fahrstrom der UBahn abgeschaltet werden. Erst dann ist eine sichere Bergung möglich. Wer ohne Rücksprache mit dem MVG-Betriebszentrum in das Gleisbett steigt, begibt sich in Lebensgefahr!

 

Auch Aktion Münchner Fahrgäste äußert sich

 

„Jeder mag selbst die notwendigen Schlüsse aus diesem Vorfall ziehen“, sagt dazu Andreas Nagel, Sprecher der Aktion Münchner Fahrgäste. „Aus Sicht des Fahrgastverbandes ist die Modernisierung der Münchner U-Bahn und damit die Ausstattung mit einer Gleisbettüberwachung und künftig auch Bahnsteigtüren dringend geboten. So sehr wir uns über den glücklichen Ausgang dieses Vorfalls freuen, so sorgenvoll blicken wir in die Zukunft.“

 

In solchen Fällen zählt nur der Erfolg. In diesem Zusammenhang muß aber darauf hingewiesen werden, daß es unter jedem Bahnsteig der U-Bahn einen Fluchtraum gibt, in dem auch keine Gefahr von elektrischen Spannungen besteht. Jedes U-Bahngleis in den Bahnhöfen ist mit einem Nothaltgriff ausgestattet, der die Einfahrt eines Zuges im Rahmen der technischen Möglichkeiten verhindert.

 

Bei unserem Verhaltenstraining für Fahrgäste gehen die Experten auch auf derartige Situationen ausführlich ein. Die nächste Veranstaltung für Zivilcourage unter dem Motto „Mit Herz und Verstand“ findet am Donnerstag, 8. Januar 2015, um 13:30 Uhr im Verkehrszentrum des Deutschen Museums statt.