NSU-Prozess: Urlaubsbekannte sagen aus

Am Dienstag wurden vor dem Oberlandesgericht München Urlaubskekannte der mutmaßlichen Neonaziterroristen verhört. Sie beschreiben die drei als freundlich, kinderlieb und immer zu einem Spaß aufgelegt.

Die Zeugen haben Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt 2007 im Sommerurlaub auf einem Campingplatz auf der Insel Fehmarn an der Ostsee kennengelernt. Die drei hatten die Zeugen angesprochen weil sie noch Partner beim Doppelkopf suchten. „Wir haben nebeneinander gewohnt, Wohnwagen an Wohnwagen“, berichtete Zeugin Karin M. vor Gericht. Es entwickelte sich eine rege Bekanntschaft. „Wir hatten jeden Tag Kontakt“, sagte M.s Ehemann Christian. „Irgendetwas hat man schon zusammen gemacht.“ Jedoch wussten die Zeugen nicht, dass es sich bei den drein um Neonazis handelt.

Über mehrere Jahre trafen sie diemutmaßlichen Terroristen jeden Sommer auf demselben Campinplatz. Jedoch benutzen die drei nicht ihre echten Namen. „Gerry“, „Mayx“ und „Lise“ nannten sie sich.

Die Zeugen beschrieben Beate Zschäpe als die „Hauswirtschafterin“ der drei, die auch das Geld der Gruppe verwaltete. Für die Bundesanwaltschaft ist dies ein Indiz für die wichtige Rolle der Hauptangeklagten innerhalb der Gruppe. Ob es jemanden gab, der in der Gruppe den Ton angab, wollte der psychiatrische Sachverständige Henning Saß wissen. „Es war ausgeglichen“, meinte Karin M. „Max“ habe den Ton angegeben, wenn es um Sport ging, „Gerry“, wenn es um Handwerkliches ging, „Lise“ beim Essen und Kochen.

Es sei ein Schock für Familie M. gewesen als im November 2011 der „Nationasozialistische Untergrund“ aufflog. „Ich war platt, ich hätte es im Leben nicht geglaubt, und ich glaube es noch immer nicht“, sagte Karin M. „Ich hätte mir nicht vorstellen können, wie man sich so täuschen kann.“

rr/dpa