Arbeitslose, arbeitslos, Hartz IV, Arbeitsamt, © Viele Stellen in Bayern sind noch frei.

Nürnberg: Arbeitslosenzahl in Bayern steigt auf 262 800

Die Zahl der Arbeitslosen im Freistaat ist im August um fast vier Prozent auf 262 800 gestiegen. Die Arbeitslosenquote legte um 0,1 Punkte auf 3,7 Prozent zu, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag in Nürnberg mitteilte.

 

„Der Anstieg ist saisonüblich, da sich viele junge Menschen nach Ende der Schulzeit oder nach der Ausbildung arbeitslos melden. Zudem stellen Unternehmen in der Ferienzeit weniger neue Mitarbeiter ein“, erläuterte Vorstandsmitglied Klaus Beier.

 

Arbeitskosten steigen stärker als Produktivität

 

Die Arbeitskosten in Deutschland steigen stärker als die Produktivität. Der Präsident der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V., Alfred Gaffal, zeigt sich über diese Entwicklung alarmiert: „Die Schere geht immer weiter auseinander. Von 2010 bis 2013 stiegen die Arbeitskosten je Stunde und Erwerbstätigen um 8,3 Prozent, die gesamtwirtschaftliche Produktivität hingegen nur um 2,6 Prozent. Im letzten Jahr war die Diskrepanz besonders deutlich: Von 2012 auf 2013 stiegen die Arbeitskosten um 2,4 Prozent. Die Produktivität wuchs nur um 0,3 Prozent. Insgesamt liegen die Arbeitskosten heute rund 16 Prozent über dem Vorkrisenniveau von 2007, während die Produktivität nur um weniger als zwei Prozent zunahm. Folglich erhöhten sich die Lohnstückkosten um rund 14 Prozent. Deutschland und Bayern verlieren damit an Wettbewerbsfähigkeit“, so Gaffal.

 

Gaffal verweist auf das im internationalen Vergleich ohnehin bereits sehr hohe Arbeitskostenniveau in Deutschland: „In der westdeutschen Industrie, die in besonderem Maße im globalen Wettbewerb steht, lagen die Arbeitskosten je Beschäftigtem im Jahr 2012 bei knapp 39 Euro pro Stunde. Damit liegen wir ein Viertel über dem Schnitt der anderen Industriestaaten. In den mittel- und osteuropäischen Staaten und in den Schwellenländern sind die Kosten noch weit niedriger.“ Daneben hat sich die Zeitarbeit deutlich verteuert. Laut einer Umfrage der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände bayme vbm sind die Kosten für Zeitarbeit in der Branche nach der Einführung von Zuschlägen Ende 2012 im Durchschnitt um 17 Prozent gestiegen, in manchen Betrieben sogar um bis zu 50 Prozent. „Eine weitere Verteuerung oder Einschränkung der Zeitarbeit darf es nicht geben“, betont Gaffal.

 

Der vbw Präsident mahnt zu wirtschafts- und tarifpolitischer Vernunft: „Die Politik muss jetzt alles unterlassen, was die Arbeitskosten weiter in die Höhe treibt. Auch die Tarifparteien sind gefordert. Lohnerhöhungen müssen sich am gesamtwirtschaftlichen Produktivitätsfortschritt orientieren. Die jüngst von EU-Kommissar László Andor geäußerte Behauptung, die Lohnzuwächse in Deutschland blieben seit Jahren stark hinter der Produktivitätsentwicklung zurück, ist unrichtig. Das Gegenteil ist richtig: Die Entgeltsteigerungen waren hoch, der Produktivitätszuwachs gering. Die Forderung des EU-Kommissars nach kräftigen Lohnsteigerungen ist deshalb nicht nachvollziehbar.Es nutzt in Europa niemandem, wenn Deutschland weniger wettbewerbsfähig wird. Denn für die meisten unserer europäischen Nachbarn sind wir wichtiger Export-Partner. Ist Deutschland weniger wettbewerbsfähig, sind deswegen auch in unseren Nachbarstaaten Tausende von Arbeitsplätzen gefährdet. Europa braucht daher ein wettbewerbsfähiges Deutschland und Deutschland braucht wieder mehr Kostendisziplin. Nur dann bleibt unsere Wirtschaft zukunftsfähig und wir können Wohlstand und Arbeitsplätze in unserem Land erhalten.“

 

RG / dpa / vbw