Pfarrer in Zorneding tritt wegen Morddrohungen zurück

Da er afrikanischer Herkunft ist, musste ein Pfarrer in Zorneding schlimme Beschimpfungen über sich ergehen lassen. Als er zudem noch Morddrohungen bekam, hielt er die Situation nicht mehr aus und beantragte seine Versetzung.

 

 

In der oberbayerischen Gemeinde Zorneding kehrt keine Ruhe ein. Erst kürzlich war die Führungsspitze des CSU-Ortsverbandes wegen fremdenfeindlicher Äußerungen in die Schlagzeilen geraten. Ein CSU-Gemeinderat hatte den örtlichen Pfarrer als „Neger“ bezeichnet. Dieser Gemeinderat hatte sich für seine Äußerung zwar entschuldigt, trat aber dennoch von seinem Mandat zurück. Auch Sylvie Boher gab ihren Posten als Ortsvorsitzende auf.

 

Als hätte er noch nicht genug Demütigung erfahren, erhielt der örtliche Pfarrer nun auch noch Morddrohungen und sieht sich so gezwungen, von seinem Amt in Zorneding zurückzutreten. Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende gab seine Entscheidung zum Ende des Sonntagsgottesdienstes am 06.03. bekannt. Der Rücktritt des 66-Jährigen aus dem Kongo soll am 1. April stattfinden. Er wolle die Gemeinde verlassen und neue Aufgaben übernehmen, sagte er. Grund dafür seien unter anderem „Erfahrungen der letzten Zeit“. Weiter äußerte er sich nicht dazu. Der afrikanischstämmige Pfarrer hatte die Spannungen in der Ortschaft nicht mehr ertragen können.

 

Ausschlaggebend für seine Entscheidung waren Morddrohungen, die der Mann erhielt, als er sich öffentlich gegen rechtspopulistische Meinungsmache aussprach. Er hatte sich damit klar gegen die Äußerungen der ehemaligen CSU-Vorsitzenden Sylvie Boher positioniert. Diese Drohungen sollen sowohl schriftlich als auch mündlich an ihn gerichtet worden sein.

 

Der Geistliche bat um Verständnis für seine Entscheidung und gab bekannt, dass er sich sehr erleichtert fühle, nachdem er in der Sonntagsmesse seinen Rücktritt bekannt gegeben habe. Er erinnerte auch daran, dass er sich 2012 gut und freundlich in der Gemeinde aufgenommen gefühlt hatte und dass er wisse, dass viele seinen Weggang bedauerten. Er blickt jetzt aber nach vorne und freut sich auf den vor ihm liegenden Dienst an einem anderen Ort. (dpa)

 

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