Schuldenquote in München

Pleitegeier über München – Immer mehr Münchner überschuldet

Die Überschuldung der privaten Verbraucher in der Stadt München hat sich in den letzten zwölf Monaten weiter verschärft. Zum Stichtag 1. Oktober 2016 weist der Creditreform SchuldnerAtlas 104.954 erwachsene Münchner als überschuldet aus, im Jahr 2015 waren es noch 100.054 Personen. Das ist der höchste Wert seit 2007 und der zweithöchste Stand seit Beginn der Erhebungen.

 

Demnach stieg die Zahl der überschuldeten Personen binnen eines Jahres um 4,9 Prozent. Laut Definition wird von einer Überschuldung als einen Zustand, bei dem die Ausgaben einer Person dauerhaft höher sind als das Einkommen, gesprochen. Hierfür sind u. a. juristische Sachverhalte wie ein Antrag auf Restschuldbefreiung oder auch unstrittige Inkasso-Fälle ausschlaggebend.

 

Das Verhältnis aus der Zahl der überschuldeten Personen und der Zahl der erwachsenen Bevölkerung, die sogenannte Schuldnerquote, erhöhte sich ebenfalls. So sind 8,63 Prozent der Münchner ab 18 Jahre als überschuldet anzusehen; das ist jeder zwölfte Erwachsene. Die Verbraucherüberschuldung in der bayerischen Landeshauptstadt ist damit zwar weiterhin geringer als im Bundesdurchschnitt, wo 10,06 Prozent der Erwachsenen als überschuldet gelten, allerdings weist München aktuell einen fast doppelt so starken Anstieg der Schuldnerquote auf (+ 0,30%) wie Deutschland insgesamt (+ 0,14%). Im Freistaat Bayern erhöhte sich die Schuldnerquote ebenfalls, und zwar von 7,12 auf 7,35 Prozent.

 

Obwohl die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen derzeit von einer stabil guten Arbeitsmarktlage gekennzeichnet sind, sind immer mehr Verbraucher offenbar nicht in der Lage, ihren „üblichen“ Zahlungsverpflichtungen nachzukommen.

 

Verschlechterung in 29 Münchner Stadtteilen

 

SchuldnerAtlas 2016 München, © Creditreform München

 

Auf der Ebene der 37 Münchner Stadtteile zeigen insbesondere diejenigen Gebiete eine Verschärfung der Verbraucherüberschuldung, die bereits hohe Schuldnerquoten aufweisen. So ist die Schuldnerquote deutlich gestiegen in Am Hart (Schuldnerquote: + 0,97%) und Berg am Laim (+ 0,77%). Insgesamt kam es in 29 Stadtteilen zu einem Anstieg der Überschuldung. Ludwigvorstadt (- 0,49%), Maxvorstadt (- 0,46%) und Bogenhausen (- 0,37%) führen die kurze Liste der Stadtteile an, in denen sich die Schuldnerquote verringerte.

 

Innerhalb Münchens differiert die Verbraucherüberschuldung nach wie vor sehr stark. Hasenbergl ist weiterhin der Stadtteil mit der höchsten privaten Überschuldung. Dabei war ein weiterer Anstieg der Schuldnerquote auf nunmehr 15,73 Prozent zu verzeichnen. Am wenigsten angespannt ist die Überschuldungssituation in Obermenzing. Die Schuldnerquote hier: 4,83 Prozent.

 

Mehrheitlich „harte“ Überschuldungsfälle

Die steigende Zahl überschuldeter Personen ist allein auf einen Zuwachs der bereits stark und mehrfach Überschuldeten zurückzuführen („hohe Überschuldungsintensität“). Deren Zahl erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr von 59.395 auf 64.636 Personen (+ 8,8%). Der prozentuale Anstieg lag damit nochmals höher als im Vorjahr (+ 7,3%). Die Zahl der Personen, die (nur) „weiche“ Überschuldungsmerkmale, also noch keine juristischen Sachverhalte, aufweisen, ist dagegen rückläufig. Gegenüber dem Vorjahr nahm die Zahl der Betroffenen von 40.659 auf 40.038 Personen ab. Die überwiegende Mehrzahl der überschuldeten Münchner (61,6%) weist somit bereits eine hohe Überschuldungsintensität auf, und das Problem einer mehr oder minder veränderungsresistenten und konjunkturunabhängigen „Sockelüberschuldung“ verschärft sich.

 

Die komplette Analyse des Schuldener Atlas für München finden sie hier.

 

SchuldnerAtlas 2016 Deutschland, © Creditreform München

 

SchuldnerAtlas 2016 Bayern, © Creditreform München

 

Quelle: Creditreform München