Plötzlich Moral? Immobilienbranche diskutiert über Flüchtlingsunterkünfte

Die Immobilienbranche bringt das Thema Flüchtlingsunterkünfte in ein Dilemma: Einerseits winken Aufträge, weil Wohnraum dringend benötigt wird. Anderseits wollen die Firmen sich nicht vorwerfen lassen, mit der Not der Menschen Geld zu verdienen.

Die Suche nach geeigneten Unterkünften für Flüchtlinge ist in diesem Jahr auch auf der Immobilienmesse Expo Real ein großes Thema. Mehr als 1600 Aussteller aus zahlreichen Ländern treffen sich von diesem Montag an auf dem Münchner Messegelände. Schwerpunkt der dreitägigen Messe ist der gewerbliche Immobilienbau, zu dem Bürogebäude, Geschäftsräume, Lagerhallen oder Zweckbauten gehören. Bei einer Podiumsdiskussion am Dienstag steht die Frage nach Flüchtlingsunterkünften im Mittelpunkt.

 

Die menschenwürdige Unterbringung der Flüchtlinge stelle auch mit Blick auf den bevorstehenden Winter eine Herkulesaufgabe dar, sagt der Düsseldorfer Makler Wulff Aengevelt, der die Diskussionsrunde veranstaltet. Er geht davon aus, dass in den kommenden zehn Jahren mehr als 500 000 Wohnungen benötigt werden, um Flüchtlinge dauerhaft unterbringen zu können.

 

Andere Schätzungen gehen zwar von geringeren Zahlen aus. Fest steht aber, dass das Thema die Kommunen vor allem in den Ballungsräumen vor massive Probleme stellt. Hamburg hatte vor wenigen Tagen als erstes Bundesland angekündigt, leerstehende Gewerbeimmobilien auch gegen den Willen der Eigentümer als Flüchtlingsunterkünfte zu nutzen.

 

Dilemma für Branche

 

Immobilienfirmen bringt das Thema allerdings in ein Dilemma: Einerseits bieten sich ihnen Geschäftschancen durch Aufträge für den Bau von Flüchtlingsunterkünften. Andererseits wehren sich die Firmen gegen den Vorwurf, mit der Verzweiflung der Menschen Geld verdienen zu wollen. «Die Immobilienbranche wird in der Flüchtlingsdiskussion oft unter den Generalverdacht gestellt, aus der Not der Menschen ein Geschäft zu machen», erklärte Steffen Uttich von dem Berliner Immobilienunternehmen Beos. An der Seite der Kommunen könne die Branche aber einen wesentlichen Beitrag leisten, um die Herausforderungen zu meistern.

 

Der Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Thomas Bauer, hatte vor wenigen Wochen ein großes Bauprogramm gefordert und vorgeschlagen, die Baustandards zu senken, um den akuten Bedarf zu decken. «Warum bauen wir von den Standards her nicht wie vor 15 Jahren?» Die meisten Menschen hierzulande lebten in solchen Wohnungen. Mit den aktuellen Baustandards werde der Quadratmeter Wohnraum speziell mit Blick auf Flüchtlingsunterkünfte einfach zu teuer.

 

Im Gegensatz zu Containern, die nach einigen Jahren kaputt seien, könne zu Preisen etwas oberhalb von 1300 Euro pro Quadratmeter in einfachstem Standard massiv gebaut werden. Dies seien dann Gebäude, die eine Lebensdauer von 20 bis 30 Jahre haben.

 

dpa/mk