Rettungswagen im Einsatz, © Rettungswagen im Einsatz - Symbolbild

Rotes Kreuz prangert Gewalt gegen Rettungskräfte an

Immer mehr Rettungskräfte müssen im Berufsalltag mit aggressiven und teilweise sogar gewalttätigen Patienten umgehen. Das Bayerische Rote Kreuz fordert daher nun, dass Widerstand und Gewalt gegen Einsatzkräfte stärker geahndet werden.

 

 


Video: Unterwegs mit der Aicher Ambulanz.

 

Bespuckt, drangsaliert, geschlagen – für viele Rettungskräfte gehören Aggression und Gewalt mittlerweile zum Berufsalltag. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), die Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk am Mittwoch vorstellte. Das Ausmaß der Kriminalität war bislang nicht bekannt, da Rettungskräfte die Übergriffe häufig aus Scham verschwiegen. Bei der Pressekonferenz waren daher auch zwei Rettungskräfte anwesend, die im vergangenen Jahr angegriffen und bedroht wurden. Das Bayerische Rote Kreuz fordert, dass Widerstand und Gewalt gegen Einsatzkräfte stärker nach dem Strafrecht geahndet werden.

 

In 180 Fällen wurden Rettungskräfte im vergangenen Jahr verbal oder körperlich angegangen. „Die Dunkelziffer liegt deutlich höher“, sagte Stärk. Ursachen der Gewalt seien häufig Alkoholkonsum oder Drogenmissbrauch. Dabei handele es sich keinesfalls um ein Großstadtphänomen: „Wir sind mit diesem Problem in der Mitte der Gesellschaft angekommen.“ Das BRK setzt deshalb auf zusätzliche Lehrgänge zu Deeskalationsmaßnahmen zu ahnden.

 
Die Gewalt sei an der Tagesordnung, sagt etwa Jonas Güldner, der im Landkreis Bamberg als Rettungsassistent arbeitet. Zusammen mit einem Kollegen wurde er 2015 kurz vor Weihnachten bedroht und umzingelt, als die beiden einen stark betrunkenen Mann betreuen wollten. Auch Daniela Janzen, die seit 20 Jahren ehrenamtlich beim BRK arbeitet, teilt diese Ansicht: „Die Hemmschwelle ist weg.“ Sie versorgte im vergangenen Jahr einen betrunkenen Mann am Rande eines Faschingszugs, als dieser plötzlich anfing, wild um sich zu schlagen. Janzen trug eine Gehirnerschütterung davon.

 

Fälle wie diese bestätigen das Ergebnis der Studie. Die Ursachen der Gewalt sind häufig Alkoholkonsum oder Drogenmissbrauch, die Täter meist junge Männer. Die Herkunft spiele dagegen keine Rolle, betonte Stärk: „Es gibt keine erhöhte Tätigkeit von Menschen mit Migrationshintergrund.“ Auch handele es sich keinesfalls um ein Großstadtphänomen:“«Wir sind mit diesem Problem in der Mitte der Gesellschaft angekommen.“

 

Das BRK setzt deshalb auf zusätzliche Lehrgänge zu Deeskalationsmaßnahmen. Die Organisation fordert auch, Widerstand und Gewalt gegen Rettungskräfte härter zu bestrafen. Dies soll mit der Einführung eines „Schutzparagrafen“ im Strafgesetzbuch geschehen, durch den tätliche Angriffe gegen Polizisten, Feuerwehrmänner oder andere Einsatzkräfte mit einer Freiheitsstrafe geahndet werden könnten. Derzeit würden Übergriffe lediglich mit Tagessätzen oder ein paar Tagen Jugendarrest bestraft, sagte Stärk. In den meisten Fällen würden die Täter jedoch gar nicht erst angezeigt.
 

 

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(dpa/lby/is)