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Russland für Bayern: Reisetipps für Einsteiger

Eigentlich gibt es, wenn man nicht ein absoluter Fan von Ozeanen ist, gar keinen Grund, bajuwarischen Boden zu verlassen; nicht mal für den Urlaub. Wir haben alpines Gebiet, haben Hügelland, haben jahreszeitbedingt sogar eine eigene Wüste. Doch so schön unser Freistaat auch ist, manchmal muss man just andere Länder erleben, um wieder einen Sinn für diese Schönheit zu entwickeln – und auch mal seinen eigenen geographischen Horizont zu erweitern.

Genau um letzteres geht es bei einem Reiseziel, das jüngst immer mehr Touristen anzieht, Russland. Touristisch überlaufen ist da im Gegensatz zu den „üblichen Verdächtigen“ des touristischen Europas nichts. Und weil es sich eben um das größte Land der Erde handelt, das sich über zwei Kontinente und elf Zeitzonen erstreckt, gibt es auch eine große Masse an unterschiedlichsten Zielen. Der folgende Artikel zeigt nicht nur, wie man sowas angeht, sondern auch, wohin es „russophile“ Bajuwaren für die ersten Reisen ziehen kann.

 

я не говорю по-русски – ich spreche kein Russisch

© Bild: Mark Pan4ratte / unsplash.com

Junge Russinnen und Russen, besonders in den Metropolen, sprechen Englisch wie die Jugend des Westens. Sorge vor einer zu hohen Sprachbarriere muss man keine haben.

 

Russland ist, zumindest für Mittel- und Westeuropäer, kein typisches Urlaubsland. Es unterscheidet sich zwar nicht grob von vielen anderen Destinationen, aber in einigen Details.

Beginnen wir mit der Reisebuchung. Für Russland Reisen empfiehlt es sich dringend, den Trip nicht einzeln „zusammen zu buchen“, wie man es vielleicht von Mallorca und Co. gewöhnt ist, sondern sich auf einen Spezialisten zu verlassen. Das sorgt nicht nur dafür, dass man automatisch interessante Ziele bekommt, sondern hilft auch bei den Formalien und der größten Hürde: Russisch.

  1. Russland hat nicht nur eine eigene Sprache, die so kaum ein Gegenstück hat (ungleich beispielsweise zu den romanischen Sprachen), sondern auch ein eigenes Alphabet.
  2. Bei gebuchten Reisen hat man den Vorteil, einen deutschsprachigen Guide zu haben, der als Dolmetscher fungiert.
  3. In den touristisch bedeutsamen Destinationen kann man darauf vertrauen, dass das Personal durchgängig Englisch spricht.
  4. Gleichsam gibt es jedoch ein starkes Altersgefälle der Englischsprachigen. Junge Russinnen und Russen sprechen es in der Regel, ältere hingegen kaum bis gar nicht – zudem gibt es ein weiteres Gefälle zwischen Städten mit häufigem Ausländerkontakt und ländlichen Regionen.

Ferner benötigt man als Deutscher für Russland a) einen Reisepass (der Personalausweis reicht nicht aus) und b) ein Visum, das entweder über den Reiseveranstalter oder (ungleich aufwendiger) über die Konsularabteilung Russlands zu erhalten ist – ersteres ist wegen der komplexen Natur der Visa-Beantragung die deutlich leichtere Option.

Doch welche Ziele kommen für Russland-Neulinge in Betracht?

 

1. Sankt Petersburg

© Bild: Yooseulki / pixabay.com

Für Architekturfans dürfte Sankt Petersburg der üppigste russische Leckerbissen sein. Die Stadt strotzt nur so vor Prachtbauten.

 

Die Stadt an der Ostsee ist nicht grundlos für viele Nicht-Russen der erste Kontaktort mit dem riesigen Land. Die nördlichste Millionenstadt der Welt war schon zu zaristischen Zeiten, als sie noch Hauptstadt war, Russlands Tor nach Europa.

Natürlich sind die sogenannten Weißen Nächte touristisch besonders legendär. Sie bestehen rund um die Sommersonnenwende am 21. Juni. Durch die nördliche Lage Sankt Petersburgs wird es dann nie wirklich dunkel, es legt sich nur eine Dämmerung über die prachtvolle Stadt – und es gibt dann besonders viele Veranstaltungen, die es sich zu besuchen lohnt.

Allerdings muss man sagen, dass Sankt Petersburg das gesamte Jahr über ein lohnendes Reiseziel ist. Ungleich zu vielen anderen russischen bzw. ex-sowjetischen Städten ist hier die prachtvolle Architektur aus dem 19. und 18. Jahrhundert nahezu vollständig erhalten, an jeder Ecke zwischen Scheremetew-Palast und Akademie der Künste auf der anderen Flussseite der Newa gibt es Prachtbauten zu bestaunen und von innen zu entdecken. Gutes Schuhwerk ist da Pflicht, man wird viele Kilometer zurücklegen.

 

2. Moskau

© Bild: designerpoint / pixabay.com

Metropole ist Moskau schon lange. Mittlerweile ist es aber auch eine junge, sehr lebensfrohe Stadt, die für vieles in Russland als Prototyp steht

 

Natürlich, wenn man ein Land erstmalig besichtigt, bietet es sich definitiv an, zunächst in der Hauptstadt Station zu machen. Im Falle Moskaus wäre das sowohl die ganz alte wie aktuelle Hauptstadt. Was viele nämlich nicht wissen: Sankt Petersburg war erst ab 1712 die Hauptstadt des Zarenreichs. Zuvor bzw. seit 1918 ist es die Stadt an der Moskwa.

Und die lohnt sich heute als Tourismus-Ziel mehr denn je. Denn Moskau hat es in den vergangenen 25, 30 Jahren geschafft, den tristen „Sowjet-Mehltau“ gründlich abzuwaschen. Heute präsentiert die Stadt sich der Welt als ein Mix aus atemberaubender alter Architektur – natürlich mit dem Kreml als Paradestück – sowie einer ganzen Menge neuer Geschäfte, Fußgängerzonen, Cafés.

Mehr als elf Millionen Menschen leben mittlerweile hier, jährlich werden es mehr, weil die Stadt in ihrer nach wie vor omnipotenten Rolle als Leitstern des riesigen Landes eine geradezu magnetische Anziehungskraft ausübt.

 

3. Wolga und Kasan

Russlandtourismus endet in den Köpfen vieler Menschen mit diesen beiden Städten – leider, muss man sagen. Denn je tiefer man in das Land eindringt, desto vielschichtiger wird das, was man als Tourist erleben kann.

Das bringt uns zur Wolga. Sie ist Europas längster und wasserreichster Fluss und zieht sich wie ein geradezu staatstragendes Band von ihrer Quelle auf halbem Weg zwischen Moskau und Petersburg über 3530 Kilometer bis ins Kaspische Meer.

Für viele Touristen ist dabei eine Kreuzfahrt auf dem Fluss der zentrale Urlaubsinhalt. Allerdings ist auch dann eine Stadt praktisch Pflicht: Kasan. Sie liegt gute 700 Kilometer östlich von Moskau mitten im Herz der russischen Weite – und wird nicht nur als heimliche dritte Hauptstadt bezeichnet, war einer der Veranstaltungsorte der 2018er Fußball-WM (und leider auch der Ort, in dem unsere Nationalelf ausschied), sondern trägt auch Beinamen wie „Das Istanbul der Wolga / von Russland“.

Das liegt daran, dass die Millionenstadt – ähnlich wie die Bosporus-Metropole – den Charakter eines Schmelztiegels hat. Sie ist zwar ur-russisch, ist ebenso aber auch Zentrum des Islams im ganzen Land, hat eine bedeutsame tatarische Kultur und sogar Verbindung zur Deutschrussen-Kultur.

Kein Wunder also, dass auch die reichhaltige Architektur der Stadt diese Mischung wiederspiegelt und unter Kennern als perfekte Verbindung zwischen Orient und Okzident gilt.

 

Fazit

Wer für den nächsten Urlaub den Freistaat verlassen will, sollte vielleicht nicht nur die touristischen Standards anpeilen, sondern seinen Blick einmal nach Osten orientieren. Russland ist längst im touristischen 21. Jahrhundert angekommen und hat in dieser Hinsicht genug zu bieten, um ein ganzes Menschenleben mit Urlaubseindrücken zu füllen. Das einzige, was die meisten Neulinge überwinden müssen, ist die Sorge vor der Sprachbarriere – die ist im Alltag kaum größer als in sehr vielen anderen Ländern und sollte sicher nicht zur Hürde zwischen Urlaubssuchendem und imposanten Destinationen werden.