Schimpfen, Stänkern, Beleidigen: Deutsche Autofahrer sind Europas Rowdys

Die Deutschen sind die aggressivsten Autofahrer europaweit. Das zumindest ergibt eine europäische Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos. Die Selbsteinschätzung der deutschen Autofahrer lässt allerdings Gegenteiliges vermuten. 

 

 

Obwohl die Deutschen die zweitbesten Autofahrer in Europa sind, gehen sie doch am aggressivsten vor. Allerdings fahren nur die Schweden verantwortlicher. Das ergibt eine europäische Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Ipsos.

 

Während die Skandinavier von 37 Prozent der Befragten am verantwortlichsten eingestuft wurden, kamen die Deutschen immerhin auf 27 Prozent. Die 10.000 befragten Europäer halten die Italiener für die gefährlichsten Fahrer.

 

Aggressive Auseinandersetzungen

 

Umso erstaunlicher ist es, dass die Deutschen dennoch die aggressivsten Autofahrer sind – zumindest wenn man einer weiteren repräsentativen Umfrage von Ipsos vertrauen darf.  Beleidigungen durch Worte oder Gesten gehören für die Deutschen zum Autofahren dazu.

 

Zwei von drei Befragten gaben an, dass sie bereits zu solchen Mitteln gegriffen haben. Damit liegen die deutschen Rowdys deutlich über dem europäischen Durchschnitt (56 Prozent). Auch das nahe Auffahren ist keine Seltenheit (34 Prozent), um dadurch störende Autos in Bedrängnis zu bringen.

 

So überrascht es nicht, dass sich die beiden Autofahrerparteien auch mal außerhalb des Fahrzeugs begegnen. 18 Prozent nähern sich ihrem Gegenüber lieber direkt und tragen ihren Konflikt von Angesicht zu Angesicht aus.

 

Rasen ohne Abstand und Pause

 

Auch der Sicherheitsabstand ist nicht die Sache der Deutschen. 73 Prozent halten sich nicht an den vorgeschriebenen Abstand. Pausen werden soweit es geht ebenfalls vermieden und so fahren sie 3 Stunden und 48 Minuten ohne Rast einzulegen. Nur die Polen sitzen länger am Stück am Lenker (4 Stunden 10 Minuten).

 

Beim Einhalten des Tempolimits liegt man zwar im europäischen Durchschnitt, was aber eher eine traurige Angelegenheit ist, da sich 93 Prozent nicht an die vorgegebene Geschwindigkeitsbegrenzung halten. 60 Prozent fahren ohne zu bremsen durch Baustellen und 59 Prozent blinken nicht beim Spurwechsel.

 

Fehlende Selbstkritik

 

Nun könnte man meinen, dass die deutschen Autofahrer etwas Selbstkritik üben würden. Das ist aber nicht der Fall. Der Unterschied zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung ist eklatant. So halten sich 93 Prozent für „aufmerksam“, 81 Prozent für „ruhig“ und 57 Prozent für „rücksichtsvoll“.

 

Zumindest aus Spanien, Polen und Griechenland gibt es Unterstützung. Dort werden die deutschen Fahrer als die rücksichtsvollsten in Europa wahrgenommen.

 

Ursachen ungeklärt

 

Doch was sind die Gründe für den aggressiven Fahrstil? Dies geht aus der Studie nicht hervor und kann daher nur vermutet werden. Im Sommer kann das Fahrverhalten vielleicht durch die hohe Temperaturen, die im Auto herrschen, erklärt werden. Dadurch wird man unruhig, müde und unkonzentriert, was den Fahrstil negativ beeinflussen kann.

 

Auch die Verkehrssituation kann eine Rolle spielen. 475.000 Staus mit einer Gesamtlänge von 960.000 Kilometern gab es im letzten Jahr – laut ADAC ein neuer Rekord. Somit standen die Deutschen in etwa 285.000 Stunden lang im Stau, was einem ruhigeren Fahrverhalten sicherlich nicht unbedingt dienlich ist.