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Seilbahn, U9 und zweite Stammstrecke: Münchens zukünftige Verkehrspläne zusammengefasst

München will nicht im Verkehr ersticken und baut deshalb den öffentlichen Nahverkehr massiv aus. Auch Radlwege könnten viel Druck rausnehmen, ebenso wie autonom fahrende Busse auf eigenen Fahrspuren. Selbst eine Seilbahn spielt in den Überlegungen eine tragende Rolle.

 

Staus auf den Straßen, Gedränge in der U-Bahn, und die Stammstrecke ist schon wieder dicht: Alltag in München. Die Verkehrsinfrastruktur ist vielfach am Anschlag, und die Belastung steigt von Jahr zu Jahr: Die Landeshauptstadt wächst rasant, in den vergangenen 10 Jahren sind gut 200 000 Einwohner hinzugekommen. Und für das Jahr 2035 werden statt der derzeit 1,54 bereits 1,85 Millionen Menschen erwartet. Damit die Bürger dann überhaupt noch vom Fleck kommen, wird viel gebaut, noch mehr geplant – und auch mal um die Ecke gedacht.

 

Spektakulärstes Projekt ist aktuell eine Seilbahn, die im Norden der Stadt eine Ost-West-Verbindung schaffen soll. Keine Flächenkonkurrenz zu den Autos auf der Straße, größere Beförderungskapazitäten als eine Tram, dazu deutlich billiger als eine U-Bahn würde sie viele Vorzüge in sich vereinen. „Das ist vor ein paar Jahren noch als absolute Spinnerei abgetan worden“, berichtet Stadtbaurätin Elisabeth Merk. Doch inzwischen habe bei vielen ein Umdenken eingesetzt – erst vor wenigen Wochen gab der Stadtrat eine Machbarkeitsstudie in Auftrag.

 

Im Bau ist nach ewiger Diskussion inzwischen die zweite Stammstrecke, mit bis zu 3,85 Milliarden Euro ein gigantisches Projekt. Sie soll nach ihrer Fertigstellung 2026 die chronisch überfüllte und störungsanfällige erste Stammstrecke entlasten, auf der bislang alle S-Bahn-Züge die Innenstadt passieren. Kommt es in diesem Nadelöhr zu Problemen, wirkt sich das blitzschnell auf das gesamte Netz aus.

 

Aktuell wird schon an der neuen Station Marienhof gebaut, die später ähnlich groß wie der Hauptbahnhof sein wird. Dieser bekommt für die neue Stammstrecke ein weiteres „Kellergeschoss“: Unter allen bereits bestehenden Bahnsteigebenen wird dort in 41 Metern Tiefe eine neue Station entstehen. Für die neue Stammstrecke führen die Gleise durch zwei jeweils sieben Kilometer lange Fahrtunnel, die nahezu parallel zur bestehenden Strecke verlaufen.

 

Ein weiteres Großprojekt ist die bessere Anbindung des Flughafens mit der S8. Auch das U-Bahn-System, das seit Ende der 1990er nur noch um kleinere Ergänzungen erweitert wurde, soll gleich an mehreren Stellen erheblich ausgebaut werden. So wird die U5 nun nicht nur bis Pasing, sondern darüber hinaus bis in den Stadtteil Freiham geführt. Die U6 wird von Großhadern nach Martinsried verlängert, und die „Entlastungsspange U9“ wird eine neue, gut zehn Kilometer lange Strecke mit sieben neuen Bahnhöfen in der Innenstadt. Zudem wird mit der Tram-Westtangente eine lange Verbindungsstrecke neu entstehen.

 

 

Generell sind die Quer- und Ringverbindungen derzeit ein Schwachpunkt im Münchner Netz. Sie werden vor allem von Bussen abgedeckt, weshalb man oft schneller von A nach B kommt, wenn man sternförmig zunächst in die Innenstadt hinein- und dann wieder hinausfährt. „Wenn man drumherum fährt, führt das zu einer erheblichen Entlastung“, erläutert Ministerpräsident Markus Söder (CSU). „Unser Ziel ist deshalb ein S-Bahn-Ring um München herum.“

 

Das hört Stadtbaurätin Merk gerne: „Man braucht einfach alles an Schiene, was man verwirklichen kann!“ Sie denkt aber noch viel weiter, bezieht autonom fahrende Busse, flächendeckende Sharing-Konzepte für (Lasten-)Fahrräder wie Autos und sogar Drohnen als Ersatz für Lieferwagen in ihre Überlegungen ein. Doch bis es einmal so weit ist, setzt Merk auf Zwischenlösungen wie Expressbusse, die auf einer eigenen Spur fahren. Und auf Radschnellwege, die für viele Pendler eine Alternative sein können.

 

Doch damit entstehen zwangsläufig Konflikte: Allein für den geplanten Radschnellweg nach Garching müssten mehr als 800 Parkplätze wegfallen. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) fragte deshalb vor kurzem in einer Stadtrats-Sondersitzung zum Thema Mobilität, ob das Gremium bereit sei, für Busspuren, Radlwege und Fahrradgaragen auf Fahrbahnen für Autofahrer sowie auf Parkplätze zu verzichten.

 

Reiters Geduld für stetes Stückwerk und die jahrzehntelange Vorrangstellung des Autoverkehrs ist sichtlich erschöpft: „Ein ausgebautes Netz an Fahrradwegen werden wir in dieser Stadt nicht einfach so hinbekommen, weil die Straße verdammt noch mal immer gleich breit bleibt!“ Ob der Stadtrat seiner Vision für eine lebenswerte Stadt folgt, wird sich bei der Vollversammlung am kommenden Mittwoch zeigen.

 

dpa