Ministerpräsident Horst Seehofer zusammen mit Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (rechts) und ihrem Double bei der Starkbierprobe 2017., © Ministerpräsident Horst Seehofer zusammen mit Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (rechts) und ihrem Double.

So war die Starkbierprobe auf dem Nockherberg

Mit starkem Bier und starken Sprüchen gegen die Politikerzunft. Das ist seit jeher das Credo zur Starkbierprobe auf dem Nockherberg. Auch in diesem Jahr gab es wieder einen verbalen Rundumschlag. Jedoch zahmer als sonst, wie viele meinen.

 

Mit Spott und Häme hat «Mama Bavaria» beim traditionellen Starkbieranstich am Nockherberg einmal mehr alle offenen Fragen in der Welt gelöst. Auch wenn es in diesem Jahr braver als sonst zuging, bekamen bei der Fastenpredigt der Kabarettistin Luise Kinseher am Mittwochabend in München nicht nur die üblichen Verdächtigen aus Landes- und Bundespolitik ihr Fett weg: «Ich habe entschieden: Horst Seehofer bleibt bayerischer Ministerpräsident. Und zwar noch sehr, sehr lange.» Wenn Donald Trump mit 70 noch US-Präsident werden könne, dürfe auch Seehofer mit 70 noch ewig Regierungschef in Bayern bleiben. «Haare hat er auch noch auf dem Kopf und was seine Gesundheit anbetrifft, da mache ich mir auch keine Sorgen: Dekrete unterschreiben kann man auch im Sitzen.»

 

Trumps Kampagne «America First» und Fake News stellte Kinseher «Bavaria First» entgegen: «Es sind, was unser Land betrifft, Verschwörungstheorien im Umlauf, Verleumdungen von der übelsten Sorte: es gibt so damische Haumdaucher, die ernsthaft behaupten, wir Bayern wären gar nicht die Besten.»

 

Die SPD sonne sich nicht einfach nur in den guten Umfragewerten von Martin Schulz. «Das ist in der SPD wie beim Straßenbau: Einer arbeitet und der Rest schaut zu. Martin Schulz! Der neue Messias! Ja wo samma denn? Fehlt ja gerade noch, dass es heißt: Würselen ist das neue Bethlehem!», rief «Mama Bavaria».

 

Zum alljährlich stattfindenden Starkbieranstich hatten sich nicht nur weite Teile der bayerischen Staatsregierung versammelt, um sich mit Hohn und Spott überschütten zu lassen. Auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), seine Kabinettskollegin Barbara Hendricks
(SPD), die Chefin der Linken-Bundestagsfraktion, Sahra Wagenknecht, SPD-Generalsekretärin Katarina Barley und der Vorsitzende der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, waren angereist. Komplettiert wurde die Gästeliste durch zahlreiche Prominente aus Sport, Kultur und Film – darunter Max von Thun, Uli Hoeneß und Ottfried Fischer. Nachdem es 2016 Ärger um vermeintlich frauenfeindliche Parolen gegeben hatte, blieb Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) diesmal zu Hause.

 

Im Anschluss an die obligatorische Predigt der Bavaria widmete sich das an einen Stephen-King-Film angelehnte Singspiel mit dem Motto «Scheining» dem großen Thema Fake News und Falschmeldungen.

 

sas/dpa