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Spielsucht erklärt – Unterschiede zwischen Frau und Mann

Die Spielsucht – oder auch das pathologische Spielen, wie es offiziell als Nummer F63.0 im ICD-10 geführt wird – ist kein Phänomen der Neuzeit und schon gar kein Problem, das nur Männer betrifft. Anders als man es aufgrund diverser Klischeebilder und früherer Rollenverteilung der Geschlechter denken könnte, betrifft diese „Abnorme Gewohnheit oder Störung der Impulskontrolle“ (laut ICD-10) zwar weniger Frauen als Männer, aber auf keinen Fall so wenige, dass man Ihre Anzahl ignorieren dürfte.
Und das nicht zuletzt, weil ein Fall von Spielsucht eine komplette Existenz innerhalb kürzester Zeit völlig zerstören kann, sei es nun Männlein oder Weiblein: solange Menschen mit dem oder der Spielsüchtigen zu tun haben, werden sie zwangsweise ebenso darunter leiden. So ist es zumindest in den meisten Fällen.

Doch was versteht man genau unter Spielsucht? Und was verspricht das Glücksspiel, dass es so reizvoll erscheint?
Das möchte ich hier gerne anhand einer typischen Werbeseite für eine Online-Slot-Maschine und daraufhin eines typischen Verlaufs erläutern, der eher den männlichen Verlauf repräsentiert, bevor ich dann auf den Unterschied zwischen den Geschlechtern eingehe.

 

Der Reiz des Spiels erklärt am Beispiel von Hotline

Dass Glücksspielsucht verstärkt durch Slotmaschinen entsteht, ist kein Zufall. Sehen wir uns folgende Seite an.
Es wird eine Online-Slot-Maschine beworben, in diesem Fall also zum Hotline Spielautomat online spielen eingeladen. Der Text lockt mit schnellem Geld, guten Gewinnchancen und bietet direkt die richtigen Tipps, um bei ausreichendem Spiel den Erfolg förmlich zu garantieren.

Man sieht sehr deutlich, womit der Betreiber für Glücksspiel seine Kunden lockt und so die Abhängigkeit möglich macht. Es wird eine Lösung für alle menschlichen Probleme geboten. Wer genug Geld hat, kann sich nahezu jeden Traum erfüllen, ganz egal wie schlecht es ihm geht.
Für die meisten Gemüter ist Geld das ultimative Lockmittel, das ultimative Ziel, um sein eigenes Leben aufzuwerten, da man es nunmal zum Leben braucht.
Und so ist es ein Leichtes für eine menschliche Psyche, die Jagd nach dem schnellen Geld zu einer Obsession  werden zu lassen.

 

Spielsucht – Für Männer und Frauen fatal

Spielsucht ist, wie bereits erwähnt, laut ICD-10 eine Störung der Impulskontrolle. Damit gehört sie zur selben Kategorie wie die Pyromanie (also der Drang zur Brandstiftung), der Kleptomanie (dem Drang zu ttehlen) und der Trichotillomanie (der Drang sich die Haare auszureißen).
Es ist also offensichtlich, dass man diese Sucht, die sich von gewöhnlicher Rauschmittel- oder Medikamentensucht deutlich unterscheidet, nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte.

Geschlechterunabhängig äußert sich die Spielsucht mittels diverser Symptome innerhalb von drei Phasen: der Gewinnphase, der Verlustphase und der Verzweiflungsphase.
Die erste Phase erinnert hier noch etwas an Rauschmittelsucht, jedoch gibt es sogar hier schon deutliche Unterschiede.

 

Die Gewinnphase

Der oder die Betroffene spielt hier gelegentlich und es bestimmt noch nicht sein oder ihr Handeln. Er oder sie empfindet aber durchaus schon vermehrt Glücksgefühle während des Spielens, wie auch, aufgrund der Vorfreude, die sich hier bereits in den Gedanken breit macht, vor dem Spiel. Der Gewinn ist hier keine Möglichkeit, sondern vielmehr schon eine Gewissheit. Der oder die Betroffene ist sich übertrieben sicher zu gewinnen.
Durch diese Sicherheit und den hinzukommenden Wunsch reich zu werden, werden immer größere Beträge gesetzt. Die Gedanken werden zusehends irrational.

 

Die Verlustphase

Hier beginnt sich die Spielsucht wirklich zu manifestieren. Einige schaffen es in der Gewinnphase zu bleiben oder sich zumindest vorher zu stoppen, bevor es in die Phase des Verlustes geht. Ohne besondere Reflektion oder äußere Intervention ist dies allerdings schon eine sehr schwierige Aufgabe. Wenn es nicht gelingt, beginnen die Betroffenen einer Spielsucht langsam, die sich einstellenden Verluste kleinzureden; die Realitätsferne nimmt also zu. Gleichzeitig freuen sie sich über den kleinsten Gewinn.
Dadurch entwickelt sich der Gedanke, die Verluste würden vollends von den Gewinnen abgedeckt, ob dies nun rechnerisch so stimmt oder nicht. Zahlen spielen kaum noch eine Rolle, nur der Gewinn. Dieser nimmt in dieser Phase das Denken der Spielsüchtigen so sehr ein, dass er es fast komplett beherrscht. Er oder sie kapselt sich so immer mehr ab, geht allein – ohne jegliche Kontrollinstanz – ins Casino oder die nächste Spielothek und versucht dort seinem imaginären Reichtum nachzujagen.

Wie bei anderen Suchterkrankungen wird diese Zwischenphase so stark, dass jeglicher andere Aspekt des Lebens komplett vernachlässigt wird. Familie, Beruf, Hobbies, der Kontostand. Es ist nicht mehr möglich, einem Spiel zu widerstehen, es wird zum Zwang.

 

Die Verzweiflungsphase

Diese dritte und letzte Phase wird eingeleitet durch das Wegbrechen von Sozialkontakten, Job und Liquidität.
Das Leben leidet nun nicht nur subjektiv, sondern ganz klar belegbar auf dem Papier.
Die Phase ist geprägt von Kontrollverlust und der Änderung der Persönlichkeit: oft wird der oder die Betroffene unruhig, stark reizbar, leidet unter Schlafstörungen oder Ähnliches. Er oder sie zieht sich vollkommen aus dem sozialen Leben zurück, entfremdet sich und wird oftmals zur Beschaffung weiteren Geldes sogar kriminell. Die Schäden, die durch die Spielsucht angerichtet wurden, sind nicht mehr selbstständig behebbar und das macht die Betroffenen meist psychisch sehr fertig. Es macht sich Hoffnungslosigkeit, Angst, Hass oder Depression breit.
In dieser Phase ist es sehr gefährlich für die Betroffenen, denn an diesem Punkt angelangt, ist das Leben ganz klar bedroht. Nicht Wenige nehmen sich hier schlussendlich das Leben, um das gefühlt endlose Pech endlich zu beenden.

 

Geschlechterspezifische Unterschiede

Nachdem ich dargestellt habe, wie eine gewöhnliche Spielsucht verläuft, möchte ich nun auf die Divergenzen zwischen den Geschlechtern eingehen.
Wissenschaftler haben untersucht, welche Unterschiede es macht, wenn man männlich oder weiblich sozialisiert ist und daraufhin mit dem Glückspiel konfrontiert wird.

Es hat sich herausgestellt, dass durch die Bank Männer sechsmal häufiger süchtig nach dem Spielen werden. Frauen werden allerdings viel schneller spielsüchtig.
Was erstmal nach einem paradox klingen mag, ist bei näherer Betrachtung einfach zu erklären und im Zusammenhang logisch:

Frauen fangen später mit dem Spielen an, ihre psychische Leere, die das Spielen füllen kann, ist aber den Umständen entsprechend deutlich größer.
Während Männer, die ein pathologisches Spielverhalten an den Tag legen, meist 30 – 39 Jahre alt sind, sind Frauen mit diesem Verhalten zwischen 40 und 49 Jahre alt.

Den Grund sehen die Wissenschaftler in der Begründung für den Zustand, der die Spielsucht begünstigt; nämlich dem Zeitpunkt in dem möglichst viel innere Leere herrscht, die gefüllt werden muss. Eine Aufgabe, die das Glücksspiel mit Leichtigkeit erfüllen kann, wenn der oder die Betroffene seine oder ihre psychischen Barrikaden nur weit genug fallen lässt.
Männer spüren diese Leere oft vor der Lebensmitte. Zu dem Zeitpunkt, wo sie zumeist schon seit 10 – 15 Jahren im selben Job arbeiten, mit immer denselben Leuten, in einer Zeit, in der es möglicherweise auch mit der Familie nicht mehr so gut läuft.

Frauen jedoch spüren meist dann eine ähnliche Leere, wenn die Distanz sich zu den eigenen Kindern, die zu dem Zeitpunkt ausgewachsen sind und ausziehen, vergrößert. Da die Kinder für die meisten Frauen viel stärker an sie gebunden sind, als Beruf, Familie und Hobbies beim Mann, wird diese Leere als sehr viel stärker wahrgenommen.
Mit den Kindern verschwindet oft der Teil im Leben der gefährdeten Frauen, der das Leben an sich überhaupt erst ausgemacht hat.

Dies ist dann der Grund, weshalb Frauen so viel schneller spielsüchtig werden als Männer; diese aber häufiger. Dennoch sollte man bei jedem Menschen, egal welchen Geschlechts, darauf achten, dass etwas Derartiges nie passiert.