Stephan Meurisch reiste zu Fuß von München nach Tibet., © Foto: Stephan Meurisch

Stephan Meurisch ging zu Fuß bis nach Tibet. Nun steht das nächste Projekt an.

13 000 km, 13 Länder, vier Jahre unterwegs. Stephan Meurisch startete 2012 am Isartor gen Tibet. 2016 kam er dort an. Am Sonntag bricht er erneut auf. Diesmal soll London das Ziel sein.

 

Wer heutzutage plant, nach Tibet zu reisen, der würde wahrscheinlich einen Flug buchen und wäre innerhalb einiger Stunden im fernen Asien. Nicht so Stephan Meurisch. Der heute 37-jährige interessierte sich schon immer für die große weite Welt, allerdings fehlte ihm zum Reisen das dafür nötige Kleingeld. Im Jahr 2012 fasste er schließlich einen Entschluss. Er kündigte seine Wohnung, schloss eine Auslandskrankenversicherung ab und schulterte einen 30 Kilogramm schweren Rucksack.

 

Stephan Meurisch reiste zu Fuß von München nach Tibet., © Stephan Meurisch

 

Am Tag nach seinem Geburtstag startete er morgens am Isartor. Und seine Idee fand Zuspruch. Nachdem er in einer Bäckerei von seinem Vorhaben erzählte, bekam er prompt eine Butterbreze geschenkt. Auch die erste Nacht musste er nicht im Freien oder seinem Zelt verbringen. Ein Wirt ließ ihn kostenlos bei sich übernachten und versorgte ihn mit Essen.

 

Nach drei Tagen hatte Meurisch Bayern verlassen und war in Österreich angekommen. Anfangs war die Reise sehr strapaziös, doch von Tag zu Tag wurde es besser. Überall, wo er hinkam, wurde er freundlich aufgenommen und durfte bei den Einheimischen übernachten. Manchmal arbeitete er für Kost und Logis. Gerade Rumänien hatte es ihm sehr angetan. Indien dagegen erschien ihm wie eine andere Welt. Laut ihm gab er seine Privatsphäre an der Grenze ab, da ihm die Leute auf Schritt und Tritt folgten.

 

Stephan Meurisch reiste zu Fuß von München nach Tibet., © Stephan Meurisch

 

Ursprünglich war eine zweijährige Reise geplant. Letztendlich wurden es vier. Als er Tibet schließlich erreicht hatte, blieb er sieben Tage lang dort. Dort konnte er sich allerdings nicht so frei bewegen, wie er es gewöhnt war, da er die ganze Zeit von einer chinesischen Aufpasserin begleitet wurde.

 

Zurück in der Heimat in Haag, baute er sich eine freiberufliche Tätigkeit als Vortragsredner und Coach auf. Seine Erfahrungen gibt er nun auf Vorträgen, in Workshops und auf seinen Reisen weiter.

 

Stephan Meurisch in den Alpen, © Stephan Meurisch

 

Am Sonntag beginnt das Abenteuer erneut: London is calling

 

Doch am Sonntag soll es wieder losgehen. Er startet wie damals um 8:00 Uhr morgens am Marienplatz. Das diesmalige Ziel ist London, „nur“ 1300 km entfernt. Die Rahmenbedingungen sind nahezu identisch wie beim letzten Mal. Ohne Geld, ohne im Voraus geplante Schlafplätze, nur mit einem Rucksack. Stephan Meurisch würde sich über Begleitung, auch nur auf Teilstrecken, freuen. Mit münchen.tv sprach der sympathische Abenteurer über seine anstehende Reise.

 

Hallo Stephan, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zu der gigantischen Leistung bis nach Tibet zu laufen. Wie kommt es, dass du jetzt schon wieder losziehst? Und warum ausgerechnet nach London?

„Das war eine ganz spontane Entscheidung aus dem Bauch heraus. Im März habe ich einen meiner Vorträge in Berlin gehalten. Danach ist ein Mann auf mich zugekommen, der total begeistert von meinen Erzählungen war. Er erzählte mir, dass er Festivals organisiert und hat mich eingeladen, bei ihm auf der Bühne zu sprechen und meine Geschichte mit den Leuten zu teilen. Dieses Festival findet eben in London statt. Daraufhin habe ich beschlossen, dass ich wieder dorthin laufen will.“

 

Wenn besagtes Festival an einem Ort stattgefunden hätte, der weiter entfernt als London wäre. Hand auf’s Herz – wärst du dann auch zu Fuß dorthin gegangen?

„Was wäre wenn… das kann ich so nicht beantworten. Wenn es in einem Land gewesen wäre, in dem ich bis jetzt noch nie war, würde es mich vielleicht schon reizen. Je nach Entfernung würde ich einige 100 km vor dem Zielort beginnen, um das Land und die Leute kennen zu lernen. Es ist auch authentischer, wenn man sich mit dem Land bereits auseinandergesetzt hat.“

 

Aktuell planst du, am 19. Oktober in London anzukommen. Wie viel Puffer planst du bei einer solchen Reise ein?

„Für 1300 km habe ich mir rund drei Monate Zeit genommen. Das sollte ich ganz gemütlich schaffen. Auf meinen anderen Reisen habe ich im Durchschnitt pro Monat zwischen 400 und 500 km zurückgelegt. Es bleibt also genug Zeit für die eine oder andere Verschnaufpause.“

 

Großbritannien ist eine Insel. Um dorthin zu gelangen, musst du den Ärmelkanal durchqueren. Wie willst du das anstellen?

„Mein großer Traum wäre es, durch den Eurotunnel gehen zu dürfen. Da bin ich aktuell noch dran, bisher leider noch ohne Rückmeldung. Aber ich werde dort einfach auftauchen und von meinem Vorhaben berichten. Vielleicht ergibt sich dann ja eine Möglichkeit. Es ist nicht unmöglich, im Jahr 2014 ist auch schonmal ein Radfahrer durch den Tunnel geradelt, ganz offiziell mit Anmeldung. Der Tunnel hat eine Länge von 50 km. Die Durchquerung würde ca. acht bis neun Stunden dauern – ohne Tageslicht.“

 

Wie sieht deine Reiseapotheke aus? Bist du für alle Eventualitäten gewappnet?

„Blasenpflaster, Aspirin und Magnesium habe ich dabei, allerdings nicht zu viel. Man ist ja nicht komplett aus der Welt, sobald man München verlässt. Sollte es auf der Reise Probleme geben, gibt es bestimmt in der Nähe eine Apotheke. Außerdem trifft man überall auf Menschen und ich glaube nicht, dass mir jemand die Tür vor der Nase zuschlägt, wenn ich nach Hilfe frage, wenn es mir gesundheitlich nicht gut geht.“

 

Du sagtest, dass du dich sehr über Begleiter freuen würdest. Haben sich bis jetzt schon Leute gemeldet, die mit dir zusammen wandern wollen?

„Es haben sich durchaus schon Leute beworben. Allerdings noch nicht für die gesamte Route, da sich die wenigsten drei Monate Zeit nehmen können. Manche begleiten mich nur für einen Tag, andere für mehrere Tage. Aktuell gibt es zwischen elf und 13 Interessenten, die mit mir zusammen die verschiedenen Etappen bestreiten.“

 

Wie fit und erfahren sollten deine Begleiter sein?

„Ich sage es immer wieder: Es sind keine extremen Touren. 13.000 km nach Tibet oder 1300 km nach London klingen natürlich nach viel, das ist es auch. Aber die einzelnen Touren sind durchaus machbar. Manchmal habe ich an einem Tag nur fünf km bis zum nächsten Dorf zurückgelegt, an anderen Tagen waren es dafür bis zu 20. Ich passe mich gern dem Tempo meiner Begleiter an. Jeder kann mitkommen!“

 

Wie sieht dein Rückweg aus London aus? Steigst du dann in ein Flugzeug oder hast du andere Pläne?

„Ich würde gern per Anhalter zurückfahren. Wahrscheinlich werde ich für die Rückreise zwei bis drei Tage benötigen.“

 

Stephan Meurisch wird am Sonntag ab 7:30 Uhr am Marienplatz sein. Außerdem lädt er alle, die Lust haben dazu ein, die erste Etappe bis nach Olching mit ihm zu bestreiten.

 

Weitere Informationen findet ihr auf seiner Website.