Tag Archiv: Beratung

Oktoberfest 2013: Paarberatung direkt auf der Wiesn

Auf den Tischen wird getanzt, geflirtet und nicht selten landet dabei der Partner im Feierrausch bei jährlichem Ausnahmezustand im falschen Dirndlausschnitt. Aber auch die Damenwelt bekommt die feschen Lederhosen quasi auf dem weiß-blauen Silbertablett präsentiert und greift hin und wieder zu. Dann ist „O zapft!“ im Beziehungskrieg: Tränen fließen, Emotionen überschlagen sich. Besonnene Unterstützung gibt`s gleich ums Eck: im Wies“nbüro für Beziehungsfragen. Die Beziehungsexperten Sandra und Rolf Neumayr empfangen jeden noch so Verzweifelten (einzeln oder gemeinsam) vis a vis der Festwiese in der Senefelderstraße 14 – täglich von 11.00 bis 20.00 Uhr.

 

Während der Wiesn die Beziehung auf den Prüfstand stellen

 

„Natürlich ist es unnötig, bei jeder kleineren Auseinandersetzung gleich an eine Paarberatung zu denken. Eine geäußerte Kritik am Wiesnoutfit zum Beispiel kann auch ein versteckter Hinweis darauf sein, dass er/sie meint, damit wird der Partner eventuell angebaggert, weil er toll aussieht.“, so Beziehungsexpertin Sandra Neumayr. „Also manchmal kann das Negative auch positiv gemeint sein. Wer nur noch nebeneinander her lebt, ohne sich um Wünsche und Bedürfnisse des Partners zu kümmern, sollte seine Beziehung auf den Prüfstand stellen. Wer aber zu lange wartet und Probleme ignoriert, der riskiert, dass sich der Partner emotional immer weiter entfernt. Dann ist es für eine Rettung oft schon zu spät.“

 

Paarberatung nach Wiesnfehltritt?

 

Sandra und Rolf Neumayr empfehlen gemeinsames Verarbeiten eines Fehltrittes. Deshalb kann jeder im Wiesn-Beziehungsbüro ein „Probetraining“ vereinbaren: Wenn er oder sie nach dem ersten Treffen immer noch das Gefühl hat, eine Beratung bringe nichts, kann man jederzeit abbrechen. Wichtig ist nur, den anderen nicht zu überreden, sondern zu überzeugen. Wenn sich der Partner sträubt, raten die Beziehungsexperten, ihm anzubieten, dass Mann oder Frau zuerst alleine eine Beratung in Anspruch zu nehmen, und ihm davon ausführlich berichten.

 

„Des krieg’n mer scho“

 

„Des krieg’n mer scho“, ist sich Rolf Neumayr sicher, „Denn bis jetzt gab es jedes Jahr die After Wiesn Krachwelle, die sich aber schnell gelegt hat. Bislang haben wir es immer noch geschafft, dass der Fehltritt unterm Weihnachtsbaum kein Thema mehr war.“

Im Münchner Wiesn-Büro für Beziehungsfragen können Hilfesuchende während des Oktoberfests täglich von 11.00 bis 20.00 vorbeischauen. Termine können unter der Telefonnummer 089-510 86 432 oder per Mail an kontakt@diebeziehungsexperten.de vereinbart werden.

 

Alle Videos zum Beziehungskisterl gibt’s auf www.muenchen.tv.

Zwangsheirat in München und Bayern

Der Fall eines achtjährigen Mädchens aus Jemen, das in seiner Hochzeitsnacht gestorben ist, schockiert die ganze Welt. Medienberichten zufolge war die Kleine war von ihrem Stiefvater an den künftigen Ehemann gegen Geld übergeben worden. Als die Ehe in der Hochzeitsnacht vollzogen wurde, starb  die minderjährige Braut an schweren inneren Verletzungen.

 

Auch in München und Bayern gibt es Zwangsheirat. Zwar sind Ehen mit Minderjährigen gesetzlich verboten, doch es gibt Hintertürchen. „Es gibt die Möglichkeit der religiösen Eheschließung“, weiß Juliane Krause, Geschäftsführerin von STOP dem Frauenhandel. „Die ist für die Brautleute ebenfalls sozial bindend“.

 

Zwangsheirat im Ausland 

 

Nicht selten werden die jungen Frauen ins Ausland gebracht, um dort verheiratet zu werden. So erging es auch Rina aus dem Libanon: Seit vielen Jahren lebte die Familie in Deutschland, aber Rina war schon als junges Mädchen einem Freund des Vaters im Libanon versprochen worden. Im Alter von 17 Jahren musste sie in das Heimatland reisen und den 36-Jährigen Verlobten heiraten. Sie lebte im Haus ihrer fremden Schwiegereltern, wurde vom eigenen Ehemann misshandelt und vergewaltigt. Erst als sie ihre Familie in Deutschland besuchte, konnte sie Kontakt zur Münchner Beratungsstelle Jadwiga aufnehmen und fliehen.

 

Die Geschichte von Rina und vielen anderen Betroffenen veröffentlicht die Beratungsstelle auf ihrer Internetseite – um zu zeigen, dass Zwangsehen auch bei uns kein Einzelfall sind. Jadwiga hilft den Frauen, sich von ihren Familien zu lösen und neue Identitäten anzunehmen – aber auch, die Situationen innerhalb der Familien zu verbessern. Denn: Nicht alle Mädchen wollen sich von ihren Familien abwenden, erklärt Geschäftsführerin Juliane von Krause. „Die Mädchen sind oft sehr eng mit der Familie verbunden, zum Beispiel mit der Mutter oder der Schwester. Der Bruch mit der Familie ist da ein sehr schwieriger Schritt, den nicht alle gehen wollen.“

 

Schutz und Beratung für Betroffene

 

Wenn es aber doch soweit kommt, werden die jungen Frauen in Behördengängen und Formalitäten unterstützt. „Denn die meisten von ihnen sind nicht sehr selbstständig, mussten noch nie allein zurechtkommen“, weiß Krause. In besonders heiklen Fällen bietet das Wohnprojekt Scheherazade schnelle und anonyme Zuflucht – in ganz Bayern wird hier zwangsverheirateten Frauen zwischen 18 und 21 Jahren Schutz geboten.

 

Um die 60 Frauen hat Jadwiga im vergangenen Jahr zum Thema Zwangsheirat beraten. „Dabei sind diejenigen, die sich bei uns melden, nur ein ganz kleiner Teil“, sagt Juliane von Krause. Die Dunkelziffer ist vermutlich um Einiges höher. Denn an viele Opfer von Zwangsheirat kommen die Beraterinnen gar nicht heran. „Es gibt zum Beispiel Fälle, in denen junge Mädchen aus dem Heimatland des Bräutigams importiert werden. Die sprechen dann überhaupt kein Deutsch und können nur schwer Kontakt aufnehmen“, beklagt Krause. Eine andere Schwierigkeit: Wenn Frauen ins Ausland gebracht werden, um dort zu heiraten – so wie bei Rina. Erst als sie auf Besuch in Deutschland war, konnte sie die Chance zur Flucht ergreifen.

 

mt