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Gustl Mollath bei münchen.tv: „Man wird in die Hölle geschickt.“

Rund einen Monat nach seiner Entlassung aus der Psychiatrie gab Gustl Mollath am Dienstag in München sein erst zweites Fernsehinterview. Auf münchen.tv bekräftigte er gegenüber dem Chefredakteur Jörg van Hooven in der Sendung „Menschen in München“ seine Vorwürfe in Bezug auf die Unterbringung. In der geschlossenen Abteilung der Anstalt seien folterähnliche Maßnahmen ergriffen worden. Mollath: „Man hat einen vordergründigen Freispruch und man wird in die Hölle geschickt. Das hat niemand verdient.“

 

Auch seine Kritik an Justizministerin Beate Merk bringt Gustl Mollath in dem Gespräch offen zum Ausdruck: „Sie weiß ganz genau, dass das, was sie sagt, und vorher gesagt hat über mich, nicht stimmt.“

 

In der 45-minütigen Talksendung streitet Mollath außerdem vehement jede Gewalt gegenüber seiner Frau ab und rollt die Geschehnisse der vergangenen sieben Jahre noch einmal aus seiner Sicht auf.

 

 

Verfassungsbeschwerde von Gustl Mollath zu seinem Psychiatrieaufenthalt ist erfolgreich

Nach Ansicht des Bundesverfassungsgerichts saß Gustl Mollath in den vergangenen zwei Jahren verfassungswidrig in der Psychiatrie. Das höchste deutsche Gericht gab am Donnerstag einer Beschwerde des 56-Jährigen statt. Die Karlsruher Richter werfen ihren Kollegen in Bayern vor, ihre Entscheidungen nicht gut genug begründet, sondern sich mit knappen, allgemeinen Aussagen begnügt zu haben. Zehn Tage vor der Landtagswahl nutzt die Opposition diese Steilvorlage zu einem erneuten Angriff auf Justizministerin Beate Merk.

 

mt

SPD und Grüne fordern Ermittlungen gegen Richter im Fall Mollath

SPD und Grüne fordern Ermittlungen gegen den Richter, der Mollath 2006 in die Psychiatrie eingewiesen hatte. Die Münchner Staatsanwaltschaft hat diese Forderung jedoch scharf zurückgewiesen. SPD und Grüne werfen dem inzwischen pensionierten Richter vor, er sei befangen gewesen und habe im Untersuchungsausschuss des Landtags gelogen. Grünen-Fraktionschef Martin Runge wirft der Staatsanwaltschaft vor, auch jetzt noch Unwahrheiten zu verbreiten.

Psychiatrische Gutachten über Gustl Mollath sind öffentlich im Internet einsehbar

Der Anwalt von Gustl Mollath hat sämtliche psychiatrische Gutachten über seinen Mandanten im Internet veröffentlicht. Bis vor kurzem war der 57-Jährige noch gegen seinen Willen in der Psychiatrie festgehalten worden – sieben Jahre lang.

 

«Angesichts der neu einsetzenden Diskussion um die Rolle der Psychiatrie, (…), aber auch zur Aufhellung der Verantwortlichkeiten im Umgang mit Gustl Mollath erscheint uns ein Höchstmaß an Transparenz angebracht», erklärte der Rechtsanwalt Gerhard Strate sein Handeln. Der Nachrichtenagentur dpa gegenüber sagte er: «Ich gehe mal davon aus, dass das Konsequenzen haben wird».

 

Viele Fachleute zeigten großes Interesse an den von ihm veröffentlichten Dokumenten.

 

mt / dpa / lby

Reaktionen auf die Freilassung von Gustl Mollath

Es war die Nachricht des Tages, und sie hat eingeschlagen wie eine Bombe: Gustl Mollath kommt frei – nach sieben Jahren Psychiatrie. Nachdem das Landgericht Regensburg die Wiederaufnahme seines Verfahrens erst vor kurzem verweigert hatte, hatte mit der Freilassung so schnell eigentlich kaum jemand gerechnet. Umso größer ist die Freude.

 

Horst Seehofer begrüße die Entscheidung des Oberlandesgerichts in Nürnberg und sagte: „Am Ende könnte es zwei Gewinner geben: Das eine ist ein fairer Rechtsstaat, das andere ist die Person Gustl Mollath“. Zufrieden ist auch Bayerns Justizministerin Beate Merk: „Die Justiz hat nun Gelegenheit, in einem weiteren öffentlichen Verfahren zu klären, ob Herr Mollath zu Recht untergebracht ist oder nicht – und damit auch die Zweifel, die viele Menschen an dieser Entscheidung haben.“ Sehr zufrieden zeigte sich auch Mollath-Anwalt Gerhard Strate: „Damit ist in Bayern wieder der Rechtsstaat hergestellt“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

 

Auch in den sozialen Netzwerken drücken viele ihre Freude über die Freilassung Mollaths aus. Sein offizieller Twitteraccout, der bislang von Unterstützern betrieben wurde, meldet heute:

 

 

 

Dazu beeindruckt der Betreiber des Accounts nochmal mit Zahlen: Insgesamt 2717 Tagen beziehungsweise 65218 Stunden war Gustl Mollath gegen seinen Willen in einer Psychiatrie, heißt es dort.

 

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude meldet sich ebenfalls über den Kurznachrichtendienst Twitter zu Wort.

 

 

 

 

Aber auch Kritik am jahrelangen Hin und Her im Fall Mollath wird wieder laut – viele Internetnutzer äußern die Forderung, den Fall nun endlich ordnungsgemäß neu aufzuwickeln und die Missstände offenzulegen.

 

Gustl Mollath kommt frei

Seit sieben Jahren sitzt er in der Psychiatrie – jetzt kommt Gustl Mollath umgehend frei, denn das Strafverfahren gegen ihn wird wieder aufgenommen. Wie das Oberlandesgericht Nürnberg heute beschlossen hat, wird der 56-Jährige so schnell wie möglich aus der Unterbringung in der Bayreuther Psychiatrie entlassen.

 

Mollath befindet sich seit sieben Jahren gegen seinen Willen in dieser Einrichtung. Der Vorwurf: Er soll seine Frau misshandelt und Autoreifen zerstochen haben – und daher gefährlich sein. Zu den Vorwürfen äußerte er sich auch in einem Untersuchungsausschuss.

 

Erst kürzlich hatte Mollath einen Rückschlag hinnehmen müssen, als das Landgericht Regensburg sich gegen die Wiederaufnahme des Verfahrens entschieden hatte. Das Nürnberger OLG ordnete nun aber eine neue Hauptverhandlung an und verwies das Verfahren an eine andere Kammer des Landgerichts Regensburg.

 

mt  / dpa