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Gustl Mollath bei münchen.tv: „Man wird in die Hölle geschickt.“

Rund einen Monat nach seiner Entlassung aus der Psychiatrie gab Gustl Mollath am Dienstag in München sein erst zweites Fernsehinterview. Auf münchen.tv bekräftigte er gegenüber dem Chefredakteur Jörg van Hooven in der Sendung „Menschen in München“ seine Vorwürfe in Bezug auf die Unterbringung. In der geschlossenen Abteilung der Anstalt seien folterähnliche Maßnahmen ergriffen worden. Mollath: „Man hat einen vordergründigen Freispruch und man wird in die Hölle geschickt. Das hat niemand verdient.“

 

Auch seine Kritik an Justizministerin Beate Merk bringt Gustl Mollath in dem Gespräch offen zum Ausdruck: „Sie weiß ganz genau, dass das, was sie sagt, und vorher gesagt hat über mich, nicht stimmt.“

 

In der 45-minütigen Talksendung streitet Mollath außerdem vehement jede Gewalt gegenüber seiner Frau ab und rollt die Geschehnisse der vergangenen sieben Jahre noch einmal aus seiner Sicht auf.

 

 

Nach Geiselnahme in Ingolstadt: Justizministerin Beate Merk fordert härtere Strafen für Stalker

Die Geiselnahme, die am Montag ganz Ingolstadt in Atem gehalten hat, soll nicht ohne Folgen bleiben: Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) nimmt den Vorfall zum Anlass, erneut härtere Gesetze gegen Stalking zu fordern. Der Grund: Der junge Mann, der über mehrere Stunden zeitweise drei Menschen in seiner Gewalt hatte, war bereits wegen Stalkings vorbestraft.
Merk fordert nun politische Konsequenzen: Das seit 2007 gültige Gesetz, das Stalking unter Strafe stellt, greife erst, wenn das Opfer durch die Tat schwerwiegend in seiner Lebensgestaltung beeinträchtigt worden sei. In einem Interview mit der „Augsburger Allgemeinen“ sagte Merk: «Es muss reichen, dass die Attacken eines Stalkers geeignet sind, die Lebensführung des Opfers schwerwiegend zu beeinträchtigen.»
Der bayerische Entwurf für eine Gesetzesänderung liege auf dem Tisch, sagte die CSU-Politikerin an die FDP im Bund und andere Bundesländer gerichtet, die bislang einer Verschärfung skeptisch gegenüberstehen.

 

Weil der Geiselnehmer von Ingolstadt einer Mitarbeiterin des Rathauses schon seit geraumer Zeit nachgestellt hatte, hatte er dort bereits Hausverbot – Ende Juli wurde er wegen Stalkings, Beleidigung und Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Laut einem Gutachter war damals nicht zu erwarten, dass der Mann eine schwerwiegende Straftat begeht.

 

mt / dpa

Reaktionen auf die Freilassung von Gustl Mollath

Es war die Nachricht des Tages, und sie hat eingeschlagen wie eine Bombe: Gustl Mollath kommt frei – nach sieben Jahren Psychiatrie. Nachdem das Landgericht Regensburg die Wiederaufnahme seines Verfahrens erst vor kurzem verweigert hatte, hatte mit der Freilassung so schnell eigentlich kaum jemand gerechnet. Umso größer ist die Freude.

 

Horst Seehofer begrüße die Entscheidung des Oberlandesgerichts in Nürnberg und sagte: „Am Ende könnte es zwei Gewinner geben: Das eine ist ein fairer Rechtsstaat, das andere ist die Person Gustl Mollath“. Zufrieden ist auch Bayerns Justizministerin Beate Merk: „Die Justiz hat nun Gelegenheit, in einem weiteren öffentlichen Verfahren zu klären, ob Herr Mollath zu Recht untergebracht ist oder nicht – und damit auch die Zweifel, die viele Menschen an dieser Entscheidung haben.“ Sehr zufrieden zeigte sich auch Mollath-Anwalt Gerhard Strate: „Damit ist in Bayern wieder der Rechtsstaat hergestellt“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

 

Auch in den sozialen Netzwerken drücken viele ihre Freude über die Freilassung Mollaths aus. Sein offizieller Twitteraccout, der bislang von Unterstützern betrieben wurde, meldet heute:

 

 

 

Dazu beeindruckt der Betreiber des Accounts nochmal mit Zahlen: Insgesamt 2717 Tagen beziehungsweise 65218 Stunden war Gustl Mollath gegen seinen Willen in einer Psychiatrie, heißt es dort.

 

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude meldet sich ebenfalls über den Kurznachrichtendienst Twitter zu Wort.

 

 

 

 

Aber auch Kritik am jahrelangen Hin und Her im Fall Mollath wird wieder laut – viele Internetnutzer äußern die Forderung, den Fall nun endlich ordnungsgemäß neu aufzuwickeln und die Missstände offenzulegen.