Tag Archiv: Nationalsozialistischer Untergrund

© Beate Zschäpe im Gericht

Urteilsverkündung: Zschäpe im NSU-Prozess wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt

Im NSU-Prozess ist die Hauptangeklagte Beate Zschäpe wegen zehnfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Oberlandesgericht München stellte am Mittwoch zudem die besondere Schwere der Schuld fest – damit ist eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren rechtlich zwar möglich, in der Praxis aber so gut wie ausgeschlossen. Weiterlesen

Beate Zschäpe steht im Verhandlungssaal des NSU-Prozesses, © Beate Zschäpe im Oberlandesgericht

Bundesanwaltschaft setzt Plädoyer im NSU-Prozess fort

Beim Schlussvortrag der NSU-Verhandlung wird die Anklage die komplette Beweisaufnahme der vergangenen vier Jahre noch einmal durchgehen. Die Angehörigen jedoch sind froh, wenn der Prozess zu einem Ende kommt.

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Uwe Mundlos, Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt, © Das NSU-Trio v.l.n.r.: - Uwe Mundlos, Beate Zschäpe und Uwe Böhnhardt

München/Gera: Ermordete NSU 1993 kleinen Jungen?

Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass Mitglieder einer frühen Form des Nationalsozialistischen Untergrundes die ersten Gewalttaten  schon in den frühen Neunzigern verübt haben könnten.

Jetzt laufen erneut Ermittlungen zum Mord an dem neunjährigen Schüler Bernd Beckmann aus Gera im Juli 1993.

 

Hat Uwe Böhnhardt den Jungen ermordet?

Der Fokus der Ermittlungen liegt auf dem mittlerweile toten NSU-Killer Uwe Böhnhardt.

Der war in den frühen neunziger Jahren in der selben Jugend-Gang wie der polizeibekannte Enrico T. (ein mutmaßlicher Helfer des NSU)

Nachdem vor einigen Monaten die Taten des NSU ans Licht gekommen waren und zwei der drei Mitglieder Selbstmord begangen hatten, hatte ein Aussteiger der rechten Szene in Polizeivernehmungen gesagt, Enrico T. „stehe auf Kinder“.

T. war schon 1993 ins Visier der Ermittlungen geraten, weil ein Außenbordmotor, der Enrico T. gehört hatte, unweit der Fundstelle der Leiche des neunjährigen Bernd Beckmann aufgetaucht war.

Derselbe Außenbordmotor, mit dem Böhnhardt und Enrico T. zu der Zeit, als sie befreundet waren, oft auf Gewässern unterwegs waren.

Dann aber – so sagt Enrico T- jedenfalls – soll Uwe Böhnhardt ihm den Motor geklaut haben, nachdem ihre Freundschaft zerbrochen war. Weiterhin vermutete T. in Vernehmungen, Böhnhardt wolle ihm den Mord an Bernd Beckmann in die Schuhe schieben. Enrico T. selbst behauptet weiterhin, nichts mit dem Mord zu tun zu haben.

Diese verschlungenen Erzählungen lenkten die Aufmerksamkeit auf Uwe Böhnhardt als Tatverdächtigen des Jungen-Mordes von 1993.

 

Schon immer gewaltbereit

Die kriminelle Laufbahn des späteren NSU reicht viel weiter zurück als nur zu den Morden ausländischer Geschäftsbetreiber:

Die Deutsche Presseagentur berichtet:

„Böhnhardt und T. gehörten Anfang und Mitte der 90er Jahre derselben Jugendbande in Jena an. Beide galten als hoch kriminell. Böhnhardt wurde im Februar 1993 wegen mehrerer Diebstähle und Körperverletzung zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Im Juni 1993, wenige Wochen vor dem Verschwinden Bernd Beckmanns, kam er frei. Im August darauf, nur wenige Tage, nachdem Beckmanns Leiche am Saaleufer gefunden wurde, stand er erneut vor Gericht. Enrico T. fiel 1993 ebenfalls mit seiner ersten schweren Straftat auf. Er soll versucht haben, mit einem gestohlenen Radlader die Front einer Bankfiliale einzufahren.“

adc / dpa

 

NSU-Prozess: Hessischer Verfassungsschützer als Zeuge geladen

Im NSU-Prozess vernimmt das Gericht erneut einen hessischen Verfassungsschützer.

 

Der 106. Verhandlungstag im NSU-Prozess steht an. Am Dienstag geht es erneut um die rätselhafte Rolle eines Verfassungsschützers beim Mord an Halit Yozgat 2006 in Kassel. Zum wiederholten Male muss der Beamte Andreas T. als Zeuge erscheinen, der während des Mordes an Yozgat im hinteren Raum von dessen Internetcafé saß. Die Anwesenheit des Verfassungsschützers hatte für Spekulationen gesorgt, zumal er sich nach der Tat nicht als Zeuge gemeldet hatte. Ermittlungen gegen ihn wurden eingestellt; die Bundesanwaltschaft geht nicht davon aus, dass er mit dem Mord etwas zu tun hatte. In seinen bisherigen Vernehmungen hatte T. stets behauptet, er habe von der Tat nichts mitbekommen.Der Terrorgruppe “Nationalsozialistischer Untergrund” werden unter anderem zehn Morde zur Last gelegt. Opfer waren neun Menschen mit ausländischen Wurzeln und eine Polizistin. Beate Zschäpe ist als Mittäterin an sämtlichen Attentaten angeklagt. Neben den Morden werden ihr zwei Sprengstoffanschläge zur Last gelegt. Beate Zschäpe ist die einzige Überlebende des Trios. 13 Jahre lang lebte sie mit ihren beiden mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt unter falschen Identitäten Mitten in Deutschland.
NSU-Prozess könnte länger dauern als geplant

Nach Einschätzungen des Münchner Oberlandesgerichtspräsidenten Karl Huber wird sich der NSU-Prozess bis ins nächste Jahr ziehen. Termine seien schon bis Ende 2014 festgelegt, so Huber. Der Prozess stelle das Gericht weiter vor „unglaubliche Herausforderungen“, da er extrem viel Kapazitäten binde. Der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts unter Vorsitz von Manfred Götzl hat allein schon fünf Richter. Dazu gibt es drei Ergänzungsrichter – falls ein Richter während des Prozesses ausfällt.

 

rr/dpa

 

 

Zeugenvernehmung beim NSU-Prozess!

Im NSU-Prozess soll am Dienstag erneut der ehemalige Verfassungsschutz-Mitarbeiter Andreas T. als Zeuge vernommen werden. Er saß im hinteren Raum eines Internet-Cafés in Kassel am Computer, als die Neonazi-Terroristen dort im April 2006 den 21-jährigen Halit Yozgat ermordeten. Die Anwesenheit des Verfassungsschützers war Anlass für Spekulationen, zumal T. sich nicht als Zeuge bei der Polizei meldete.

In seiner ersten Vernehmung vor dem Oberlandesgericht München Anfang Oktober hatte er gesagt, er habe nichts von dem Mord mitbekommen. Er habe sich auch später nicht als Zeuge gemeldet, weil er fürchtete, seine Frau könnte von seinen Besuchen in Flirtforen erfahren. Der Vorsitzende Richter hatte deutlich gemacht, dass er die Erklärung für nicht sehr überzeugend hielt.

Dem «Nationalsozialistischen Untergrund» (NSU) werden zehn Morde zur Last gelegt, neun Opfer hatten türkische oder griechische Wurzeln. Beate Zschäpe, die derzeit in München vor Gericht steht, ist als Mittäterin an allen Anschlägen angeklagt. Sie soll für die legale Fassade des Trios gesorgt haben.

 

dpa/cb