Tag Archiv: NS

Stolpersteine in München, © Stolpersteine in München.

Streit beendet: Augsburg bekommt öffentliche Stolpersteine

Zehn Zentimeter hoch, breit und tief ist das Objekt, das regelmäßig für Diskussionen und Konflikte sorgt. München entschied sich vor über einem Jahr gegen Stolpersteine im öffentlichen Raum, Augsburg hat sich nach langen Verhandlungen nun für die Gedenksteine entschieden.

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München/Barcelona: Gurlitts Verwandte wollen Kunstfund

Ein in Barcelona lebender Verwandter des verstorbenen Kunstsammlers Cornelius Gurlitt zweifelt daran, dass das Kunstmuseum Bern die Sammlung seines Cousins bekommen wird.

Die rund 1500 Kunstwerke, die Cornelius Gurlitt in seiner Schwabinger Wohnung und seinem Haus in Salzburg gehortet hatte, sollen nach dem Willen von Ekkeheart Gurlitt – Fotograf und Lebenskünstler von Beruf, 65 Jahre alt, wohnhaft in Spanien – an den Vater von Cousin Ekkeheart – 94 Jahre alt – gehen.

„Das Testament wurde noch gar nicht eröffnet und dennoch will schon jeder wissen, dass das Kunstmuseum Bern der Erbe sein soll. Es ist die Frage, ob es nicht auch andere Testamente gibt und welches dann gültig ist.“ – sagte Ekkeheart Gurlitt einer Münchner Zeitung.

 

„Ekkeheart“ will Testament sogar rechtlich anfechten

 

Der Cousin hat sich bereits mit einem Anwalt in Verbindung gesetzt und will das offizielle Testament des toten Cornelius Gurlitt notfalls vor Gericht anfechten.

Ekkeheart Gurlitt glaubt nicht, dass es wirklich der Wille seines verstorbenen Verwandten sein konnte, die Kunstsammlung seines Vaters in familienfremde Hände zu geben. Ekkeheart geht sogar davon aus, dass schlicht der Druck, den die Staatsregierung auf den schwer kranken Cornelius Gurlitt ausgeübt hatte, ihn zu dem Schritt bewogen hat.

 

Provenienzforschung läuft weiter

 

Unterdessen untersucht eine Taskforce der Bayerischen Staatsregierung weiter, ob es sich bei einigen der Bilder aus der Sammlung von Cornelius Gurlitt um NS-Raubkunst handelt.

Die Werke können erst dann weiter gegeben werden, wenn vollständig geklärt ist, auf welchen Wegen sie von ihren ursprünglichen Besitzern in die Sammlung nach Schwabing und Salzburg gelangt sind.

adc

 

München: Kunstfunde bleiben erstmal versteckt

Die Kunstwerke, die sich vormals im Besitz von Cornelius Gurlitt befunden hatten, bleiben erst einmal an dem „geheimen Ort im Raum München“, an dem sie in den letzten Wochen untergebracht waren.

Die Taskforce „Münchner Kunstfunde“ der Landesregierung hat die Kunst, bei der es sich wohl um Nazi – Raub – Kunst, vor kurzem offiziell Cornelius Gurlitt zurückgegeben.

Allerdings nicht, ohne vorher mit dem Kusthändlersohn, in dessen Wohnung in Schwabing die Bilder gefunden worden waren, einen Deal auszuhandeln:

Gurlitt ist zwar wieder der Eigentümer der Bilder, dennnoch hat er sich verpflichtet, die Kunstwerke da zu belassen, wo die Taskforce sie momentan aufbewahrt – zur weiteren Untersuchung.

Schon allein aus konservatorischen Gründen liegt es nahe, dass jede Art der Bewegung von Kunstgut eine Gefährdung darstellen würde und demzufolge nach Möglichkeit zu vermeiden wäre„, heißt es von der Taskforce.

Bis Ende des Jahres soll die Provenienzforschung, also die Recherche über die ursprünglichen Besitzer der Kunstgegenstände, abgeschlossen sein.

Dann soll Cornelius Gurlitt die Bilder, die sich nicht als Raubkunst erwiesen haben, zurückerhalten.

„Es ist Sache von Herrn Gurlitt und seinen Vertretern, was mit den Bildern geschehen soll, bei denen eine Rückgabe angeordnet wird“, sagte Justizminister Winfried Bausback von der CSU.

Zuvor hatte Gurlitt seine Sammlung von möglicher NS – Raubkunst in seiner Wohnung, nur kennt den Ort mittlerweile durch die Medien fast ein jeder, was problematisch werden könnte, da es sich bei den Bilder um immense Vermögenswerte handelt.

adc / dpa

München: Was wäre, wenn Sophie Scholl…

…nicht durch die Nationalsozialisten ermordet worden wäre?

Wie wäre das Leben der Ikone des Widerstands im Dritten Reich weitergegangen?

Eine deutsch – dänische Gruppe von Künstlern, die sich „Surrend“ nennt, stellt sich genau diese Frage und beantwortet sie selbst mit einer Online – Bildergeschichte.

In der verbringt Sophie Scholl samt Lebenspartner Fritz Hartnagel ein schönes Leben an der Nordsee.

„Kurz bevor er an die Front ging und sie nach München zurückkehrte, wo sie beim Verteilen der Flugblätter festgenommen und später getötet wurde, verbrachten sie einen gemeinsamen Urlaub an der Nordsee“, erklären die Künstler Jan Egesborg und Johannes Töws. „Wir haben eine Geschichte darüber geschrieben, was geschehen wäre, wenn sie nicht zurückgekehrt wären.“

„Ist irgendeine Sache es wert, für sie zu sterben?“ – diese Frage wollen „Surrend“ mit ihrer Geschichte vor allem in den Raum stellen.

Für solche kleinen politischen Unkorrektheiten sind „Surrend“ schon länger bekannt.

In den Kleinanzeigen einer libyschen Zeitung versteckten sie zum Beispiel 2009 die beiden Worte „Gaddhafi“ und „lunatic“, also „Irrer“ nah beieinander.

Die Geschichte „Fritz und Sophie“ lässt sich hier bestaunen.

adc / dpa

Durchsuchungen bei drei mutmaßlichen NS-Verbrechern

Ermittler haben die Wohnungen von drei mutmaßlichen NS-Verbrechern in Franken durchsucht. Den Männern wird vorgeworfen, an der Tötung von Häftlingen im Konzentrationslager Auschwitz beteiligt gewesen zu sein. Im Raum Aschaffenburg gab es am Mittwoch bei einem 92-Jährigen und im Raum Coburg bei einem 90-Jährigen Durchsuchungen, wie Oberstaatsanwalt Dietrich Geuder aus Würzburg am Donnerstag sagte. Im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim wurde Oberstaatsanwältin Antje Gabriels-Gorsolke zufolge die Wohnung eines 91-Jährigen durchsucht. Zu Verhaftungen kam es nicht.

 

Die Verfahren gehen auf Vorermittlungen der Ludwigsburger NS-Fahndungsstelle zurück. Sie hatte Informationen zu 30 mutmaßlichen Nazi-Verbrechern an die zuständigen Staatsanwaltschaften gegeben. Sieben der Verdächtigen leben in Bayern. Die Staatsanwaltschaft München prüft zurzeit die Vorwürfe gegen zwei von ihnen.

 

Die Ermittlungen gegen zwei weitere wurden inzwischen eingestellt, wie Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch sagte. Bei einem Verdächtigen sei nachgewiesen worden, dass er sich zum fraglichen Zeitpunkt nicht in Auschwitz aufhielt, im zweiten Fall sei der Mann gesundheitlich nicht mehr in der Lage, einem möglichen Prozess zu folgen.

 

 

jn / dpa

Bayern will Verjährung bei NS-Raubkunst einschränken

Nach dem aufsehenerregenden Schwabinger Kunstfund will die Staatsregierung bei NS-Raubkunst die Verjährung der Rückgabeansprüche einschränken.

 

Sehr viele einst von den Nazis geraubte Kunstwerke sind bis heute nicht an die Erben der rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben worden. Die Staatsregierung will es ein bisschen leichter machen, gestohlene Werke zurückzubekommen.

 

Der bayerische Justizminister Winfried Bausback (CSU) legte bei der Kabinettssitzung am Dienstag eine entsprechende Bundesratsinitiative vor.

Demnach sollen derzeitige Besitzer von NS-Raubkunst sich nicht auf die Verjährung berufen können, wenn sie wissen oder zumindest den begründeten Verdacht haben, dass es sich um NS-Raubkunst handelt. Juristisch wird das unter dem Begriff «bösgläubig» zusammengefasst. «Bösgläubig ist der, der weiß, dass er kein Recht zum Besitz hat», sagte Bausback nach Ende der Kabinettssitzung.

Der CSU-Politiker bezeichnete es als «unerträglich», dass solche Besitzer geraubter Kunstwerke sich bisher auf die übliche Verjährungsfrist von 30 Jahren berufen können.

Die im Bürgerlichen Gesetzbuch festgeschriebene Verjährungsfrist für Eigentumsansprüche will die Staatsregierung zwar nicht antasten – aber bösgläubige Besitzer von NS-Raubkunst sollen sich darauf im Streit mit den Nachkommen der ursprünglichen Eigentümer nicht mehr berufen können.

Die Grünen forderten ein Kunstrückgabegesetz. «Der Entwurf der Staatsregierung ist eine reine Alibihandlung», kritisierte der Kulturpolitiker Sepp Dürr. «Die Erben der rechtmäßigen Eigentümer müssen endlich ihre berechtigten Ansprüche durchsetzen können.»

 

 

jn /dpa

Münchner Staatsanwaltschaft prüft NS-Vorwürfe

Die Münchner Staatsanwaltschaft geht Hinweisen der Ludwigsburger Zentralstelle auf mutmaßliche NS-Verbrecher nach. Vier Fälle soll es in Oberbayern, Schwaben und Niederbayern geben. Die Ermittler untersuchen, ob es einen Anfangsverdacht wegen NS-Morden gibt und ein Ermittlungsverfahren eröffnet wird, wie Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch am Montag sagte. Insgesamt befasst sich die bayerische Justiz mit sieben Fällen.

Die Münchner Staatsanwaltschaft untersucht Hinweise über mutmaßliche Beschäftigte im KZ Auschwitz. Die Zentralstelle hatte ihnen eine Liste mit Namen gegeben. Laut Steinkraus-Koch sei jedoch nicht klar, woher die Liste stammt und wie belastbar die Informationen sind. Zudem müsse überprüft werden, ob mögliche Taten überhaupt noch verfolgt werden können. Zumindest in einem Fall handle es sich möglicherweise um einen damals Jugendlichen.

Die NS-Fahndungsstelle hatte vor kurzem angekündigt, die Ergebnisse von 30 Vorermittlungen zu mutmaßlichen NS-Verbrechern an die zuständigen Staatsanwaltschaften in ganz Deutschland abzugeben. Den Beschuldigten wird Beihilfe zum Mord vorgeworfen.

 

rr/dpa

Schüler präsentieren Audioguide zu Kindheit im Nationalsozialismus

Wie haben wohl unsere Großeltern und Urgroßeltern ihre Kindheit im nationalsozialistischen Deutschland erlebt? Mit dieser Frage haben sich Schülerinnen und Schüler der Städtischen Berufsoberschule in der Ausbildungsrichtung Sozialwesen beschäftigt und Audioguides für das NS-Dokumentationszentrum erstellt.

 

Die Hörstücke setzen sich mit Münchner Lebensgeschichten in der Zeit des Nationalsozialismus auseinander und beleuchten das Thema Kindheit und Jugend unter nationalsozialistischer Herrschaft aus unterschiedlichen Perspektiven. Die lebendigen Toncollagen erzählen von Alltag, Faszination, Ausgrenzung, Verfolgung und Widerstand.

 

Dafür haben die Jugendlichen mit Zeitzeugen über deren Erinnerungen gesprochen. Neben bekannten Münchnern wie Ernst Grube, Hugo Höllenreiner und Charlotte Knobloch befragten sie auch die Chanson- und Operettensängerin Ruth Megary und Paul Würges, Münchens ersten Rock‘n’Roller. Sie alle erzählten von ihren Erlebnissen während der NS-Zeit, auch davon, wie sie sich später mit dem Erlebten auseinandergesetzt haben.

 

Das Kooperationsprojekt wurde vom NS-Dokumentationszentrum München, der Stiftung Zuhören und dem Referat für Bildung und Sport mit Unterstützung des Bayerischen Rundfunks realisiert. Die Hörstücke sind ab dem 25. Juli im Internet kostenlos abrufbar.