Tag Archiv: NSU

NSU-Prozess: Fortsetzung erst bei Anwesenheit von Zschäpe

Der NSU-Prozess soll fortgesetzt werden, sobald Beate Zschäpe wieder da ist.

 

Nach fast zwei Tagen Pause soll am Donnerstag der Münchner NSU-Prozess fortgesetzt werden – vorausgesetzt, die Hauptangeklagte Beate Zschäpe ist wieder verhandlungsfähig. Der Prozesstag am Mittwoch war wegen einer Erkrankung der 39-Jährigen komplett ausgefallen. Und auch am Dienstag war die Verhandlung nach nur einer guten halben Stunde unterbrochen worden – Zschäpe hatte nach Erhalt einer unbekannten Nachricht über Übelkeit geklagt. Als Zeugen für Donnerstag sind unter anderem Urlaubsbekanntschaften der mutmaßlichen Neonazi-Terroristen sowie Wohnmobilvermieter geladen. Dem „Nationalsozialistischen Untergrund“ aus Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt werden unter anderem zehn Morde zwischen 2000 und 2007 angelastet, davon neun an Kleinunternehmern ausländischer Herkunft und ein Mord an einer Polizistin.

 

rr/dpa

NSU-Prozess: Verhandlung fällt wegen Krankheit Zschäpes aus

Der NSU-Prozesstag am Mittwoch muss wegen Krankheit der Hauptangeklagten Beate Zschäpe komplett ausfallen. Das teilte der Vorsitzende Richter Manfred Götzl am Vormittag offiziell mit. Alle weiteren Termine – auch der an diesem Donnerstag – blieben aber weiter bestehen. Bereits am Dienstag war die Hauptverhandlung wegen Übelkeit Zschäpes und eines später folgenden Befangenheitsantrags der Verteidigung gegen einen Gerichtsarzt nahezu komplett ausgefallen. Als Grund für die Übelkeit hatte Zschäpe eine Nachricht angegeben, die sie am Dienstagmorgen vor Sitzungsbeginn erhalten habe.

 

rr/dpa

NSU-Prozess: Böhnhardt-Bruder als Zeuge geladen

Der Bruder von Böhnhardt, die Ehefrau von Wohlleben: Der NSU-Prozess soll mit der Befragung zweier enger Familienangehöriger fortgesetzt werden. Derweil wird bekannt, dass das Gericht mehrere Briefe der Hauptangeklagten Zschäpe beschlagnahmen will.

 

 

Im Münchner NSU-Prozess soll an diesem Mittwoch der ältere Bruder des mutmaßlichen Neonazi-Terroristen Uwe Böhnhardt als Zeuge gehört werden. Er dürfte vom Gericht unter anderem zum privaten Umfeld und zu gemeinsamen Kontakten der Brüder befragt werden. Ebenfalls als Zeugin geladen ist die Ehefrau des Angeklagten Ralf Wohlleben. Diese darf jedoch die Aussage verweigern.

Uwe Böhnhardt und seinem Komplizen Uwe Mundlos werden unter anderem zehn Morde angelastet, davon neun an Kleinunternehmern ausländischer Herkunft. Die beiden erschossen sich im November 2011, um einer Festnahme zu entgehen. Beate Zschäpe, Hauptangeklagte im NSU-Prozess, muss sich als Mittäterin bei allen Verbrechen der rechtsextremen Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ verantworten. Wohlleben ist, weil er eine Waffe besorgt haben soll, wegen Beihilfe angeklagt.

 

Der Prozesstag am Dienstag war wegen Unwohlsein Zschäpes und eines darauf folgenden Befangenheitsantrags gegen einen Gerichtsarzt nahezu komplett ausgefallen. Als Grund für die Übelkeit gab Zschäpe nach Angaben des Arztes eine Nachricht an, die sie unmittelbar vor Sitzungsbeginn erhalten habe. Genauere Angaben dazu machte sie nicht.

 

Am Dienstagabend wurde bekannt, dass das Gericht möglicherweise drei Briefe Zschäpes an einen inhaftierten Gesinnungsgenossen in Nordrhein-Westfalen beschlagnahmen will – darunter ein neues, bisher unbekanntes Schreiben von Mitte April. Hintergrund ist, dass das Münchner Oberlandesgericht eventuell ein Sprachgutachten erstellen lassen möchte, um die Co-Autorenschaft Zschäpes an einem Manifest des NSU zu klären. Dies geht nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa aus einem Schreiben des Senats mit Datum vom 2. April hervor.

 

Im Hinblick auf entsprechende Beweisanträge werde erwogen, drei Briefe Zschäpes als Beweismittel zur Erstellung eines solchen forensisch-linguistischen Gutachtens zu beschlagnahmen, heißt es in dem Schreiben des Gerichts. In einer Expertise im Auftrag des Magazins „Stern“ waren Fachleute 2013 zu dem Schluss gekommen, dass Zschäpe „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ Co-Autorin des NSU-Dokuments ist – was sie im Prozess weiter belasten würde. Das Papier zeugt von der rassistischen Ideologie des NSU.

 

Die Wissenschaftler hatten das Dokument auf sprachliche Auffälligkeiten hin untersucht und mit Briefen Zschäpes aus der Haft an den ebenfalls inhaftierten Neonazi Robin S. verglichen. Mehrere Nebenklage-Anwälte hatten daraufhin beantragt, ein linguistisches Gutachten als Beweismittel zuzulassen. Die Bundesanwaltschaft hatte nichts dagegen. Der rege Briefwechsel zwischen Zschäpe und S. war 2013 bekanntgeworden. Die Briefe der mutmaßlichen Neonazi-Terroristin hatten wegen ihres teilweise sehr intimen Inhalts Aufsehen erregt.

 

rr/dpa

NSU-Prozess unterbrochen

Am Jahrestag des NSU-Prozesses ist die Hauptverhandlung vor dem Münchner Oberlandesgericht für längere Zeit unterbrochen worden. Der Verteidiger der Hauptangeklagten Beate Zschäpe, Wolfgang Heer, hatte am Dienstagvormittag um eine Pause gebeten und „gesundheitliche Gründe“ bei seiner Mandantin angeführt. Die Pause wurde daraufhin zweimal verlängert. Der genaue Hintergrund war zunächst unklar.

 

rr/dpa

NSU-Prozess: 2. Prozessjahr beginnt

Das zweite Jahr des NSU-Prozesses hat begonnen: Vor dem Münchner Oberlandesgericht begrüßte der Vorsitzende Richter Manfred Götzl die Prozessbeteiligten am Dienstag zum nunmehr 110. Verhandlungstag. Am Jahrestag beschäftigt sich das Gericht unter anderem mit den Kontakten der mutmaßlichen Neonazi-Terroristen nach Sachsen. Als Zeugen sind zwei Kriminalbeamte geladen, die über ihre Vernehmung des Neonazis Thomas S. Auskunft geben sollen. S. gilt als einer der wichtigsten Unterstützer des Trios um Beate Zschäpe. Er selbst hatte vor Gericht die Aussage verweigert, weil gegen ihn weiterhin ein Ermittlungsverfahren läuft. Der „Nationalsozialistische Untergrund“ soll zwischen 2000 und 2007 zehn Morde begangen haben.

 

rr/dpa

1 Jahr NSU-Prozess

Der NSU-Prozess jährt sich am Dienstag zum ersten Mal. Der Mammutprozess gibt viele Rätsel auf. Vor allem auch, da die Hauptangeklagte Beate Zschäpe die Aussage verweigert und den ganzen Prozess über kein Wort gesagt hat.

 

Insgesamt gab es bereits 109 Verhandlungstage. Am 6. Mai 2013 hatte der Prozess vor dem Münchner Oberlandesgericht begonnen. 246 Zeugen und Sachverständige wurden bereits befragt. Ein Ende ist nicht absehbar.Beate Zschäpe wird von der Bundesanwaltschaft vorgeworfen, Mittäterin an den Morden des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ zu sein. Sie soll für die Tarnung gesorgt haben. Ihre Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt sollen
zwischen 2000 und 2007 neun Geschäftsleute ausländischer Herkunft und eine deutsche Polizistin erschossen haben.
Fest steht: Im Brandschutt der letzten gemeinsamen Wohnung in Zwickau lagen zwölf Waffen und Munition – darunter jene „Ceska“, mit der neun der zehn Menschen ermordet wurden. Böhnhardt und Mundlos sind tot – sie brachten sich im November 2011 selbst um, um der Festnahme zu entgehen. Nun muss sich Zschäpe als einzige Überlebende für sämtliche NSU-Taten verantworten – mit vier Mitangeklagten: dem Ex-NPD-Funktionär Ralf Wohlleben, André E., Holger G. und Carsten S., denen Beihilfe zum Mord oder die Unterstützung einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen wird.

An jedem Verhandlungstag, Stunde um Stunde, Zeuge um Zeuge, setzt das Gericht weitere Puzzleteile zusammen. Eines der zentralen Argumente der Anklage lautet: Zschäpe soll nicht nur die Urlaubskasse, sie soll das gesamte Geld des Trios, die Beute aus vielen Banküberfällen, verwaltet haben. Sie sei also gleichberechtigtes Mitglied gewesen.

In einem Fall ist die Täterschaft Zschäpes ziemlich unbestritten: Sie hat, daran gibt es keine ernsthaften Zweifel, im November 2011 die letzte gemeinsame Wohnung in der Zwickauer Frühlingsstraße in Brand gesteckt. Aber hat Zschäpe noch an der Wohnungstür der alten Nachbarin geklingelt? Oder nahm sie bewusst und billigend deren Tod in Kauf – und den zweier Handwerker, die im Haus beschäftigt und nur zufällig zum Zeitpunkt der Explosion nicht anwesend waren? Die Anklage wirft ihr jedenfalls versuchten dreifachen Mord vor.

Die zehn Morde, der Brand in Zwickau, und auch das frühere Umfeld der Angeklagten: All dies ist im Prozess bereits einigermaßen gründlich beleuchtet worden. Als nächstes soll es nun erst einmal um die zwei Bombenanschläge in Köln gehen und um die Banküberfälle. Zschäpe schweigt derweil weiter – und wird dies wohl auch künftig tun. Trotz des Appells der Mutter des toten Halit Yozgat: „Ich bitte Sie um Aufklärung“, sagte Ayze Yozgat im Oktober, direkt an Zschäpe gewandt. „Denken Sie bitte immer an mich, wenn Sie sich ins Bett legen. Denken Sie daran, dass ich nicht schlafen kann.“rr/dpa

NSU-Prozess: Zeugin aus Umfeld geladen

Im NSU-Prozess vernimmt das Gericht heute eine Zeugin aus dem Umfeld des Neonazi-Trios.

 

Verhandlungstag 107 im NSU-Prozess. Heute wird die Vernehmung einer Zeugin aus dem früheren Umfeld des Neonazi-Trios fortgesetzt. Jana J. hatte in ihrer ersten Befragung Jana J. unter anderem angegeben, Beate Zschäpe habe eine Pistole zu Hause gehabt, die sie „Walli“ nannte. Die Zeugin, die in den 90er Jahren Kontakt zur rechten Szene in Jena hatte, hatte 1998 zudem gemeinsam mit dem Angeklagten Ralf Wohlleben eine „Geburtstagszeitung“ für den Rechtsextremisten André K. gebastelt. Das als Satire auf die „Bild-Zeitung“ gestaltete Blatt mit teils fremdenfeindlichen und antisemitischen Artikeln sei „ironisch“ gemeint gewesen, sagte J. vor dem Oberlandesgericht bereits aus. Heute schäme sie sich dafür.Dem Nationalsozialistischen Untergrund werden 10 Morde vorgeworfen, darunter 9 Menschen mit griechischen und türkischen Wurzeln und eine Polizistin. Beate Zschäpe ist als Mittäterin angeklagt.

NSU-Prozess: Vater von Opfer wirft Ex-Verfassungsschützer Lüge vor

Am Dienstag ging es im NSU-Prozess erneut um die rätselhafte Rolle von Andreas T., einem ehemaligen Verfassungsschützer beim NSU-Mord in Kassel. T. beteuert, er habe nichts mitbekommen. Der Vater des Getöteten aber sagt: Ich glaube dir nicht.

 

Im NSU-Prozess hat der Vater des ermordeten Halit Yozgat einen ehemaligen Verfassungsschützer offen der Lüge bezichtigt – und die Zweifel an dessen Glaubwürdigkeit weiter genährt. „Es tut mir leid, T., aber ich glaube dir überhaupt nicht“, sagte Ismail Yozgat am Dienstag vor dem Münchner Oberlandesgericht zu Andreas T. T. saß 2006 während des Mordes an Halit Yozgat im hinteren Raum von dessen Internetcafé in Kassel. Er behauptet aber bis heute, von der Tat, die den Rechtsterroristen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ zugeschrieben wird, nichts mitbekommen und den Getöteten nicht gesehen zu haben. Dies nimmt ihm der Vater des Opfer allerdings nicht ab.

T.’s Rolle und seine Anwesenheit in dem Internetcafé wirft ohnehin viele Fragezeichen auf – zumal er sich nach der Tat damals nicht als Zeuge gemeldet hatte. Ermittlungen gegen ihn wurden allerdings eingestellt. Die Bundesanwaltschaft geht nicht davon aus, dass er mit dem Mord selbst etwas zu tun hatte.

Ismail Yozgat, der Nebenkläger im NSU-Prozess ist, befragte T. am Dienstag direkt – und brachte ihn mehrfach in Erklärungsnot. Ob der Verfassungsschützer Halit nicht hätte sehen müssen – weil er doch gewusst habe, wo Halit normalerweise saß, weil er also genau wusste, wo er ihn suchen musste. Ob er denn die Blutstropfen auf dem Tresen nicht gesehen habe, als er dort die 50 Cent für die Internbenutzung hinlegte. Und ob er wirklich nicht gesehen habe, dass hinter dem Tresen sein tödlich verletzter Sohn lag. „Ich habe ihn nicht gesehen“, entgegnete T., „ich weiß, dass ich ihn nicht gesehen habe.“

Yozgats Anwälte meldeten ebenfalls neue Zweifel an T.’s Rolle an. Sie stellten mehrere Beweisanträge, um aufzeigen zu können, dass T. „über exklusives Täter- oder Tatwissen“ verfügt haben müsse. T. habe die Information, dass es sich bei dem Mord um das Werk von Serientätern handle, damals schon zu einem Zeitpunkt weitergegeben, als diese noch gar nicht über Medien öffentlich verbreitet war, argumentierten sie.

 

rr/dpa

 

NSU-Prozess: Hessischer Verfassungsschützer als Zeuge geladen

Im NSU-Prozess vernimmt das Gericht erneut einen hessischen Verfassungsschützer.

 

Der 106. Verhandlungstag im NSU-Prozess steht an. Am Dienstag geht es erneut um die rätselhafte Rolle eines Verfassungsschützers beim Mord an Halit Yozgat 2006 in Kassel. Zum wiederholten Male muss der Beamte Andreas T. als Zeuge erscheinen, der während des Mordes an Yozgat im hinteren Raum von dessen Internetcafé saß. Die Anwesenheit des Verfassungsschützers hatte für Spekulationen gesorgt, zumal er sich nach der Tat nicht als Zeuge gemeldet hatte. Ermittlungen gegen ihn wurden eingestellt; die Bundesanwaltschaft geht nicht davon aus, dass er mit dem Mord etwas zu tun hatte. In seinen bisherigen Vernehmungen hatte T. stets behauptet, er habe von der Tat nichts mitbekommen.Der Terrorgruppe “Nationalsozialistischer Untergrund” werden unter anderem zehn Morde zur Last gelegt. Opfer waren neun Menschen mit ausländischen Wurzeln und eine Polizistin. Beate Zschäpe ist als Mittäterin an sämtlichen Attentaten angeklagt. Neben den Morden werden ihr zwei Sprengstoffanschläge zur Last gelegt. Beate Zschäpe ist die einzige Überlebende des Trios. 13 Jahre lang lebte sie mit ihren beiden mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt unter falschen Identitäten Mitten in Deutschland.
NSU-Prozess könnte länger dauern als geplant

Nach Einschätzungen des Münchner Oberlandesgerichtspräsidenten Karl Huber wird sich der NSU-Prozess bis ins nächste Jahr ziehen. Termine seien schon bis Ende 2014 festgelegt, so Huber. Der Prozess stelle das Gericht weiter vor „unglaubliche Herausforderungen“, da er extrem viel Kapazitäten binde. Der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts unter Vorsitz von Manfred Götzl hat allein schon fünf Richter. Dazu gibt es drei Ergänzungsrichter – falls ein Richter während des Prozesses ausfällt.

 

rr/dpa

 

 

NSU-Prozess: Zeugen zu Mord in Kassel

Im NSU-Prozess wurden am Mittwoch Verfassungsschützer und Ermittler als Zeugen zu dem NSU-Mord in Kassel.

 

Ein Zeuge hat den NSU-Mordanschlag auf den Betreiber eines Internetcafés in Kassel aus nächster Nähe mitbekommen. Ein Kriminalbeamter sagte am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht München, der aus dem Irak stammende Zeuge habe während der Tat in einer Telefonkabine telefoniert. Dabei habe er zwei Knallgeräusche gehört, als seien Luftballons geplatzt, berichtete der Beamte aus früheren Vernehmungen des Mannes, der sich inzwischen im Ausland aufhält.
Durch einen Türspalt habe der Zeuge wahrgenommen, dass „eine männliche Person, etwa 1,80 Meter groß, hell gekleidet“ Richtung Ausgang vorüberging. Laut Anklage erschossen die Neonazis Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt den 21-jährigen Halit Yozgat 2006 in seinem Internetcafé.

 

Einen Disput gab es mit einem Vertreter der Nebenkläger, der wissen wollte, ob der Zeuge den ehemaligen Verfassungsschützer Andreas T. gesehen haben könnte. T. soll sich um den Tatzeitpunkt herum in dem Lokal aufgehalten haben. Ein Foto habe er nicht vorgelegt, sagte der Ermittler, „ich habe darin keinen Sinn gesehen“. Der Zeuge habe den Mann „nur schemenhaft wahrgenommen“. Rechtsanwalt Thomas Bliwier warf dem Beamten „Borniertheit“ vor. Er habe kein Verständnis dafür, dass die Polizei diesen Ermittlungsansatz nicht verfolgte.

 

Der Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ werden unter anderem zehn Morde zur Last gelegt. Opfer waren neun Menschen mit ausländischen Wurzeln und eine Polizistin. Beate Zschäpe ist als Mittäterin an sämtlichen Attentaten angeklagt. Neben den Morden werden ihr zwei Sprengstoffanschläge zur Last gelegt.
rr/dpa

NSU-Prozess: Aussage von Wohllebens Ex-Freundin

Im NSU-Prozess ist es zu Kontroversen um die Vernehmung der Ex-Freundin des Mitangeklagten Ralf Wohlleben gekommen. Nachdem die Zeugin Juliane W. (32) wiederholt Erinnerungslücken geltend gemacht hatte, drohte eine Nebenkläger-Anwältin am Donnerstag, ein Ordnungsgeld wegen Aussageverweigerung zu beantragen. Nach rechtlichen Hinweisen des Gerichts verzichtete sie dann aber doch darauf.
Anwälte der Nebenklage konfrontierten Juliane W. mit Protokollen von Observationsteams des Verfassungsschutzes, die damals die Wohnung von Ralf Wohlleben im Visier hatten. Demnach war etwa André Kapke, ein weiterer mutmaßlicher NSU-Unterstützer und Freund Wohllebens, annähernd täglich zu Besuch. Juliane W. nannte aber auch nach den Vorhaltungen keine Details.

Ebensowenig konnte sie sich daran erinnern, warum sie die Wohnungen der späteren mutmaßlichen Neonazi-Terroristen Uwe Mundlos und Beate Zschäpe aufsuchte oder eine EC-Karte für Mundlos besorgen wollte. Zudem ließ sie offen, unter welchen Umständen der Verfassungsschutz sie als Informantin anwarb. Mehrere Nebenkläger-Vertreter hatten ihr dazu eigene frühere Aussagen vorgehalten oder aus Ermittlungsvermerken zitiert.

rr/dpa

NSU-Prozess: Wohllebens Ex-Freundin als Zeugin geladen

Im 99. Verhandlungstag des NSU-Prozesses wird heute die Vernehmung der ehemaligen Freundin des Angeklagten Rall Wohlleben fortgesetzt. Die 32-Jährige soll 1998 beim Untertauchen der drei späteren mutmaßlichen Terroristen Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe geholfen haben. Ihre Vernehmung konnte am Mittwoch nicht abgeschlossen werden. Außerdem soll ein Zeuge aus dem Thüringer Innenministerium über die Führung des V-Manns Tino B. berichten, der Ende der 90er Jahre in der Jenaer Neonazi-Szene aktiv war.

 

rr/dpa

NSU-Prozess: Umfeld der Terrorgruppe

Im 97. Verhandlungstag im NSU-Prozess befasst sich das Gericht am Dienstag mit dem Umfeld der Terrorgruppe. Dazu sind zwei Beamte des Bundeskriminalamts als Zeugen geladen. Sie sollen Auskunft geben über die Vernehmung von Max-Florian B., der dem Umfeld der Neonazi-Terrorgruppe zugerechnet wird. Im Ermittlungsverfahren hatte B. noch umfangreiche Angaben gemacht, auf die sich Teile der Anklage gegen Beate Zschäpe und die Mitbeschuldigten stützen. Vor Gericht hat er aber die Aussage verweigert. Deswegen befragt das Oberlandesgericht nun hilfsweise die Vernehmungsbeamten.

 

rr/dpa

NSU-Prozess: Zeuge verlangt Anwalt

Der NSU-Prozess ist am Dienstag leicht ins Stocken geraten. Ein Zeuge, der in den Kauf der Tatwaffe (Ceska) verwickelt sein soll, gab an, er wolle einen Anwalt hinzuziehen. Vor Gericht gab er am Dienstag an, er fühle sich selbst nicht wie ein Zeuge behandelt, sondern wie ein Beschuldigter. „Mir wurde die Tür eingetreten. Ich wurde aufs Übelste beschimpft.“ Daraus schliesst er, dass gegen ihn ermittelt wird, gab er an. Deshalb wolle er am liebsten die Aussage verweigern, um sich nicht selbst zu belasten. Zumindest will er einen Anwalt hinzuziehen. Nach einem hitzigen Streit zwischen Richter Manfred Götzl, der Verteidigung und Bundesanwaltschaft stand fest: die Vernehmung des Zeugen wird auf den 28. April verschoben. Voraussichtlich dann mit Anwalt an der Seite des Zeugen. Er benannte einen Advokaten aus Jena, der bekannt wurde, weil er bereits einige Rechtsradikale vor Gericht vertreten hatte.mh / dpa

NSU-Prozess: Tatwaffe

Im NSU-Prozess beschäftigt sich das Münchner Oberlandesgericht am Dienstag ein weiteres Mal mit der Herkunft der mutmaßlichen Tatwaffe. Mit einer Pistole vom Typ Ceska 83 sollen die mutmaßlichen Neonazi-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt neun Morde begangen haben. Der Angeklagte Carsten S. hat die Waffe nach eigenen Angaben besorgt, um sie an Mundlos und Böhnhardt weiterzugeben. Das Gericht will klären, wie genau das ablief und woher die Waffe kam. Dem NSU werden unter anderem zehn Morde und zwei Sprengstoffanschläge zugerechnet.

 

rr/dpa

NSU-Prozess: Befragung von Mandy S.

Bereits am Mittwoch wurde die ehemalige Rechtsextremistin Mandy S. im NSU-Prozess befragt. Zum Auftakt ihrer Vernehmung hatte S. bereits eingeräumt, dem Neonazi-Trio um Beate Zschäpe einst beim Untertauchen geholfen zu haben. Sie und ihr damaliger Freund hätten im Frühjahr 1998 drei „Kameraden“ Unterschlupf gewährt – in der Wohnung ihres Ex-Partners in Chemnitz. Sie habe aber nicht gewusst, wer die drei seien – es habe sich um „Kameradschaftshilfe“ gehandelt.

S. war auch auf andere Weise behilflich: Sie verlieh ihre Versichertenkarte und holte einen falschen Ausweis bei den Behörden ab. Nach 1998 will sie das Trio, dem insgesamt zehn Morde zur Last gelegt werden, aber nicht mehr getroffen haben. Gegen S. läuft weiterhin ein Ermittlungsverfahren.

rr/dpa

NSU-Prozess: Falsche Identität von Zschäpe

Im 89. Verhandlungstag im NSU-Prozess steht die falsche Identität der Hauptangeklagten Beate Zschäpe auf der Tagesordnung. Dazu soll eine Zeugin verhört werden, unter deren Namen Zschäpe teilweise aufgetreten war. Die Aussage von Mandy S. ist für den Nachmittag geplant. Zuvor soll ein Sachverständiger befragt werden, der im Fall Kiesewetter das kriminaltechnische Gutachten verfasste.

Die Polizistin Michèle Kiesewetter war im April 2007 in Heilbronn erschossen worden – mutmaßlich von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos. Die beiden Neonazis sollen zehn Menschen ermordet haben und hatten sich 2011 selbst umgebracht. Zschäpe ist als mutmaßliche Komplizin Hauptangeklagte in dem Prozess vor dem Oberlandesgericht München.

rr/dpa

NSU-Prozess: Zeugenvernehmung

Am Dienstag wird der NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München fortgesetzt. Im 88. Verhandlungstag sollen Zeugen zur Anmietung von Wohnmobilen vernommen werden. Außerdem will das Gericht weitere Kriminalbeamte als Zeugen hören. Die mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos waren zuletzt in einem Wohnmobil unterwegs gewesen. Sie brachten sich im November 2011 um, ihr Wohnmobil brannte damals aus. Ihre mutmaßliche Komplizin Beate Zschäpe steht jetzt als Hauptangeklagte im NSU-Prozess vor Gericht.

 
rr/dpa

Zschäpe-Anwalte säen Zweifel am Zusammenleben des NSU-Trios

Im NSU-Prozess versuchen Beate Zschäpes Anwälte, Zweifel am Zusammenleben des mutmaßlichen Terrortrios zu säen. Damit treten sie der These der Anklage entgegen, wonach Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt nach ihrem Untertauchen ohne Unterbrechung zusammen wohnten. So seien die Wohnungen, die den Dreien zugeordnet wurden, zum Teil viel zu klein für drei Personen, sagte Verteidiger Wolfgang Stahl am Dienstag vor dem Oberlandesgericht München.

Zuvor hatte ein BKA-Beamter die Ermittlungsergebnisse zu den Wohnungen des «Nationalsozialistischen Untergrunds» (NSU) präsentiert. Demnach wohnten die drei nach ihrem Untertauchen 1998 zunächst in verschiedenen Wohnungen in Chemnitz – zwischenzeitlich in einer Einzimmer-Wohnung mit 27 Quadratmetern. Im Jahr 2000 zogen sie nach Zwickau, wo sie in drei verschiedenen Wohnungen lebten.

 

Mundlos und Böhnhardt töteten sich 2011 nach einem Banküberfall, um der Festnahme zu entgehen. Beate Zschäpe zündete daraufhin die letzte gemeinsame Wohnung in der Zwickauer Frühlingsstraße an. Für die Anklage ist das gemeinsame Leben der drei im Untergrund ein Indiz dafür, dass Zschäpe auch in die Terroranschläge der Gruppe eingebunden war.

 

 

jn / dpa

NSU-Prozess: „Pogromly“-Spiel wird behandelt

Nach einer Woche Unterbrechung wird an diesem Dienstag der NSU-Prozess mit der Vernehmung mehrerer Kriminalbeamter fortgesetzt. Dabei soll es unter anderem um die verschiedenen Wohnungen des Neonazi-Trios gehen sowie um das antisemitische «Pogromly»-Spiel, das der Anklage zufolge Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe entwickelt und in einer kleinen Serie hergestellt hatten.

 

Das in Anlehnung an das Gesellschaftsspiel «Monopoly» konzipierte Spiel verherrlicht den Nationalsozialismus und den Völkermord an den Juden. Es belegt laut Anklage «in perfider Weise die vollständige Identifikation der Drei mit dem Völkermord an den Juden im „Dritten Reich“».

 

Am Montag hatten 33 Nebenklageanwälte in einer gemeinsamen Erklärung scharfe Kritik an den Ermittlungsbehörden geübt. Sie werfen der Bundesanwaltschaft vor, sie versuche, «sämtliche Aufklärung zu blockieren, die über ein bloßes Abhaken der formalen Anklagepunkte hinaus geht».

 

 

jn / dpa

1234567