Tag Archiv: Papst

Rom: Seehofer trifft Franziskus und Benedikt

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) wird am Montag in Rom von Papst Franziskus empfangen. Die Privataudienz einer kleinen Delegation aus Bayern im Vatikan ist für den Vormittag angesetzt.

 

Anschließend ist ein Gespräch Seehofers mit dem aus Bayern stammenden emeritierten Papst Benedikt XVI geplant.

 

An dem Treffen mit Franziskus nehmen unter anderen auch Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, Kultusminister Ludwig Spaenle und Europaministerin Beate Merk (alle CSU) teil. Für ihn als Katholiken sei eine Privataudienz beim Heiligen Vater ein bewegendes Erlebnis, hatte Seehofer am Freitag gesagt. «Bekanntlich liegen ihm ja soziale Themen besonders am Herzen. Da gibt es gewiss genug Gesprächsstoff.»

 

Häufiger Gast im Vatikan

 

Seit seinem Amtsantritt 2008 hat Seehofer Rom so häufig besucht wie keine andere Stadt außerhalb der deutschen Grenzen. Der Ministerpräsident war bereits viermal im Vatikan zu Besuch, außerdem traf er 2009 den italienischen Präsidenten Giorgio Napolitano und besuchte die von einem Erdbeben zerstörte Ortschaft Onna.

 

RG / dpa

München: Routinebesuch besonderer Art – Seehofer fährt zum Papst

In keinem Bundesland pflegen die jeweilige Landesregierung und die katholische Kirche so enge Beziehungen wie in Bayern. Bayerische Politiker sind auch häufige Gäste im Vatikan. Aber eine Besonderheit bleiben Besuche beim Papst dennoch.

 

Eigentlich ist es ein Routinebesuch: An diesem Montag empfängt Papst Franziskus im Vatikan Ministerpräsident Horst Seehofer. Der CSU-Chef ist nicht für übertriebene Reisefreude bekannt, sogar die Ferien verbringt er am liebsten in Bayern in seinem Ferienhaus im Altmühltal. Aber in Rom war Seehofer seit 2008 schon fünfmal – der Vatikan und die italienische Hauptstadt sind sein häufigstes Reiseziel.

 

Seehofer reist nicht allein

 

«Für mich als Katholik ist eine Privataudienz beim Heiligen Vater natürlich ein bewegendes Erlebnis und ich freue mich zutiefst, Papst Franziskus persönlich kennenzulernen», sagt Seehofer. Der Ministerpräsident fliegt am Sonntagabend – nicht allein, sondern begleitet von einer prominent besetzten Delegation: Landtagspräsidentin Barbara Stamm, der stellvertretenden Ministerpräsidentin Ilse Aigner, Kultusminister Ludwig Spaenle, Europaministerin Beate Merk und dem Integrationsbeauftragten Martin Neumeyer (alle CSU).

 

Politiker sind prominent und treffen dementsprechend auch häufig andere prominente Zeitgenossen, doch Routine sind Besuche im Vatikan nie. Auch Landtagspräsidentin Stamm war bereits dreimal in Rom. «Aber auch wenn man schon da war, bleibt ein Besuch beim Papst doch etwas ganz Besonderes», sagt sie. «Das erfüllt mich mit Freude und Dankbarkeit, dass ich dabei sein darf.»

 

Bayerische Herrscher waren enge Verbündete des Vatikan

 

Die vergleichsweise häufigen bayerischen Vatikanbesuche haben ihren Grund: Seehofer, Stamm und die restliche Delegation stehen in einer vielhundertjährigen Traditionslinie, die weit älter ist als der Freistaat Bayern oder die CSU. In den Wirren der Reformation und des Dreißigjährigen Krieges im 16. und 17. Jahrhundert waren die bayerischen Herrscher enge Verbündete des Vatikan, «Bavaria Sancta» – das heilige Bayern – wurde zu einem Zentrum der Gegenreformation.

 

Einen Bruch gab es erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als die Wittelsbacher im Zuge der Säkularisation die Kirche in Bayern weitgehend enteigneten. Doch das tat der Volksfrömmigkeit keinen Abbruch, und auch das Königshaus bemühte sich schon 1817 im Konkordat mit dem Vatikan um Wiedergutmachung. Seither werden die Gehälter der bayerischen Bischöfe vom bayerischen Staat bezahlt.

 

Zahl der Katholiken sinkt

 

Heute ist Bayern weit weniger katholisch als in früheren Jahrhunderten. Laut Mikrozensus von 2011 sind nur noch 55 Prozent der 13 Millionen Einwohner Bayerns katholisch getauft – und von diesen besucht nur eine Minderheit regelmäßig die Messe. Seit 1987 ist die Zahl der getauften Katholiken im Freistaat um eine halbe Million gesunken, obwohl die bayerische Bevölkerung stark gewachsen ist.

 

Doch enge Beziehungen zur katholischen Kirche pflegen Bayerns Politiker immer noch. Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx registrierte nach seinem Amtsantritt in Bayern 2007 ebenso verwundert wie erfreut, dass die Staatsregierung häufiger das Gespräch mit kirchlichen Würdenträgern sucht als andere Landesregierungen.

 

Politisch brisant ist das Treffen der bayerischen Delegation mit Papst Franziskus nicht – es gibt keine großen Streitthemen. Ohnehin hat Seehofer bei seinen Auslandsbesuchen in den vergangenen Jahren immer eine bella figura abgegeben, ob er nun in Rom zu Besuch war oder bei der niederländischen Königin. «Bekanntlich liegen ihm ja soziale Themen besonders am Herzen. Da gibt es gewiss genug Gesprächsstoff», sagte Seehofer am Freitag über das bevorstehende Gespräch mit Franziskus.

 

RG / dpa

Chiemsee-Chor singt für Benedikt

Sichtlich gerührt hörte sich Joseph Ratzinger am Dienstagabend vor seinem Alterswohnsitz im Vatikan ein kleines Konzert der «Capella Vocale Prien» an.

 

Der aus dem Chiemsee-Ort Prien stammende Chor sang auch ein Werk aus der Feder des in Regensburg lebenden Papst-Bruders Georg Ratzinger.

Nach dem rund halbstündigen Treffen bedankte sich der auf einem Stock gestützte Benedikt bei allen Sängern, vor allem bei Chorleiter Rainer Schütz.

Er freue sich, dass am Chiemsee so gute Musik gemacht werde, sagte er. Dann verschwand der zurückgetretene Papst in seinem Haus in den Vatikanischen Gärten. Benedikt hatte seine Kindheit und Jugend teils im Chiemgau verbracht.

 

 

jn / dpa

Barmherzigkeit für den Bischof von Limburg

Mit großer Gelassenheit hat die katholische Laienbewegung «Wir sind Kirche» heute in München auf die Entscheidung des Papstes reagiert, den umstrittenen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst zunächst im Amt zu belassen.

 

Es entspreche guter Rechtspraxis, dass Papst Franziskus vor einem endgültigen Votum zunächst die Erkenntnisse der Untersuchungskommission abwarten möchte, sagte «Wir sind Kirche»-Sprecher Christian Weisner. Für Tebartz-van Elst sei die Entscheidung auch ein Zeichen großer Barmherzigkeit des Papstes.

Zugleich machte die Laienbewegung klar, dass Tebartz-van Elst nach ihrer Auffassung nirgendwo mehr das Bischofsamt ausüben könne. Dazu sei der von ihm zu verantwortende Vertrauensverlust zu groß, der nicht nur das Bistum Limburg erfasst habe.

 

Der Fall Tebartz-van Elst habe im Übrigen für den Lebensstil aller deutschen Oberhirten Signalcharakter, betonte Weisner. Der Fall werfe zudem grundsätzliche Fragen zum bisherigen Sytem der Bischofsauswahl auf.

 

In der vergangenen Woche hatte der skandalgeschüttelte Bischof von Limburg in ganz Bayern bei den verschiedenen Laien-Bewegungen für Uneinigkeit gesorgt. Wie mit dem sogenannten „Prunk-Bischof“ umzugehen sei, entwickelte sich schnell zum Streitthema. Die Entscheidung des Papstes über die endgültige Verfahrensweise mit Tebartz-van Elst steht noch aus.

 

 

jn / dpa