Tag Archiv: schwul

Ampelmännchen Glockenbachviertel lesbisches Paar, © Diese Ampel zeigt ein lesbisches Paar. München will so für Toleranz werben.

Münchner Community feiert Ehe für alle

Der Deutsche Bundestag hat heute in einer historischen Stunde die Ehe für alle geöffnet. Das Münchner Schwulenzentrum Sub begrüßt die Entscheidung und lädt ab 20 Uhr zu Prosecco und Torte in die Müllerstraße 14. Der Fahrradkorso am Rindermarkt startet bereits um 18.30 Uhr und endet in einer Kundgebung am Gärtnerplatz um 19 Uhr.

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Bayerns Polizisten durften nur in Zivil zum CSD

Thomas Hitzlsperger hat sich geoutet, Conchita Wurst den Songcontest gewonnen: Das Toleranz-Barometer steigt. Trotzdem sind erneut Hunderttausende bei den Paraden von Schwulen und Lesben in Berlin auf die Straße gegangen. Auch bayerische Polizisten – aber nur in Zivil.

 

Das bayerische Innenministerium hat es Beamten aus dem Freistaat verboten, in Uniform am Christopher Street Day (CSD) in Berlin teilzunehmen. Ein Ministeriumssprecher in München bestätigte einen Bericht der «Bild»-Zeitung (Samstag) und verwies auf das bayerische Polizeiorganisationsgesetz. Demnach dürfen Polizeibeamte politische Veranstaltungen nur dann in Uniform besuchen, wenn sie im Dienst sind.

 

Hunderttausende feiern den Gedenktag

 

Der CSD steht weltweit für das Selbstbewusstsein Homosexueller und ihren Widerstand gegen Diskriminierung. Hunderttausende Menschen feierten in Berlin den Gedenktag. Am Samstag zogen gleich mehrere bunte Paraden der Schwulen und Lesben durch die Stadt. Die einzigen Bundesländer, die das Tragen von Uniform während der Paraden erlauben, sind den Angaben zufolge Baden-Württemberg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.

 

Auch Polizisten feiern mit

 

Gleichzeitig mit dem CSD fand in Berlin eine Konferenz der European Gay Police Association statt, eines Netzwerks schwuler und lesbischer Polizisten. Zunächst war bayerischen Polizisten auch hier die Teilnahme in Uniform verboten worden. Wenige Tage vor Beginn der Konferenz zog das Innenministerium dieses Verbot allerdings zurück. Man habe den Fall noch einmal rechtlich geprüft, so der Ministeriumssprecher, der damit einen Bericht der «Süddeutschen Zeitung» bestätigte: «Auch im Zusammenhang mit der Entscheidung anderer Bundesländer sind wir zum Ergebnis gelangt, dass bei dieser Konferenz eine Berufsbezogenheit besteht und das Tragen der Uniform deshalb erlaubt ist.»

 

RG / dpa

 

 

München: Schwule wollen Blut spenden dürfen

Am Samstag war Welt-Blutspende-Tag, jedoch dürfen schwule Männer nach wie vor kein Blut spenden.

 

Homosexualität ein Gesundheitsrisiko?

Dass homosexuelle Männer nicht Blut spenden dürfen, hat seinen Ursprung in einer Infektionswelle mit HIV und Hepatitisviren in den frühen neunziger Jahren.

Nachdem tausende Menschen sich nach Bluttransfusionen mit den Krankheiten infizierten, reagiert der Bundestag mit einem Verbot.

Seither dürfen Schwule kein Blut mehr spenden. „Transfusionsgesetz“ heißt die Verordnung.

Die SchwuSos –  die Vereinigung homosexueller Parteimitglieder der SPD – will nun dieses Gesetz zu Fall bringen.

Deswegen verlangen die SchwuSos von der Landtags-SPD, sich beim Bund gegen die Gültigkeit des Transfusionsgesetzes zu stellen:

„Blutspende kann Leben retten und dient dazu lebenswichtige Arzneimittel herzustellen. Leider
herrscht in Deutschland immer noch eine Unterversorgung an Blutspenden. Umso
unverständlicher ist es, dass Menschen aufgrund ihrer sexuellen Identität dauerhaft von der
Blutspende ausgeschlossen sind.“, ließt man in ihrem Antrag

Statistiken zählen mehr als Political Correctness

Das Gesetz, das ohne Frage diskriminierend daher kommt, hat seinen Grund in blanken Zahlen.

Von rund 78000 HIV-Infizierten in Deutschland sind rund 51000 schwule Männer.

Die SchwuSos kontern auf dieses beliebte Argument der Verfechter des Transfusionsgesetzes:

„Es ist richtig, dass Menschen mit einem erhöhten HIV-Risiko von der Blutspende auszuschließen
sind. Aber nicht die Homosexualität erhöht das Risiko, sondern risikohafte Sexualpraktiken wie
ungeschützter Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partner/innen. Das trifft im gleichen
Maß auf Heterosexuelle wie auf Homosexuelle und Bisexuelle zu. Demnach gibt es keine
Risikogruppen aufgrund der sexuellen Identität sondern nur Risikoverhalten. Nur danach sollte in
den Fragebögen, die vor jeder Blutspende ausgefüllt werden müssen, gefragt werden.“

adc / SPD

 

 

Spaenle: Thema Homosexualität ausreichend im Lehrplan vertreten

Die bayerische Staatsregierung hat keine Pläne, das Thema Homosexualität in der Schule anders zu behandeln als bislang. Das Thema sei bereits laut bisherigem Lehrplan «eingebettet in die Werteerziehung», sagte Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) am Freitag der Nachrichtenagentur dpa.

«In diesem Zusammenhang sind die Toleranz und der Respekt vor der Würde des Menschen – unabhängig von der Lebensform – zentral», heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums.

 
«Es ist Bayern ein wichtiges Anliegen, die Vielfalt an Lebenswirklichkeiten der Menschen auch im Unterricht und in Schulbüchern mit abzubilden», hieß es weiter in der Mitteilung.

 

Das sei auch in den Lehrplänen aller Schularten verankert. «Lebenswirklichkeit bezieht sich genauso auf Menschen, die in der traditionellen Familienform leben, wie auch auf Menschen, die sich für andere Lebensformen entschieden haben.» Die grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg will das Thema Homosexualität im Unterricht ausführlicher behandelt wissen.

 

 

«Bayern ist in diesem Punkt Entwicklungsland», kritisierte die Grünen-Abgeordnete Claudia Stamm. Solange das Schimpfwort «schwule Sau» das häufigste in der Schule sei, herrsche Handlungsbedarf. Die Landtagsgrünen fordern einen Aktionsplan gegen Homophobie und eine Verankerung des Themas im Lehrplan. Außerdem müsse es in den Lehrerkollegien einen Ansprechpartner für schwule, lesbische oder bisexuelle Kinder geben.

 

«Aktuell steht im Lehrplan der 9. und 10. Klasse lediglich die Anweisung, Toleranz gegenüber Homosexuellen zu vermitteln», bemängelte der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Martin Güll. Das reiche aber nicht und gehe auch in die falsche Richtung. «Es geht um völlige Akzeptanz, nicht um großzügig verordnete Toleranz.»

 

 

jn / dpa

Robben: „Er ist homosexuell – und?“

Arjen Robben wundert sich über die öffentliche Aufregung um das Coming-out des ehemaligen Fußball-Nationalspielers Thomas Hitzlsperger. «Ich finde es ganz normal und natürlich. Ich kann ja hier auch sagen, ich bin heterosexuell. Ich sehe da kein Problem.» Allerdings sei «das Fußballgeschäft vielleicht etwas komisch», meinte der 29-Jährige.
Der derzeit verletzte deutsche Nationalspieler Holger Badstuber (Aufbautraining nach Kreuzbandriss) äußerte in Doha «Respekt» für die Aussage des Ex-Profis Hitzlsperger, schwul zu sein. «Da gehört Mut und Kraft dazu, sich als einer der ersten Sportler zu äußern.»
Er «toleriere das vollkommen», betonte der 24-Jährige: «Im Fußball gab es viele Diskussionen um dieses Thema.» Wann der richtige Zeitpunkt für ein Coming-out gekommen sei, «muss jeder für sich entscheiden», erklärte der Innenverteidiger, der 30 Länderspiele bestritten hat, aber nach der Zeit von Hitzlsperger im DFB-Team.

 

 

 

jn / dpa

Thomas Hitzlsperger bekennt sich zur Homosexualität

Er ist der erste große deutsche Fußballspieler, der es ganz offen sagt: Thomas Hitzlsperger bekennt sich öffentlich zu seiner Homosexualität.

Der gebürtige Münchner hatte sich seit einigen Monaten offiziell aus dem Fußballgeschäft zurückgezogen. Jetzt geht er nochmal an die Öffentlichkeit – um für ein wichtiges Thema einzustehen: die Enttabuisierung von Homosexualität im deutschen Fußball.

 

In einem Gespräch mit der am Donnerstag erscheinenden Ausgabe der „Zeit“ äußert er sich und sagt, er habe sich nie wegen seiner Homosexualität geschämt. Er möchte vor allem auch die Diskussion um das hoch skandalträchtige Thema bei seinen Profisport-Kollegen vorantreiben und dazu beitragen, dass – in der Zukunft – offen und unvoreingenommen damit umgegangen werden kann.

 

Dass seine Fußball-Karriere schon vorüber ist, ist bestimmt ein großer Aspekt bei der Entscheidung, die Wahrscheit ans Licht zu lassen. Noch immer befürchten Profi-Fußballer – höchstwahrscheinlich zu Recht – bei einem derartigen „Geständnis“ ihren Beruf nicht mehr oder nur noch unter großem Druck ausüben zu können.

 

In diesem Sinne war der Schritt von Thomas Hitzlsperger ein wichtiger Beitrag und hat hoffentlich den Effekt, den Hitzlsperger sich wünscht – nämlich die Diskussion um das totgeschwiegene Thema zu entfachen.

 

 

jn