Tag Archiv: Terror

Beate Zschäpe steht im Verhandlungssaal des NSU-Prozesses, © Beate Zschäpe im Oberlandesgericht

NSU-Prozess: Angeklagter André E. im Visier

Anwälte der NSU-Mordopfer wollen den ideologischen Hintergrund des «Nationalsozialistischen Untergrunds» aufdecken. Damit rückt der als Unterstützer angeklagte André E. ins Visier: Er soll mit Schriften das Konzept für die Mordserie mitentwickelt haben.

Es ist eine dunkle, von nordischen Mythen und rassistischem Hass durchzogene Gedankenwelt, von der der NSU-Mitangeklagte André E. und sein Zwillingsbruder Maik aus dem sächsischen Johanngeorgenstadt schreiben. Es geht um einen „Racial Holy War“, einen „heiligen Rassenkrieg“. Anwälte der Nebenklage im Münchner NSU-Prozess wollen jetzt nachweisen, dass die Schriften der Brüder dazu beigetragen haben, das geistige Fundament für die Serie der zehn NSU-Morde zu legen.

Sie beantragten darum, zwei Untergrundzeitschriften als Beweismittel in den NSU-Prozess einzuführen, die den Titel „The Aryan Law And Order“ tragen – „Arisches Gesetz und arische Ordnung“. Die Blätter dienten als „Rundbrief“ einer Gruppe namens „Weiße Bruderschaft Erzgebirge“, die die Brüder E. um die Jahrtausendwende gründeten – wenige Monate vor dem ersten NSU-Mord in Nürnberg. Bundesanwalt Herbert Diemer hat bereits erklärt, dass er den Antrag der Nebenkläger unterstützt. E.s Verteidiger machen dagegen geltend, ihr Mandant habe in einem Interview zu Gewaltlosigkeit aufgerufen.

 

„Bruderschaft“ als Netzwerk

Die „Bruderschaft“ diente nach eigener Darstellung dem Zweck, die konkurrierenden, oft geheimbündlerischen Gruppen wie die „Hammerskins“ oder „Blood & Honour“ zu einem Netzwerk zusammenzubringen. Die Brüder E. verstehen sich selber als Skinheads. André E. brachte das auch im NSU-Prozess zum Ausdruck, als er an einem Verhandlungstag ein Sweatshirt mit dem Logo einer skandinavischen Skinhead-Band trug.

Dass der „Rundbrief“ einen englischen Titel trägt, ist kein Zufall. In den Heften wimmelt es von Anglizismen. Die Brüder E. streben keinen deutschen NS-Staat an, sondern eine „Hammerskin Nation“ nur für Weiße. „Bei uns ist Ra..enzugehörigkeit stets größer geschrieben als Staatsangehörigkeit“, schreiben sie. Der doppelte Buchstabe „s“ wie in „Rasse“ ist in ihrem Text nur mit Punkten angedeutet. Weiter heißt es: „Denn wir sind für ein weißes Europa, in einer weißen Welt, in der Grenzen, die willkürlich von Politikern gezogen wurden, nichts zu suchen haben.“

Viele der meist kurzen Texte berufen sich auf amerikanische Neonazis, unter ihnen William Pierce, Tom Metzger und Robert Mathews. Pierce ist der Gründer der rechtsextremen „National Alliance“. In einem Roman schildert er das Leben eines Mannes, der von der gewaltsamen Vernichtung der Juden und „fremdrassigen Menschen“ träumt. Metzger gründete eine Gruppe mit dem Namen „WAR“ („White Aryan Resistance“) und predigte den „führerlosen Widerstand“ kleiner autonomer Zellen.

 

„Neue Art des Kampfes“

Mathews wiederum formierte eine Terrorgruppe namens „The Order“. Die Brüder E. rühmen sie als „Elitekämpfer“ und schwärmen von einer „neuen Art des Kampfes“ mit „Sprengstoffanschlägen auf Synagogen, Morden an politischen Gegnern, Brandstiftungen in Räumen der Feinde, Überfällen auf Banken und Geldtransporte und Waffenhandel“.

Hinzu kommen Versatzstücke einer nordisch angehauchten Religion. Einer der Artikel beschäftigt sich mit „heidnischen Göttern“. Religiös verbrämt wird auch der politische Kampf. Auf der Rückseite eines der Hefte ist ein Wappen abgebildet, darunter der Schriftzug „RAHOWA“ – das Kürzel für den „Racial Holy War“.

Nach Überzeugung der Nebenkläger sind die Texte das Ergebnis von Treffen in Chemnitz, an denen auch das NSU-Trio teilgenommen haben soll. André E. soll mit den dreien bis zu ihrem Auffliegen im November 2011 engen Kontakt gehalten haben. Er soll es auch gewesen sein, der Beate Zschäpe zum Zwickauer Bahnhof fuhr, nachdem sie die Fluchtwohnung des Trios zerstört hatte und sich auf eine tagelange Irrfahrt durch Deutschland begab.

dpa/make

Beate Zschäpe steht im Verhandlungssaal des NSU-Prozesses, © Beate Zschäpe im Oberlandesgericht

NSU-Prozess: Böhnhardts Bruder sagt aus

Für den mit einiger Spannung erwarteten 125. Prozesstag im Verfahren gegen Beate Zschäpe und den Nationalsozialistischen Untergrund am Oberlandesgericht München waren Zeugenaussagen eines mutmaßlichen NSU-Unterstützers sowie auch des Bruders von Uwe Böhnhardt vorgesehen.

 

Verspätet angefangen

Zunächst hat sich der Beginn des Prozesses verzögert, weil die Angeklagte Beate Zschäpe über Kopfschmerzen klagt. Dann begann die Vernahme des ersten Zeugen:

Ein mutmaßlicher Unterstützer des Terror-Trios, ein heute 38 Jahre alter Fleischer, verweigerte die Aussage, da die Bundesstaatsanwaltschaft gegenwärtig gegen ihn ermittelt.

 

Kontakt zum Bruder abgebrochen

Am Nachmittag war dann der Bruder des Mitangeklagten Uwe Böhnhardt als Zeuge gelasen

Jan Böhnhardt, der jüngere Bruder des mutmaßlichen NSU-Mörders Uwe Böhnhardt hat nach dessen Untertauchen nach eigener Aussage keinen Kontakt mehr gehabt. Dessen rechtsextreme Gesinnung habe er nicht als so gravierend eingestuft, sagte Jan Böhnhardt am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht München.

Zu konspirativen Treffen, mit denen die Eltern Kontakt zu ihrem Sohn hielten, sei er nicht mitgekommen. „Meine Eltern wollten mich nicht hineinziehen. Deswegen haben sie mir nicht gesagt, dass sie sich treffen“, sagte der 44-jährige Kraftfahrer aus Jena. Sie hätten ihn allerdings hinterher über die Gespräche unterrichtet. „Sie haben gesagt, dass Uwe nicht zurückkommt, dass es ihm gut geht – und ich soll mich damit abfinden, dass ich ihn nicht wiedersehe.“

adc / dpa

Todesangst im Flugzeug: „Wir haben eine Bombe an Bord“

Es muss der Horror für die Passagiere gewesen sein. An Bord des Fluges von Tel Aviv nach München drohte eine 25-Jahre alter Österreicher das Flugzeug in die Luft zu sprengen.

 

Bereits gestern berichtete muenchen.tv vom Schreckensflug in der israelischen El-Al–Maschine von Tel Aviv nach München.

Mittlerweile ist bekannt, dass es sich beim dem Täter um eine 25-Jahre alten Österreicher handelt. Er drohte das Flugzeug in die Luft zu sprengen.

 

„Wir haben eine Bombe. Ihr werdet alle in die Luft fliegen und sterben!“

 

Laut „Krone“ war der Tiroler während des Fluges plötzlich aus seinem Sitz aufgesprungen und habe gerufen: „Hier sind die Terroristen! Wir haben eine Bombe. Ihr werdet alle in die Luft fliegen und sterben, wie die Leute am 11. September.

 

Israelische Medien berichteten, der Mann habe auf dem Flug andere Passagiere verbal attackiert und dann einen Flugbegleiter angegriffen.
Ein Air-Marshall der israelischen Sicherheitsbehörden konnte den Mann schließlich überwältigen.

 

Notlandung in Sofia

 

Nach einer Notlandung in Sofia (Bulgarien) wurde der Täter den Sicherheitskräften übergeben und das Flugzeug konnte seine Reise nach München fortsetzen.

 

Eine Sprecherin der Fluggesellschaft El Al konnte nicht sagen, ob der Österreicher betrunken gewesen sei.

 

RG

NSU-Prozess: Hessischer Verfassungsschützer als Zeuge geladen

Im NSU-Prozess vernimmt das Gericht erneut einen hessischen Verfassungsschützer.

 

Der 106. Verhandlungstag im NSU-Prozess steht an. Am Dienstag geht es erneut um die rätselhafte Rolle eines Verfassungsschützers beim Mord an Halit Yozgat 2006 in Kassel. Zum wiederholten Male muss der Beamte Andreas T. als Zeuge erscheinen, der während des Mordes an Yozgat im hinteren Raum von dessen Internetcafé saß. Die Anwesenheit des Verfassungsschützers hatte für Spekulationen gesorgt, zumal er sich nach der Tat nicht als Zeuge gemeldet hatte. Ermittlungen gegen ihn wurden eingestellt; die Bundesanwaltschaft geht nicht davon aus, dass er mit dem Mord etwas zu tun hatte. In seinen bisherigen Vernehmungen hatte T. stets behauptet, er habe von der Tat nichts mitbekommen.Der Terrorgruppe “Nationalsozialistischer Untergrund” werden unter anderem zehn Morde zur Last gelegt. Opfer waren neun Menschen mit ausländischen Wurzeln und eine Polizistin. Beate Zschäpe ist als Mittäterin an sämtlichen Attentaten angeklagt. Neben den Morden werden ihr zwei Sprengstoffanschläge zur Last gelegt. Beate Zschäpe ist die einzige Überlebende des Trios. 13 Jahre lang lebte sie mit ihren beiden mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt unter falschen Identitäten Mitten in Deutschland.
NSU-Prozess könnte länger dauern als geplant

Nach Einschätzungen des Münchner Oberlandesgerichtspräsidenten Karl Huber wird sich der NSU-Prozess bis ins nächste Jahr ziehen. Termine seien schon bis Ende 2014 festgelegt, so Huber. Der Prozess stelle das Gericht weiter vor „unglaubliche Herausforderungen“, da er extrem viel Kapazitäten binde. Der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts unter Vorsitz von Manfred Götzl hat allein schon fünf Richter. Dazu gibt es drei Ergänzungsrichter – falls ein Richter während des Prozesses ausfällt.

 

rr/dpa

 

 

Heute wird nach vier Wochen Sommerpause der NSU-Prozess fortgesetzt

Heute ab 9:30 Uhr wird der Prozess gegen die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe und vier Helfer des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) fortgesetzt.

 

Zunächst soll ein BKA-Beamter als Zeuge gehört werden, der den Angeklagten Holger G. vernommen hatte. Holger G. hatte unter anderem zugegeben, den untergetauchten Neonazis Dokumente und eine Waffe verschafft zu haben.

 

Gerichtspräsident Karl Huber zog in einer Pressekonferenz kürzlich ein positives Fazit zum bisherigen Prozessverlauf im Gerichtsgebäude: „Die Organisation war prima und wir werden natürlich mit den gleichen Kräften und der gleichen Präsenz weitermachen.“

 

Weitere Hintergrundinformationen finden Sie in unserem Special zum NSU-Prozess.

 

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Neuer Münchner Polizeipräsident Andrä will gegen Rechts kämpfen

Seit rund vier Wochen ist er im Amt: Münchens neuer Polizeipräsident Hubertus Andrä. Nun hat er eines seiner Ziele verkündet: Er möchte gezielt gegen Rechtsradikalismus vorgehen. «Die rechte Szene soll wissen, dass wir ihnen auf die Finger schauen und ihnen auf den Fersen sind», sagte er der Süddeutschen Zeitung. «Wir werden überlegen, wie wir ihnen das Gefühl noch intensiver vermitteln können.»

 

Seit Beginn des NSU-Prozesses war es in München zu mehreren Attacken auf linke Einrichtungen gekommen: Scheiben wurden eingeschlagen, Fassaden wurden mit Fäkalien verschmiert und mit Farbbeuteln beworfen. Diesbezüglich wird in der rechtsextremen Szene ermittelt, auch eine Wohngemeinschaft im Stadtteil Obermenzing haben die Ermittler im Visier. Dort soll auch ein Rechtsextremer aus und ein gegangen sein, der im NSU-Mordprozess als mutmaßlicher Unterstützer angeklagt ist.

 

mt / dpa, lby

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