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Insolvenz: Weltbild und Hugendubel trennen sich

Rettung für die Verlagsgruppe Weltbild.

Im Insolvenzverfahren des katholischen Unternehmens und tausender Arbeitsplätze wurde nun ein wichtiger Schritt getan. Nach achtjähriger Kooperation mit der Buchhändlerfamilie Hugendubel trennen sich nun die Wege der beiden Unternehmen. Wie Weltbild am Freitag mitteilte, werden die cirka 300 Buchhandlungen, die bisher gemeinsam unter einem Dach der Finanzholding DBH betrieben wurden, voneinander gelöst. Rund 3 100 Mitarbeiter in ganz Deutschland sind von diesem Schritt betroffen. Zudem wurden die 220 Weltbild-Filialen vomAmtsgericht unter ein Schutzschirmverfahren gestellt. Dieses ermöglicht die Sanierung eines Unternehmens mit aus dem Insolvenzrecht bekannten Methoden.

rr/dpa

Rettung für Weltbild: Kirche zahlt 35 Millionen Euro

Nach dem Insolvenzantrag der katholischen Verlagsgruppe Weltbild stellt die Kirche dem existenzbedrohten Konzern sowie einem Geschäftspartner 35 Millionen Euro zur Verfügung. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz erhalte einen Massekredit von 15 Millionen Euro, hieß es am Freitag aus dem Bistum Augsburg. Das Erzbistum München bestätigte zudem später, dass es der Buchhändlerfamilie Hugendubel, die gemeinsam mit Weltbild die rund 400 Filialen in den Städten betreibt, 20 Millionen Euro geben wird. Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte zuvor über die geplanten Zahlungen der Bistümer berichtet.

Insolvenzverwalter will Weltbild-Konzern als Ganzes erhalten

Vielleicht gibt es ja doch noch Hoffnung für die Mitarbeiter des insolventen Weltbild-Konzernes. Der Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz will das Unternehmen als Ganzes erhalten. 2 200 Beschäftigte am Stammsitz in Augsburg bangen nun um ihre Arbeitsplätze.Doch die Chancen dafür sind noch unklar. Zumal die Weltbild-Gruppe eine kaum durchschaubare Struktur hat.

Betroffen ist bislang insbesondere die Weltbild-Zentrale. Wichtige Töchter wie die Online-Handelsplattform bücher.de, Auslandsgesellschaften in Österreich und der Schweiz und insbesondere das Filialgeschäft haben keine Insolvenzanträge gestellt. Die rund 400 Buchhandlungen, die unter den Markennamen „Weltbild“, „Hugendubel“ oder „Jokers“ firmieren sowie als „Shop in Shop“ in Karstadt-Warenhäusern betrieben werden, hält Weltbild gemeinsam mit der Familie Hugendubel. Das Gemeinschaftsunternehmen heißt DBH Buch Handels GmbH & Co. KG. Welche Folgen die Insolvenz für die Töchter des Mutterkonzerns letztlich haben wird, ist noch unklar.

Weltbild zählt zu den wenigen ernstzunehmenden Konkurrenten des Großunternehmens Amazon. Viele Händler und Verlage hoffen, dass Weltbild als Gegenpol zu Amazon erhalten bleibt.
rr/dpa

Diskussion um Weltbild-Rettung

Nach der Insolvenz der Augsburger Verlagsgruppe Weltbild soll es am heutigen Donnerstag (16.01.)  einen weiteren Runden Tisch zur Rettung des kirchlichen Unternehmens geben.

Bayerns Arbeitsministerin Emilia Müller und ihre Kabinettskollegin, Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (beide CSU), werden dazu in Augsburg mit Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz, dem Betriebsrat und weiteren Teilnehmern beraten.

 

Nach dem Treffen will der Augsburger Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) über die Ergebnisse informieren.

 

Ministerpräsident Horst Seehofer hatte zwar direkte Geldzahlungen für das Unternehmen ausgeschlossen, nicht aber Hilfen für die rund 2200 in Augsburg von Arbeitslosigkeit bedrohten Mitarbeiter.

 

Mitarbeiter der Weltbild-Verlagsgruppe hatten am Mittwoch schwere Vorwürfe gegen die katholische Kirche als Eigentümer des insolventen Unternehmens erhoben. In einem Offenen Brief der Beschäftigten heißt es, die Bischöfe hätten «Weltbild bewusst in die Insolvenz getrieben».

 

 

Der Brief wurde nach Angaben von Verdi am Mittwoch bei einer Betriebsversammlung in Augsburg von rund 1500 Mitarbeitern unterzeichnet. Die Beschäftigten werfen der Kirche vor, dass sie entgegen früherer Beschlüsse und einer Zusage die Refinanzierung des Verlages und Versandhändlers hätten scheitern lassen. Weltbild gehört zwölf Bistümern, dem Verband der Diözesen Deutschlands und der Soldatenseelsorge Berlin.

 

Die Kirche habe einen «völlig widersprüchlichen und unklaren Kurs während der letzten Jahre» gefahren, hieß es in dem Brief.

 

 

Hintergrund:

 

 

Die Weltbild-Gesellschafter hatten seit langem geplant, sich von Weltbild zu trennen; unter anderem war eine Stiftungslösung im Gespräch. Nach Angaben der Verantwortlichen hatte sich zuletzt der Finanzierungsbedarf für die Sanierung von Weltbild etwa verdoppelt. Daraufhin drehte die Kirche den Geldhahn zu. Die Unterzeichner des Offenen Briefes erklärten, dass sie «nicht bereit sind, unser Unternehmen und unsere Arbeitsplätze sang- und klanglos auf dem Altar innerkirchlicher Machtkämpe opfern zu lassen».

 
Die bayerische Arbeitsministerin Emilia Müller sagte unterdessen den Mitarbeitern für den Bedarfsfall staatliche Unterstützung zu. Instrumente wie der Europäische Sozialfonds und der Arbeitsmarktfonds stünden bereit, falls es zu einer Transfergesellschaft komme, sagte die CSU-Politikerin in Wildbad Kreuth der Nachrichtenagentur dpa.

 

Zunächst müsse jedoch Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz versuchen, dem Unternehmen eine Zukunft zu ermöglichen.

 

 

 

jn / dpa

 

Weltbild-Verlag ist insolvent

Bereits im Sommer 2013 schreckten Berichte über eine mögliche Insolvenz die Beschäftigten des Weltbild-Verlags auf. Tausende Jobs sind in Gefahr, das Filialgeschäft ist nicht betroffen. Verdi greift die kirchlichen Eigentümer scharf an.

 

 

Der angeschlagene katholische Weltbild-Verlag hat Insolvenz beantragt. Es fehlten die nötigen Mittel für die Sanierung des kriselnden Unternehmens, teilte Weltbild am Freitag mit. Die Gruppe gehört zwölf Bistümern, dem Verband der Diözesen Deutschlands und der Soldatenseelsorge Berlin. Nicht betroffen sei das gemeinsam mit dem Buchhändler Hugendubel betriebene Filialgeschäft. Auch die Geschäfte in Österreich und der Schweiz sowie der Online-Buchhändler Bücher.de seien nicht tangiert.

 

Konkreter Auslöser für die aktuellen Schwierigkeiten sei ein Umsatzrückgang in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2013/14. Auch angesichts der in den kommenden drei Jahren erwarteten niedrigeren Erlöse habe sich der Finanzierungsbedarf für die Sanierung des Unternehmens verdoppelt.

«Gestern hat sich entgegen der Erwartung der Geschäftsführung herausgestellt, dass die notwendige Finanzierung nicht zur Verfügung stehen wird», hieß es in der Mitteilung.

 

Die katholische Kirche verteidigte ihre Weigerung für weitere Finanzspitzen. Die Bemühungen, das Unternehmen wieder zum Erfolg zu führen, seien leider fehlgeschlagen, teilte der Generalvikar des Erzbistums München und Freising, Peter Beer, mit. Beer ist Aufsichtsratschef bei Weltbild.

In den kommenden drei Jahre hätten bis zu 160 Millionen Euro zusätzlich aufgebracht werden müssen, um die Sanierung umzusetzen. Zudem müsse für die Entschuldung ein weiterer dreistelliger Millionenbetrag angesetzt werden.

 

Ein derart hoher finanzieller Aufwand könne angesichts verbleibender Unsicherheiten nicht verantwortet werden. Die Gesellschafter bedauerten diese Entwicklung sehr. «Die Gesellschafter stehen in dieser schwierigen Situation zu ihrer sozialen Verantwortung gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern», sagte Beer. Man werde Mittel zur Abfederung sozialer Härten bereitstellen. Die Gewerkschaft Verdi kritisierte die katholische Kirche scharf. Über den Insolvenzantrag hatte zuerst «Handelsblatt Online» berichtet.

 

Der Weltbild-Verlag beschäftigt mehr als 6000 Menschen. Etwa zur Hälfte sind die Beschäftigten bei der Tochter DBH Buch Handels GmbH & Co. KG angestellt, die die klassischen Buchläden betreibt. DBH gehört zu gleichen Teilen Weltbild und der Buchhändlerfamilie Hugendubel und hat rund 420 Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wie viele Mitarbeiter von der Insolvenz konkret betroffen sind, wollte ein Sprecher am Freitag auf Nachfrage nicht sagen.

 

 

Auch Angaben zur genauen Zahl der Beschäftigten machte Weltbild nicht. Zunächst müsse sich der Insolvenzverwalter ein Bild machen. Der Betrieb solle zunächst weiterlaufen. Insolvenzverwalter soll Wirtschaftsprüfer Arndt Geiwitz werden. Dessen Kanzlei Schneider, Geiwitz & Partner hatte unter anderem die Schlecker-Pleite verwaltet. Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) zeigte sich betroffen von der Insolvenz und lud alle Beteiligten zu Gesprächen ein. Rund 2000 Beschäftigte arbeiten am Standort Augsburg.

 

Betriebsratschef Peter Fitz sagte: «Unser Unternehmen ist zukunftsfähig, davon waren wir immer überzeugt und sind es immer noch». Der Verlag hat seit langem zu kämpfen. Im Internet verkauft Weltbild wie der Konkurrent Amazon nicht nur Bücher, sondern auch andere Ware wie DVDs, Spielzeug oder Elektronik.

 

Im klassischen Verlagsgeschäft ist Weltbild ebenso aktiv und bringt jedes Jahr Hunderte Titel raus – von religiösen Büchern bis zu Kochratgebern.

 
Für Schlagzeilen hatte das kirchliche Unternehmen in der Vergangenheit wegen seines Erotik- und Esoterikangebotes gesorgt. Die Kirche will sich seit längerem von dem Verlag trennen, nur über den Weg herrschte bisher Uneinigkeit. Zuvor hatte es bereits im Sommer Berichte über eine mögliche Insolvenz gegeben. Der Buchhandel leidet seit Jahren unter der wachsenden Konkurrenz durch den Internethandel und hat mit sinkenden Umsätzen zu kämpfen.

 

 

 

jn / dpa