Koffer am Flughafen, © Reisen ist nicht nur ein privates Thema. Der Tourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren

Tourismus als Wirtschaftsfaktor in Deutschland – ein Vergleich verschiedener Tourismusformen

Die Tourismusbranche erfreut sich ungebrochener Beliebtheit und kann selbst in Krisenzeiten für einen stetig steigenden Absatz sorgen. Grund dafür könnte sein, dass der Mensch vor allem in problembeladenen Zeiten Urlaub und Entspannung vom Alltag benötigt – das zumindest könnte die wachsende Zahl der Auslandsreisenden erklären, die seit 2013 weltweit verbucht wird. 

 

 

Wirtschaftsfaktor Tourismus in Deutschland

In Deutschland entwickelt sich der Tourismus ähnlich erfolgreich wie auch weltweit, nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gab es allein 2016 knapp 447,3 Millionen Übernachtungen und damit gleichzeitig auch einen neuen Rekordwert, auch München ist hier ganz vorne mit dabei. Dank der Studie „Wirtschaftsfaktor Tourismus“ wurde außerdem ermittelt, wie die genauen Einkommens- und Beschäftigungseffekte des Tourismus aussehen. Die Studie machte deutlich, dass die Tourismuswirtschaft eine sehr arbeitsintensive Branche darstellt und damit wesentlich zur Schaffung und zum Erhalt von Arbeitsplätzen beiträgt. Das betonte auch die Tourismusbeauftragte Iris Gleicke in einem Interview vom 5. März 2014, in dem sie darauf aufmerksam machte, dass die Tourismusbranche wichtig für die Arbeitsmarkt- und Ausbildungssituation sei und diese für junge Menschen noch attraktiver gemacht werden müsse.

 

 

Tourismusentwicklung im internationalen Vergleich

Im internationalen Vergleich gibt es stets einige Länder, Regionen und Staaten, die anderen einen Schritt voraus sind. Das mag einerseits an einer problematischen Situation im Land selbst liegen (beispielsweise Bürgerkrieg oder Naturkatastrophen), andererseits aber auch daran, dass ein Land nicht ausreichend Sehenswürdigkeiten oder attraktive Orte zu bieten hat. Während Küstenländer beispielsweise über den direkten Zugang zum Meer verfügen, so muss das Inland sich anders zu helfen wissen, etwa durch historische oder kulturelle Besonderheiten, besonderen Service oder einzigartige Naturkulissen. Nicht zuletzt spielt aber auch die Infrastruktur eine entscheidende Rolle, denn Touristen und Urlauber möchten sicher und problemlos reisen können und sollten bei Bedarf auch auf eine Unterkunft zurückgreifen können.

 

 

Chance auch für Entwicklungsländer

Unter dem neutralen Titel „Tourismus in Entwicklungsländern“ reflektierte die Bundesregierung bereits vor gut 25 Jahren das Reisen in Länder der Dritten Welt. 2005 folgte schließlich eine aktuellere Anschlussstudie, die abermals den Tourismus der Entwicklungsländer behandelte. Dabei stellte sich unter anderem heraus, dass Entwicklungsländer mittlerweile einen Marktanteil von 16 Prozent ausmachen, wobei auch die

Reisenden sich heutzutage stärker für Erlebnis und Bildung interessieren und daher auch immer häufiger den unverbindlichen Kontakt mit Einheimischen suchen. Gleichzeitig gibt es jedoch noch immer etliche negative Aspekte, die auch den Reisenden übel aufstoßen: etwa das extreme Aufeinandertreffen von Arm und Reich, Umweltschäden und zerstörte Natur oder eine zugebaute Umgebung. Klar ist, dass diesbezüglich noch viel Entwicklungshilfe geleistet werden muss, an der sich mittlerweile aber auch viele Industriestaaten in mehr oder weniger großem Ausmaß beteiligen.

Durch die Förderung des Tourismus wollen Entwicklungsländer vor allem folgende Ziele erreichen:

 

  • Schaffung von Einkommen und Beschäftigung
  • Erhöhung der Deviseneinnahmen
  • Milderung räumlicher und sozialer Disparitäten
  • Des Weiteren sehen die WTO und viele Länder in der Förderung des Tourismus auch einen Weg des verstärkten Umweltschutzes.

 

Darüber hinaus hat der Tourismus gegenüber anderen meist exportorientierten Wirtschaftszweigen, die typisch für ein Entwicklungsland sind, einige wichtige Vorteile:

  • Oft verfügen Entwicklungsländer über einzigartige oder seltene und kaum substituierbare touristische Attraktionen, dank derer sie eine starke Position auf dem Weltmarkt haben, die durch andere Güter und Dienste kaum erreicht werden kann.
  • In den letzten Jahrzehnten ist die Nachfrage nach Entwicklungsländer-Reisen stärker angestiegen als der Welthandel und das globale BIP.
  • Anders als bei Exportgütern, die zum Konsumenten transportiert werden müssen, reisen die Touristen selbst zum Standort – Kosten und Risiken werden daher also nicht vom Produzenten getragen.

 

 

Kulturtourismus

Tourismus wird in der Regel in viele unterschiedliche Bereiche unterteilt, sodass eine Spezifizierung entsteht. In Deutschland ist vor allem der Kulturtourismus präsent, der immerhin für die Hälfte der Touristen zum Urlaub gehört. Deutschland gilt bekanntlich als das Land der Dichter und Denker, dementsprechend ist es kaum verwunderlich, dass es als Kulturreiseziel vor Frankreich auf Platz 1 liegt. Historische Sehenswürdigkeiten, Museen, Ausstellungen, Theater und Festivals sind es, die hierbei von den Touristen geschätzt werden.

 

 

Hauptaugenmerk liegt auf Städtetourismus

Derzeit liegt der Fokus des Kulturtourismus in Deutschland vor allem auf dem Städtetourismus, so eine Stellungnahme des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Fakt ist aber, dass Deutschland durchaus auch sehr viel Kultur in der Fläche zu bieten hat – gerade deshalb soll in Zukunft eine stärkere Verbindung zwischen Kultur und Tourismus im ländlichen Raum stattfinden.

 

Olymiapark, © München bietet mit Olympiastadion & Co jede Menge Möglichkeiten für Touristen.

 

Ländliche Entwicklung soll vorangetrieben werden

Gesunde, attraktive und ländliche Regionen stellen nicht nur eine wichtige Voraussetzung für eine hohe Lebensqualität dar, sondern sind auch ähnlich wichtig, wenn es um die Entwicklung des Tourismus in eben jenen Regionen geht. Gleichzeitig trägt aber auch der Tourismus dazu bei, dass Versorgungsstrukturen und wirtschaftliche Prosperität in ländlichen Räumen erhalten bleiben. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat zu diesem Zweck gemeinsam mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft das Projekt „Tourismusperspektiven in ländlichen Räumen“ ins Leben gerufen, welches ländliche Regionen künftig stärker bewerben soll. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse in dem Leitfaden „Tourismusperspektiven in ländlichen Räumen – Handlungsempfehlungen zur Förderung des Tourismus in ländlichen Räumen“. Unter anderem werden darin touristische Kernthemen wie etwa Aktiv-Urlaub, Natur-Urlaub oder die Gesundheit besprochen, aber auch Schlüsselstrategien und Handlungsempfehlungen werden genauer analysiert – darunter beispielsweise die Integration des Tourismus in Dorfentwicklungsprogramme oder die Bewusstseinsbildung für den Wert ländlicher Räume.

 

 

Neue Formen des Tourismus

Tourismus ist nicht gleich Tourismus, das zeigt bereits ein einfacher Blick auf das vielseitige und umfangreiche Angebot. Neben dem bereits erwähnten Kulturtourismus gibt es daher noch etliche andere Schwerpunkte in der Branche, darunter etwa der Sporttourismus, der Gesundheitstourismus oder der Wellnesstourismus. Abseits dessen finden sich aber auch einige neuartige Formen, die sich erst in den letzten Jahren gebildet haben – erwähnenswert sind hierbei insbesondere der Shopping-Tourismus und der „Spaß-Tourismus“.

 

 

Shoppingtourismus

Für viele Menschen ist das Einkaufen zu einer regelrechten Freizeitbeschäftigung geworden, die nicht mehr nur direkt in der Nähe des Wohnortes durchgeführt wird, sondern auch gerne bei Urlaubs- und Geschäftsreisen oder Tagesausflügen. Shopping ist damit ein wichtiges Motiv für den Tourismus geworden und mitunter sogar der entscheidende Auslöser für eine Reise. Dennoch haben bisher weder Einzelhandel noch Gastgewerbe die große ökonomische Bedeutung des Shoppingtourismus erkannt, wenngleich er von Experten aus Einzelhandel und Tourismus als wichtiges Wachstumssegment betrachtet wird, von dem Deutschland stärker als bisher profitieren kann.

 

 

Der Erlebniseinkauf

Sowohl Geschäftstouristen als auch Tagestouristen und Urlaubsreisende kommen als Zielgruppe für den Shoppingtourismus infrage. Festzuhalten ist dabei, dass Shoppingtourismus hauptsächlich im Rahmen eines touristischen Motivs stattfindet, oft in Kombination mit Kultur- oder Geschäftstourismus. In enger Verbindung steht außerdem vor allem der Städtetourismus, da hier etliche Geschäfte in unmittelbarer Nähe zu finden sind. Ganz klassisch findet ein solcher Erlebniseinkauf in Innenstädten statt, immerhin 31,5 % der Städtereisenden halten den Schaufensterbummel in der Stadt für sehr wichtig – damit hat das Einkaufserlebnis ungefähr den gleichen Rang wie Stadtrundfahrten oder Museumsbesuche.

 

 

Erfolgsfaktoren

Die Erfolgsfaktoren des Shoppingtourismus basieren auf den unterschiedlichen Standorttypen, lokalen Gegebenheiten und individuellen Ausgangslagen. Umso schwieriger ist es daher, allgemeingültige Faktoren zu ermitteln, die für einen kommerziellen Erfolg sorgen können. Ein positiver Einfluss kann aber mit folgenden Faktoren erzielt werden:

 

  • Generelle Rahmenbedingungen

Politische Stabilität und innere Sicherheit oder ein gesetzlicher Rahmen für Ladenöffnungszeiten sind für ein florierendes Geschäft zwangsläufig notwendig.

  • Art und Umfang des Angebotes

Mindestgrößen für Verkaufsflächen – ein Haupteinkaufsbereich in einer traditionellen Innenstadt benötigt beispielsweise etwa 20.000 qm Verkaufsfläche. Städte wie Berlin, Hamburg oder München verfügen nicht selten über Einkaufszonen mit jeweils deutlich über 100.000 qm. Auch Shoppingcenter sollten mindestens 20.000 qm umfassen, um eine deutlich überregionale Ausstrahlung zu entwickeln.

  • Preis

Beispielsweise das Preisniveau eines Landes als Rahmenbedingung, aber auch eine gemeinsame Währung, die die Preistransparenz erhöht – generell ist der Preis von ausschlaggebender Bedeutung.

  • Erreichbarkeit

Von Bedeutung ist die geographische Lage zu wichtigen Verkehrsachsen und touristischen Zielgebieten, auch eine leistungsfähige Infrastruktur wie die Anbindung an das internationale Autobahnnetz oder internationale Flughäfen ist zu empfehlen.

  • Infrastruktur

Auch das Stadtbild selbst ist ein wichtiger Faktor, gut erhaltene Altstadt-Teile, prägnante Bauwerke oder architektonisch anspruchsvolle Neuentwicklungen tragen zur Anziehungskraft einer Stadt bei und bieten eine geeignete Kulisse, um in angenehmer Atmosphäre zu shoppen.

    • KooperationMarketingKlassische Bestandteile des Marketings sind hier vonnöten, darunter beispielsweise ein durchgängiges Corporate Design, eine internationale Zielgruppenansprache, die Ausführung regelmäßiger attraktivitätssteigernder Events und nicht zuletzt ein ausreichend hohes Marketingbudget.

 

Wichtig ist außerdem die lokale Kooperation zwischen Handel und Tourismus, als größtes Manko erweist sich derzeit noch die fehlende Kommunikation zwischen den Interessenvertretungen der Einzelhändler und den für den Tourismus verantwortlichen Personen.

 

 

Trends der Entwicklung

Für den Shoppingtourismus werden es vor allem die Best Ager sein, die eine wichtige künftige Zielgruppe darstellen. Diese begeistern sich sowohl für den Erlebniseinkauf als auch für den Städte- und Eventtourismus, allerdings wird dieser Boom voraussichtlich nur kurz anhalten. Weiterhin werden sich sowohl Verkaufsflächen als auch die Konsumbereitschaft der Deutschen in den kommenden Jahren stetig steigern, sodass Deutschland auch für die Deutschen eines der wichtigsten Urlaubsländer in diesem Bezug darstellt. Weitere Märkte sollten aber dennoch nicht vernachlässigt werden, allen voran Japan und China, die als wichtige Quellmärkte gelten. Insgesamt sehen die Zeiten für den Shoppingtourismus also durchaus positiv aus.

 

 

„Spaß-Tourismus“ – Stadterkundung in lockerer Atmosphäre

 

In Mode ist es heutzutage, Städte gemeinschaftlich zu entdecken, am liebsten in lockerer Atmosphäre. In diesem Bezug hat sich der Spaß-Tourismus etabliert, bei dem vor allem das Kennenlernen Gleichgesinnter im Fokus steht, aber auch das Feiern, Trinken und Entdecken des Nachtlebens steht auf dem Programm. Diese Form des Tourismus richtet sich vornehmlich an eine junge Zielgruppe und hat vor allem Entertainment zu einem günstigen Preis im Fokus. Bei guter Planung und Organisation können Jugendgruppen, junge Erwachsene oder beispielsweise auch Singles sich in lockerer Atmosphäre besser kennenlernen und Spaß haben, in einigen Urlaubsländern wird dieses Bild allerdings auch getrübt – das gilt insbesondere dann, wenn die Partys zu extrem ausfallen und auf diese Weise beispielsweise ganze Strände oder Partymeilen in angesagten Metropolen und Urlaubszielen verschmutzt werden. Auch der Lärm kann diesbezüglich zum Problem werden. Gerade deshalb sind die Städte und Länder gefragt, die entsprechende Regelungen und Gesetze durchsetzen müssen, um das allzu wilde Partyvolk unter Kontrolle zu halten.

 

Freunde im Biergarten, © Geselliges Beisammensein, Feiern, Spaß – das steht für viele, besonders junge, Touristen im Vordergrund.

 

Pub Crawl – traditionelle Kneipentouren

Als Pub Crawl wird die klassische Kneipentour bezeichnet, die unter diesem Namen vor allem in Großbritannien verbreitet ist. Kleine oder auch größere Gruppen ziehen dabei an einem Abend durch möglichst viele verschiedene Kneipen, wobei in jeder Kneipe mindestens ein Bier getrunken wird – dies dient vor allem der Auflockerung, wobei es aber auch alkoholfreie Abwandlungen mit Kaffee oder anderen beliebigen Getränken gibt. Das „Crawl“ (zu Deutsch: kriechen) in Pub Crawl weist dabei übrigens auf den physischen Zustand der Teilnehmer hin, wenn sich die Veranstaltung dem Ende zuneigt.

Ritualisiertes Beisammensein – Kneipenspiele und Co. haben sozialen Nutzen

Das exzessive Trinken mag sowohl alleine als auch in Gesellschaft eher fraglich sein, Tatsache ist allerdings auch, dass der Alkoholgenuss ein fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens ist. Sei es in Maßen im Alltag oder auch zu besonderen Anlässen, das gemeinsame Trinken und Anstoßen gilt in vielen Ländern mittlerweile als eine Art Ritual. Dies lässt sich bereits gut bei Nationalgetränken und den mit ihnen verknüpften Ritualen erkennen: etwa das Guinness, das zu Irland gehört, der Tequila aus Mexiko oder der Ouzo aus Griechenland. Sie vermitteln oftmals einen patriotischen Charakter, schweißen die Trinkgemeinschaft aber auch zusammen und schaffen so eine gewisse Verbundenheit. In dieser Hinsicht haben sich auch unzählige Spiele etabliert, die für alle Teilnehmer einen sozialen Nutzen haben und dafür sorgen, dass Gemeinsamkeiten gefunden werden oder sie zumindest für einen Abend miteinander Spaß haben. Sei es eine Runde Darts, Flipper oder Kicker, die Möglichkeiten sind nahezu unendlich, wobei es jedoch einige klare Favoriten gibt. Im Laufe der Zeit haben sich zudem viele weitere Spiele entwickelt, darunter viele Kartenspiele oder auch das eher neumodische Beer Pong. Auch hier geht es also vor allem um Rituale, die eine gemeinsame Basis schaffen und die erstmalige Kommunikation untereinander stark erleichtern.

 

 

Gesundheits- und Wellnesstourismus

 

Yoga am See, © Entspannung und Gesundheit sind für die meisten praktisch der Inbegriff von Urlaub. Daher steigen Angebot und Nachfrage auch hier stetig.

 

Für viele Menschen spielen gesundheitliche Aspekte eine immer größere Rolle, wenn es um die eigene Freizeit oder das Reisen geht, sodass Tourismus und Gesundheit oftmals in direktem Zusammenhang betrachtet werden. Derzeit entwickelt sich der Gesundheitstourismus in Deutschland zunehmend dynamisch: neue Lebensstile, Bedürfnislagen und demographische Veränderungen sorgen dafür, dass Anbieter viele Möglichkeiten nutzen können, um sich auf Teilbereiche zu spezialisieren oder Alleinstellungsmerkmale herauszubilden. Als Markttreiber werden dabei vor allem folgende vier Bereiche betrachtet:

 

Grafik der neue Gesundheitstourismus

 

Gesundheit als Lifestyle – Marktentwicklung

Ein allgemein steigendes Gesundheitsbewusstsein sorgt dafür, dass Gesundheit und Wohlbefinden zum Lifestyle werden. Das lässt sich unter anderem an gesunder Ernährung, Bio-Lebensmitteln, Naturkosmetik oder nachhaltigen Kleidungsstücken und Möbeln erkennen. Auch werden sich Menschen immer bewusster über psychische Erkrankungen, allen voran Burnout und Stress durch private oder berufliche Belastungen. Vielfach realisieren die Menschen, dass es sich lohnt in die eigene physische und psychische Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu investieren und auf diese Weise Eigenvorsorge zu betreiben. Gesunde Urlaubsformen sind in dieser Hinsicht eine wichtige Stütze und lassen sich heutzutage durch Ernährungs- und Natururlaube, Krisenmanagement, Personal Coaching oder grundlegende Lebensberatungen immer individueller realisieren.

 

Chancen, Potenziale und Herausforderungen

Ein Blick auf den gesundheitstouristischen Markt zeigt, dass die Branche auch zukünftig viele Chancen und Möglichkeiten hat. Anbieter sollten die Chance nutzen und sich dementsprechend über touristische Gesundheitsprodukte oder -dienstleistungen auf dem Laufenden halten, mit denen sie im Idealfall aber auch „normale“ Urlauber ansprechen können.

 

 

Sporttourismus

Sporttourismus liegt bereits seit vielen Jahren im Trend und umfasst vor allem die vielen unterschiedlichen Formen des Aktivurlaubs sowie das Angebot an sportlichen Tätigkeiten am Urlaubsort. Sowohl für Reiseanbieter als auch Urlaubsorte ist Sport damit zu einem sehr wichtigen Wirtschaftsmerkmal geworden, welches dementsprechend intensiv vermarktet wird. Für Urlauber hat dies den Vorteil, dass das Angebot an individuellen Reise- und Sportangeboten immer größer wird.

 

Märkte und Handlungspotenziale

Sei es das Mountainbiking, Wandern oder Skilaufen – Sporttourismus ist vielseitig und wird von vielen Urlaubern gerne in Anspruch genommen. Bei der deutschen Bevölkerung sind es auch heute noch vornehmlich die Klassiker, die die Sportaktivitäten laut dem Deutschen Sportbund dominieren:

 

 

  • Schwimmen 76,5%
  • Wandern 53,2%
  • Turnen/Gymnastik 30,0%
  • Minigolf 24,6%
  • Jogging, Wald- und Geländelauf 24%
  • Rennradfahren 23,1%
  • Tischtennis 18,1%

 

 

Tatsächlich sagt dies jedoch nichts über den tatsächlichen Sportumfang im Urlaub aus, so zumindest das Fazit einer Studie des Deutschen Sportbunds, der die Entwicklung kritisch hinterfragte. Demnach wäre Sport im Urlaub zwar durchaus beliebt und vertreten, allerdings nur in Kombination mit anderen Aktivitäten und zudem nur in geringem Maße. Kritiker behaupten sogar, dass der Sporttourismus vor allem als Antriebsfeder der Schuh- und Bekleidungsindustrie diene und weniger dem Tourismus an sich helfe. Laut der Studie sei der „Sport-Tourismus-Markt weitaus kleiner als es der erste Blick vermuten lässt“.

 

Aktuelle Trends

Gerade Natursportaktivitäten sind nach wie vor beliebt und haben im deutschen Raum zudem eine lange Tradition. Nicht nur bezüglich der Teilnehmerzahl, sondern auf in Bezug auf die öffentliche Wahrnehmung haben diese einen starken Aufschwung erfahren. Dieser ist vor allem zurückzuführen auf den Wertewandel und die Individualisierung, wobei der Natursport auch den Aspekt des gesunden und bewussten Lebens mitaufgreift.

 

Beispiel Wandern: Chance oder Problem?

Gerade das klassische Wandern hat sich zu einem regelrechten Megatrend entwickelt. Sportler und Kritiker mögen sich allerdings fragen, was Wandern eigentlich mit Sport zu tun hat – denn das bisherige Negativimage des entspannten Spaziergangs mit Wanderstock auf idyllischen Wegen ist nach wie vor verbreitet. Hier muss grundlegend unterschieden werden, was der Urlauber sich als Ziel setzt, denn tatsächlich steht für viele Wanderer nicht der Sport im Fokus, sondern vielmehr die Natur, das Entdecken und Genießen. Wandern wird zudem auch immer häufiger als Form der Therapie eingesetzt. Qualitative Unterschiede sorgen hierbei letztendlich dafür, ob das Wandern ein fordernder Sport oder doch eher ein entspannender Spaziergang ist:

 

Qualitative Unterschiede Wandern Spazieren

 

Fazit

Jede der erwähnten Tourismusformen hat zweifellos ihre Berechtigung, spricht sie doch eine jeweils andere Zielgruppe an. Generell kann davon ausgegangen werden, dass sich die Tourismusbranche auch in den kommenden Jahren positiv entwickeln wird – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Dafür sorgen vor allem die immer besseren Möglichkeiten des Reisens, aber auch sinkende Preise durch Last Minute-Angebote und ähnliches tragen ihren Teil dazu bei. Gleichermaßen kann und wird die Branche aber auch auf Probleme stoßen, sei es durch problematische Verhältnisse innerhalb eines Urlaubslandes oder die Auswirkungen des Klimawandels, die für extreme Veränderungen verschiedener ohnehin schon bedrohter Urlaubsorte sorgen könnten.