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Über 400 Anrufe von falschen Polizisten – Polizei veröffentlicht Mitschnitt

Seit Sonntagabend verzeichnet die Polizei München eine ungewöhnliche Häufung von Trickbetrügern am Telefon. Über 400 Fälle, in denen falsche Polizisten bei zumeist älteren Menschen anriefen, wurden bereits dokumentiert. Die Polizei veröffentlicht nun den Mitschnitt eines Anrufs und gibt Tipps, wie man sich gegen Betrüger etwas absichern kann.

 

 

Die Masche ist immer fast immer die gleiche: Ein Einbruch in der Nähe, eine gefasste Einbrecherbande oder ähnliches. In allen Fällen wurde angeblich eine Liste gefunden, auf der der Name und die Adresse des Angerufenen stehen. Um einen weiteren Raub oder Einbruch zu verhindern, solle der Angerufene seine Ersparnisse und Vermögenswerte zur Aufbewahrung der Polizei übergeben. Ein angeblicher Polizist erscheint am Wohnort und nimmt das Geld oder häufig auch Sachwerte wie Goldbarren an. Doch statt die Wertsachen sicher zu verwahren, ist es für immer verloren.

 

Hier appeliert Polizeipressesprecher Marcus da Gloria Martins an die Bevölkerung:

 

 

Mit diesen Tricks werden zur Zeit die Münchner reihenweise übers Ohr gehauen. Die Zielgruppe der Täter ist die ältere Bevölkerung, da Senioren meist leichtgläubiger sind. Hier zeigen sich also Parallelen zum sogenannten Enkeltrick: Die Polizei versucht dieses Phänomen schon seit Jahren zu bekämpfen. Doch das ist nicht einfach:

 

Die Betrüger nehmen immer telefonisch Kontakt zu den Opfern auf, somit fällt eine Täterbeschreibung schwer. Nun könnte man diese Anrufe versuchen zurückzuverfolgen; so wie das in den Filmen immer gemacht wird. Das geht aber hier auch nicht, da die Täter von professionell betriebenen Call-Centern aus dem Ausland anrufen. Auffällig häufig aus der Türkei. Dort gibt es seit einiger Zeit ein ähnliches Phänomen.

 

Deswegen steht die Münchner Polizei in engem Austausch mit den türkischen Kollegen. Vergangenes Jahr konnten in der Türkei bereits mehrere Tatverdächtige festgenommen werden.

 

Besonders trickreich ist, dass die Betrüger mit der sogenannten „Call-ID-Spoofing“-Methode arbeiten. Dabei wird die eigentliche Telefonnummer so verändert, dass beim Angerufenen die Ortsvorwahl plus 110 angezeigt wird. Also für München: 089/110. So denken viele, die Polizei rufe an – das ist in der Praxis aber gar nicht möglich. Die Polizei kann „mit der 110“ gar nicht anrufen, sondern nutzt andere Anschlüsse.

 

Geht also nun ein Anruf mit der falschen Nummer in München ein, so wird der Angerufene aufgefordert, mit niemandem darüber zu reden, weil er sich sonst strafbar mache. Diese leere Drohung zeigt oft Wirkung und führt so dazu, dass Betroffene erst sehr viel später die echte Polizei informieren.

 

Die Täter haben es auf Bargeld, Schmuck oder Goldbarren abgesehen. Auf der Bank nichts sicher, da korrupte Bankmitarbeiter mit Straftätern zusammen arbeiteten – nur bei der Polizei sei das Vermögen in Sicherheit. Deshalb sollen die Angerufenen ihr Geld von der Bank abheben und in einem Stoffbeutel oder ähnlichem im Garten deponieren.

 

So wurde am Sonntag eine über 80-jährige Münchnerin dazu gebracht, Goldbarren im Wert von über 70.000 Euro vor ihrer Haustür zu platzieren. Durch den Türspion konnte sie einen blond gelockten Mann erkennen, der die Tasche abholte.

 

Es gibt sehr viele Fälle mit Beuten dieser Größenordnung. Erst 2018 erbeuteten Trickbetrüger in München um die 2,65 Millionen Euro. 2017 waren es sogar 4,3 Millionen.

 

Die Polizei München gibt alles, um den Tätern das Handwerk zu legen. Um weiteren Schaden zu verhindern, gibt die Polizei folgende Tipps gegen Trickbetrüger:

 

  • Seien Sie misstrauisch! Gesundes Misstrauen ist nicht unhöflich.
  • Dringende Ermittlungen, Einbruch in der Nachbarschaft, Anklage aus dem Ausland? Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen.
  • Nichts übergeben! Die Polizei fordert nie von Ihnen Geld oder Wertgegenstände, um Sie zu schützen oder Ermittlungen durchzuführen.
  • Nicht die Wahlwiederholung drücken, sondern 110 wählen und die Münchner Polizei schnell informieren.