München, © In Zukunft soll die Wärmeversorgung im Münchner Winter klimafreundlich funktionieren. fotolia.com © bjoerno

Umweltverträglicher heizen: München mit ambitionierter Zukunftsvision

Optionen für die Wärmewende in München gesucht

Die Heizperiode ist nach einem langen und milden Sommer nun doch hereingebrochen. Für die Verbraucher stellt sich damit, wie in jedem Jahr, die Frage: Was wird es kosten, die heimischen vier Wände durch Herbst und Winter hindurch zu beheizen. Für die Vertreter der Politik rückt hingegen das Thema Heizen und Umweltverträglichkeit in den Fokus. Bei der Wärmewende gibt es ähnlich wie bei der Energiewende noch einige offene Baustellen. Doch verschiedene Optionen, in Zukunft über eine klimafreundliche Wärmeversorgung zu verfügen, sind in Sicht.

 

Alle Jahre wieder

Lange war es in diesem Herbst nicht notwendig, die Heizung in Betrieb zu nehmen. Die milden Temperaturen, die bis in den Oktober hinein vorherrschten, waren in dieser Hinsicht für alle Verbraucher eine Erleichterung. Ob sie allerdings groß genug war, um die aktuellen Preise für Heizöl und Gas zu kompensieren, muss zu Beginn dieser Heizperiode noch dahingestellt bleiben. Fakt ist nämlich schon jetzt: Verglichen zum Vorjahr werden die Verbraucher tiefer in die Taschen greifen müssen.

Da dürfte es nur ein schwacher Trost sein, dass der durchschnittliche Heizbedarf im Oktober diesen Jahres lediglich einen Prozentpunkt über dem des Vorjahres liegt. Denn sowohl bei Gas als auch bei Öl ziehen die Preise an, jedoch mit deutlichen Unterschieden. Konnte beim Gas ein vergleichsweise moderater Preisanstieg um zwei Prozent ermittelt werden, sind es für Heizöl satte 44 Prozent. Die Entwicklung ist unter anderem dem Weltmarkt geschuldet, dazu haben viele Grundversorger bereits zu Beginn des Herbstes angekündigt, ihre Preise zu erhöhen. Wirksam werden die zwar erst ab dem 1. Januar 2019, dennoch werden sich die Preissteigerungen bemerkbar machen.

Keine Ausnahme stellen dabei die Stadtwerke München (SWM) dar. Sowohl Haushalts- als auch Gewerbekunden müssen sich auch beim Erdgas auf höhere Kosten einstellen: Angekündigt ist eine Anhebung um 6,5 Prozent. Auf rund 200.000 SWM-Kunden kommen damit Mehrkosten von 5,75 Euro pro Monat zu. Dank des jahrelangen Abwärtstrends bei den Gaspreisen liegt die Rechnung aber immer noch unter der von vor fünf Jahren. Seit dem damaligen Höchststand waren die Preise für Gas kontinuierlich gefallen, mit dem Winter 2018/19 scheint eine Trendwende eingeleitet zu sein. Ein ähnliches Bild zeichnet sich übrigens auch bei den Preisen für Heizöl.

 

Heizkosten sparen, Geld sparen

Einigkeit zwischen Verbrauchern und Vertretern der Politik dürfte es angesichts dieser Ausgangslage zur neuen Heizperiode daher hinsichtlich der Frage geben, wie sich diese Kosten reduzieren lassen. Während für die einen vor allem die Entlastung des eigenen Geldbeutels im Vordergrund steht, geht es für die anderen um nicht weniger als das Erreichen der vorgegebenen Klimaziele. An der gemeinsamen Basis ändert das allerdings nichts: Wer effizient und damit klimafreundlich heizt, kann seine Kosten senken und trägt gleichzeitig zu mehr Umweltverträglichkeit der Wärmeversorgung bei.

Möglichkeiten gibt es dabei viele, angefangen bei den Brennstoffen. Wer etwa darauf achtet, welche Sorte Heizöl er verwendet, um die eigenen vier Wände gemütlich warm zu machen, kann damit ebenfalls die Effizienz beim Heizen deutlich verbessern. Entsprechende Zusätze verhindern etwa Ablagerungen in der Heizanlage oder reduzieren die Negativfolgen beim CO2-Ausstoß.

 

Kommunale Bemühungen um die Energiewende

Keine 40 Kilometer von München entfernt, in der Kreisstadt Ebersberg, führten Energieexperten unlängst gelungene Maßnahmen für das klimafreundlichere Heizen vor. Der erste Ebersberger Energiespaziergang ist Teil des umfangreichen Klimaschutzkonzepts des Landkreises. Interessant sind Führungen wie diese für private wie für gewerbliche Verbraucher gleichermaßen, daher gehörten zu den Stationen auch Beispiele aus beiden Bereichen, an denen sich die Vorzüge umweltfreundlicher Energieerzeugung und Wärmegewinnung verdeutlichen lassen.

 

 

Ebersberg, © In Ebersberg wird auf kommunaler Ebene an der Energie- und Wärmewende gearbeitet. fotolia.com © Roland

 

 

Keine 20 Kilometer von Ebersberg entfernt, direkt am beliebten Steinsee, soll in Zukunft statt mit Öl in Zukunft mit regenerativen Energien geheizt werden, die in der Umgebung gewonnen werden. Die Gemeinde Moosach hat Ende Oktober ihr Nahwärmenetz von mehr fast fünf Kilometern Länge in Betrieb genommen, mit dem Heizenergie für etwa 120 Gebäude geliefert werden soll. Die Grundlage hierfür: Einerseits will die Gemeinde mehrere Biomassebrenner einsetzen, in denen Restholz vom Sägewerk und von den lokalen Waldbauern verwendet wird. Ergänzt werden die Heizkessel durch eine Solarthermieanlage, die von Frühjahr bis Spätherbst die Wärmeversorgung übernimmt.

 

Geothermie als klimafreundliche Alternative

Um die hochgesteckten Klimaziele für München und das Umland erreichen zu können, ist ein umfassender Lösungsansatz unerlässlich. Wie genau die angestrebte Wärmewende zu schaffen sein könnte, haben die Stadtwerke München im Rahmen einer Studie untersuchen lassen. Die Zielsetzungen dabei: Die Stadt soll bis zum Jahr 2050 klimaneutral sein, bis zum Jahr 2040 soll die Fernwärme ohne CO2-Emissionen funktionieren.

Die derzeit laufenden Maßnahmen sollen gewährleisten, dass bis zu dieser Frist mindestens 80 Prozent des Fernwärmebedarfs klimaneutral bereitgestellt werden können – dazu wurden bereits entsprechende Anlagen gebaut oder sind final geplant. Für die verbleibenden 20 Prozent werden derzeit noch Konzepte entwickelt. Neben zahlreichen Maßnahmen steht bei den Bemühungen um die Münchner Wärmewende vor allem die Geothermie im Mittelpunkt. Christiane Lohse vom Umweltbundesamt (UBA) hatte beim Praxisforum Geothermie.Bayern 2018 die wichtige Rolle dieser Energiequelle noch einmal untermauert: „Ohne ihre Nutzung wird Deutschland seine Klimaschutzziele verfehlen“, so Lohse im Oktober auf dem Zusammentreffen der Geothermiebranche. Die Potenziale sind definitiv vorhanden, es geht in erster Linie darum, diese zu erschließen und nutzbar zu machen.

Um diese besser in das aufzubauende Fernwärmenetz einbinden zu können, werden gerade auf dem Gelände des Heizkraftwerks Süd in Sendling die Grundlagen geschaffen: Hier entsteht eine Geothermie-Anlage, die nach Abschluss der vorgesehenen sechs Bohrungen rund 80.000 Münchner mit klimafreundlicher Fernwärme aus erneuerbarer Energie beliefern soll.

 

Kohleheizkraftwerk Nord, © Das Kohleheizkraftwerk Nord wird in den SWM-Plänen keine Rolle mehr spielen. fotolia.com © Andy Ilmberge

 

Seit Oktober wird zu diesem Zweck an der zweiten Bohrung gearbeitet, die Fertigstellung und Inbetriebnahme der Anlage ist für 2020 vorgesehen. Durch den Einsatz einer neuen Technik

soll sie ab dann sogar einen doppelten Verwendungszweck haben. Geplant ist, die im Sommer überschüssige Energie der Tiefenwärme in Kälte umzuwandeln und so gleichzeitig über ein Fernkältenetz für die warmen Monate des Jahres verfügen zu können, das genauso klimafreundlich die Stadt abkühlen könnte.

Dass zumindest die Fernwärmeversorgung in der Praxis funktionieren kann, beweisen bereits betriebene Anlagen: Die geothermische Wärmezentrale Unterföhring stellt schon seit 2010 Fernwärme für mehrere Tausend Einwohner des Ortes bereit, ähnlich erfolgreich sind die Unternehmungen in Pullach. Hier erhält nahezu die Hälfte der Gemeinde bereits Wärme aus geothermalen Quellen. Die Stadtwerke München betreiben zudem seit vielen Jahren Geothermie-Anlagen in Riem, Sauerlach und Freiham.

 

Zielsetzungen erreichbar?

Die Studie der Stadtwerke München, die von der Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft (FfE) durchgeführt wurde, sieht in der Fernwärme aus Geothermie zwar die effektivste Maßnahme, um in München CO2 in spürbaren Mengen einzusparen. Daneben gilt es aber auch an anderer Front aktiv zu werden. Das betrifft vor allem die Sanierung von Bestandsgebäuden. Im Idealfall lassen sich diese an das Fernwärmenetz anschließen, das setzt allerdings voraus, dass sie in einem Gebiet liegen, das auf diesem Weg versorgt werden kann.

Zwar soll das Fernwärmegebiet in Zukunft weiter ausgebaut werden, allerdings nicht über einen gewissen Punkt hinaus. Alle Haushalte werden somit nicht mit Fernwärme versorgt werden können, daher empfiehlt die FfE eine ebenso umfangreiche wie zielgerichtete Sanierung. Konkret bedeutet das, nach Möglichkeit von Öl auf Gas umzustellen, alte Kessel gegen effizientere Modelle einzutauschen und besonders für Einfamilienhäuser Wärmepumpen einzusetzen. Solarthermie ist ebenfalls eine denkbare Option.

Darüber hinaus müssen Quartierskonzepte entwickelt werden für eben die Gebiete, die keine Fernwärme erhalten werden. Zukünftig soll deshalb vermehrt auf Synergieeffekte gesetzt werden, die sich innerhalb der begrenzten Gebiete etwa durch dezentrale Kleinkraftwerke und Wärmeerzeugungsanlagen erreichen ließen. Bei derartigen systemischen Lösungsansätzen könnten außerdem Wärmespeichersysteme integriert werden.

 

Heizen mit regionalem Ökostrom

Eine andere Möglichkeit erproben derzeit die Lechwerke AG (LEW) in Zusammenarbeit mit der Hochschule München. Unter dem Mantel des Projekts Energiewende Unterallgäu Nordwest wird im Rahmen des Projekts FLAIR an einem Konzept gearbeitet, mit dem regional erzeugter Ökostrom effizient für die Wärmeerzeugung genutzt werden kann. Das sogenannte Power-to-Heat-Konzept basiert auf einer neuen Steuerbox, die eine flexiblere und damit effizientere Speicherung von Stromüberschüssen in Nachtspeicherheizungen ermöglichen soll. Getestet wird das Prinzip aktuell in 27 Kommunen der Modellregion Unterallgäu, die Möglichkeit, dezentral produzierten Ökostrom für die Wärmeversorgung einzusetzen, könnte aber auch darüber hinaus ein vielversprechender Ansatz sein.