Polizist mit Auto am Königsplatz, © Foto: Polizei München

Verein „Münchner Blaulicht“ veröffentlicht die neue „Chronik der Münchner Polizei“

Ein Zeitdokument der ganz besonderen Art erscheint demnächst im Buchhandel. Von Kollegen für Kollegen und Interessierte geschrieben, wird polizeihistorisches Insiderwissen neu und akkurat aufgearbeitet – eine neue Chronik der Münchner Polizei.

München – Zu unserer Geschichte gehören die dunklen Jahre der Herrschaft der Nationalsozialisten, die Schwabinger Krawalle, das Olympia Attentat sowie die vielen Einsätze auf dem Oktoberfest und der Sicherheitskonferenz – Ereignisse und Veranstaltungen, die in den Medien und in der Erinnerung der Stadtgesellschaft nach wie vor sehr präsent sind.

 

 

In den letzten Jahren hat sich das Polizeipräsidium München bereits öfters mit seiner eigenen Geschichte auseinander gesetzt und mehrere polizeihistorische Projekte vollendet. Diese neue Chronik reiht sich nahtlos in die Beschäftigung und Auseinandersetzung mit unserer eigenen Vergangenheit ein und stellt damit eine gelungene Ergänzung dar.

 

Am eindrucksvollsten war dabei sicherlich die Ausstellung „Die Münchner Polizei und der Nationalsozialismus“, die vor über zwei Jahren gezeigt wurde und die auf ein starkes Interesse und große Zustimmung stieß. Über 6.000 Interessierte aus dem In- und Ausland besuchten das Polizeipräsidium. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte wurde im Polizeipräsidium offen am historischen Ort geführt. Das Nicht-Vorhandensein einer kritischen Gesamtschau der Geschichte der
Münchner Polizei im Nationalsozialismus war ohne Zweifel lange Zeit ein erhebliches Defizit, das mit der Ausstellung ausgeglichen wurde.

Polizisten posieren mit Getränken im Garten, © Foto: Polizei München

Aber auch der historische Blick auf andere Epochen, große Einsätze, aufsehenerregende Verbrechen und internationale Veranstaltungen hat sich verändert. Eine der polizeihistorisch bedeutendsten Phasen der
Nachkriegszeit war sicher die Amtszeit des dieses Jahr verstorbenen Polizeipräsidenten Dr. Manfred Schreiber, der mit seiner „Münchner Linie“ die Polizeiarbeit in München bis heute prägt. Die Begriffe Deeskalation, Kommunikation, Verhältnismäßigkeit und konsequentes Handeln beschreiben diese Linie gut und sind nach wie vor die Leitlinien der Polizeiarbeit in München.

 

Die letzte Chronik der Münchner Polizei von Oberamtsrat Falter ist auf einem redaktionellen Stand von 1986. 1998 erschien noch ein zweiter Band für die Folgejahre. Die Bewertung, Beschreibung und Gewichtung wichtiger Abschnitte der Münchner Polizeigeschichte erfolgten somit seit knapp 30 Jahren nicht mehr. Dazu möchte ein Buchkäufer, der sich im Jahr 2015 für ein Buch über die Geschichte der Münchner Polizei interessiert, auch ein zeitgemäßes Layout und einen ansprechenden Schreibstil.

Polizisten auf Pferden vor der Bavaria, © Foto: Polizei München

Deshalb war es wichtig, nicht nur die Jahre ab 1998 neu zu beschreiben, sondern ein komplett neues Buch über die gesamte Geschichte der Münchner Polizei heraus zu bringen, das die wichtigsten Ereignisse und Epochen beschreibt und angemessen historisch gewichtet. Vor zwei Jahren hat sich auf Initiative des Vereins „Münchner Blaulicht e.V.“ eine Arbeitsgruppe von historisch interessierten Kolleginnen und Kollegen auf den Weg gemacht, die Inhalte einer neuen Chronik zu erarbeiten.

 

 

Sie kommen aus den verschiedensten Dienststellen, repräsentieren alle Qualifikationsebenen der Behörde vom Sachbearbeiter bis zum Polizeipräsidenten a.D. und haben in ihrer Freizeit die polizeihistorischen Arbeiten geleistet. Sie repräsentieren damit vorbildlich die Verantwortung der Münchner Polizei für die Münchner Stadtgesellschaft.

Polizisten sitzen im Jahr 1920 auf einem Mannschaftswagen, © Foto: Polizei München

Mit der Analyse der eigenen Geschichte konnten viele polizeihistorische Details und Erkenntnisse für die Zukunft gesichert werden. Wer sich mit der Geschichte befasst, erkennt wie politische und rechtliche Vorgaben die Arbeit der Polizei verändern und welche Einflüsse die Veränderungen gesellschaftlicher
Rahmenbedingungen haben, wie z.B. die Rolle der Frauen in der Arbeitswelt und Menschen mit Migrationshintergrund, die Kollegen wurden. All dies wird in der neuen Chronik entsprechend beschrieben. Der Blick zurück ist immer zugleich auch ein Blick nach vorn, denn wer die Vergangenheit reflektiert, kann dabei lernen, auch sein heutiges Handeln besser einzuschätzen.

 

 
Mit der nun vorgestellten Chronik wird die Geschichte der Münchner Polizei in historisch guten und schlechten Zeiten präsentiert – glaubwürdig – transparent – und wo es notwendig ist auch reflektierend und lernbereit – genau so, wie das Polizeipräsidium München heute tagtäglich seine Aufgaben bewältigt.
Das Buch erscheint im Münchner Hirschkäfer Verlag.

 

mk/pol