Vergiftungsfall am Flughafen München: War es wirklich nur Einbildung?

Das Ende August eingeführte Kontrollgerät Quantum Sniffer QS-B220 hat dem Münchner Flughafen in den vergangenen Monaten einige Probleme bereitet. 200 Mitarbeiter erkrankten – doch lag es wirklich an dem neuen Kontrollgerät?

 


Die neue Sicherheitsvorkehrung war eine Umsetzung einer EU-Sicherheitsrichtlinie, die ab September die Sprengstoffkontrollen bei Passagieren verschärfen sollte. Die Hersteller des Geräts versprechen eine Leistung von 180 Messungen pro Stunde und nicht nur das Identifizieren von Sprengstoff, sondern auch von Kokain, LSD und Heroin. Die eingeführten Kontrollgeräte wurden direkt an den Sicherheitsschleusen platziert, um Wartezeit zu sparen.

 

Am ersten Einsatztag des Quantum Sniffer traten jedoch bedenkliche Symptome bei den Mitarbeitern auf: Sie klagten über Konzentrationsstörungen, Augenbrennen, Schwindel, Orientierungslosigkeit, starker Übelkeit und Hautrötungen – Acht Betroffene begaben sich in ärztliche Behandlung in ein Krankenhaus. Ebenso bei den eingesprungenen Ersatzkräften traten dieselben Symptome auf. Es werden Ausgasungen der neuen Kontrollgeräte vermutet, daher lässt die Sicherheitsfirma des Flughafens (SGM) die Geräte von der Flughafen Feuerwehr prüfen.

 

Ein Gutachten der Dekra stellt eine zu hohe Konzentration Cyclohexanon und Formaldehyd fest. Diese Substanzen können Krebs auslösen oder akute Gesundheitsprobleme verursachen. Ein Labor in Stuttgart empfiehlt daher nur noch mit Atemschutzmasken zu arbeiten. Die Staatsanwaltschaft Landshut ermittelt sogar wegen gefährlicher Körperverletzung in mehreren Fällen. Eine Woche nach der Erkrankung mehrerer Mitarbeiter, ersetzte der Flughafen das neue System durch ein ähnliches Gerät, den Itemiser 4DX.

 

Doch trotz der Entfernung des Quantum Sniffers hat sich der gesundheitliche Zustand, der mittlerweile 200 Betroffenen, nicht verändert. Daraufhin entfernte man auch den Itemiser 4DX und verzichtete auf ein Sicherheitsprüfsystem von Sprengstoff, bis die Ursachen der Gesundheitsprobleme aufgeklärt waren. Auch die Ärzte, die die erkrankten Mitarbeiter untersuchten, konnten keine Hinweise auf die Auslöser der Symptome finden.

 

Jetzt meldete sich die Hersteller Firma des Quantum SnifferQS-B220 zu Wort und betonte, dass in den letzten 10 Jahren, in denen das Sicherheitsgerät weltweit verkauft wird, noch nie Personen erkrankten oder ähnliche Symptome aufwiesen. Sie beauftragen das Bundesamt für Materialforschung, um die Missstände klären zu lassen. Das Amt lässt die Geräte erneut durch das Prüfinstitut Fresenius testen. Das Ergebnis ist erstaunlich: Der Quantum Sniffer hat keine giftigen Ausgasungen oder Inhaltsstoffe die gesundheitsschädlich sind. Das Gutachten der Dekra wurde unter falschen Bedingungen gemacht – das wäre der Grund für den 150-fach zu hohen Formaldehydwert.

 

Doch warum sind die Flughafen Mitarbeiter erkrankt?

 

Spezialisten des Bereich Arbeitsmedizin begutachteten den Fall genauer und erklärten die Symptome durch das Sick Building Syndrom. Es handle sich dabei um folgendes Phänomen: Wenn Menschen sich eine lange Zeit in einem Gebäude aufhalten, in welchem starke oder auch unangenehme Gerüche sind, fühlen sich die betroffenen Personen krank. Dies soll bei dem neuen Gerät der Fall gewesen sein. Starke Silikon und Klebergerüche sollen die Symptome anfangs ausgelöst haben. Den weiteren Verlauf der Gesundheitsprobleme erklären die Arbeitsmediziner durch die Psychosomatik. Die Mitarbeiter wurden nicht ernst genommen, was in diesem Falle wichtig gewesen wäre – auch durch die Angst und Unsicherheit die sich bei den Betroffenen verbreitet hat verstärkten und zogen sich die Symptome weiter, allerdings auf psychosomatischer Ebene. Das berichtet Spiegel online gestern nachmittag.

 

ad