Welches Schweinderl hätten S’denn gern?

«So lange der Zuschauer, die Anstalt und das Rateteam Spaß an der Sendung haben, mache ich weiter», sagte Robert Lembke noch an seinem 75. Geburtstag im September 1988. Nur wenige Monate später starb er nach einer Bypass-Operation am Herzen. Am 14. Januar 2014 wird er seinen 25. Todestag haben.

 

Der gebürtige Münchner moderierte von 1955 bis 1989 337 Folgen der Fernsehsendung „Was bin ich?“ und wurde damit zu einem Stück Weltgeschichte.

 

«Welches Schweinderl hätten S’denn gern?» fragte Robert Lembke mehrere hundertmal in der Sendung – quasi der Mutter aller Quizsendungen, in der ein Team mit Ja-/Nein-Fragen herausfinden muss, was der Kandidat beruflich macht.

Wenn es sich um einen Prominenten wie Konstantin Wecker handelte, wurde dem Rateteam die Augen verbunden.

 

Für jede mit «Nein» beantwortete Frage gab es fünf Mark ins ausgesuchte Schweinderl. Weit mehr als zwei Zentner Fünf-Mark-Stücke hat der Münchner in seiner Sendung beim heiteren Beruferaten so an die Spar-Schweinderl verfüttert, wie seine Redaktion zu seinem 75. Geburtstag, seinem letzten, im Jahr 1988 ausrechnete.

 

 

Schauspielerin Marianne Koch, die – gemeinsam mit Hans Sachs, Annette von Aretin, Guido Baumann und im Wechsel mit Anneliese Fleyenschmidt – im Rateteam von «Was bin ich?» saß, sagte damals: «Deinen Zuschauern bist Du immer treu gewesen.» Das ist inzwischen ein halbes Jahrhundert her.

Der Mann mit der Hornbrille und dem schütteren Haar hat mit zahlreichen Aphorismen die deutsche Sprache bereichert: «Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich verdienen», sagte er einst. «Wenn die Menschen nur über Dinge reden würden, von denen sie etwas verstehen – das Schweigen wäre bedrückend.» Oder: «Anerkennung ist eine Pflanze, die vorwiegend auf Gräbern wächst.»

Lembke wurde diese Anerkennung allerdings schon zu Lebzeiten zuteil. «Welches Schweinderl hätten S’denn gern?». Mit dieser Frage schrieb er Fernsehgeschichte. 337 Mal stand er als Quizmaster in seiner Ratesendung «Was bin ich?» vor der Kamera – vom 2. Juni 1955 bis kurz vor seinem Tod.

Noch heute gehört er neben Stars von einst wie Hans-Joachim Kulenkampff zu den berühmtesten Fernsehmännern der Bundesrepublik.

 
Der 1913 in München geborenen Lembke machte sich zunächst als Journalist einen Namen, leitete von 1969 bis 1975 das «Deutsche Olympia-Zentrum» (DOZ) und war für die reibungslose Abwicklung der Fernseh- und Hörfunk-Übertragungen von den Olympischen Spielen 1972 in München und der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 verantwortlich.

Seine vermutlich immerwährende Berühmtheit aber verdankt er seinen Schweinchen und «Was bin ich?».

Als ein Kandidat bei Wim Thoelkes «Großem Preis» einmal, irgendwann in den 80er Jahren, 88.460 Deutsche Mark gewann, gefiel Lembke das überhaupt nicht. Und bei Joachim Fuchsbergers «Auf los geht’s los» erschienen ihm die Fragen «kindisch leicht». Ein Kandidat habe schon 144.000 Mark kassiert, empörte er sich. Die Höhe der Gewinne lasse den Eindruck entstehen, die Sender seien zu reich und schmissen das Geld zum Fenster hinaus, sagte er damals, als Gewinnsummen wie heute bei «Wer wird Millionär?» oder «Schlag den Raab» üblich, noch völlig undenkbar waren. Der höchstmögliche Gewinn bei Lembke: 50 Mark.

 

 
1975 wurde Robert Lembke pensioniert – ein rein formaler Akt, wie sich herausstellte, denn an den Ruhestand dachte er damals längst noch nicht. 13 weitere Jahre sollte er als Herrscher über die «Schweinderl» vor der Kamera sitzen. Unter anderem versuchten Anfang der 90er Jahre Guido Baumann und später Joachim Fuchsberger, «Was bin ich?» wieder zu beleben. Im Jahr 2000 wurde die Show von Kabel 1 mit dem Moderator Björn-Hergen Schimpf neu aufgelegt. An das Original Lembke mit seinem Biss und Witz aber kam niemand heran.

 

 

jn / dpa