Flüchtlingspolitik: Der lange Weg nach Deutschland

„Welcome-Café“ für Flüchtlinge an den Münchner Kammerspielen

Auf der noblen Münchner Luxus-Einkaufsmeile Maximilianstraße sind Flüchtlinge nur selten zu Gast. Die Kammerspiele wollen das nun ändern.

 

Die Münchner Kammerspiele starten am Montag ein Café für Flüchtlinge. „Wir haben den Eindruck, dass die Innenstadt ziemlich flüchtlingsfrei ist“, sagte die Organisatorin des „Welcome-Cafés“, Anna Schulz, am Mittwoch in München. „Auf der Maximilianstraße kann man sich den ganzen Tag aufhalten, ohne geflohene Menschen zu sehen.“ Dass immer montags auch die Rechtspopulisten von Pegida in der Nähe der exklusiven Einkaufsstraße demonstrierten, sei Zufall.

 

Bis zu 260 Gäste können in dem Café, das bis zum Juli jeden Montag zwischen 16 und 22 Uhr veranstaltet werden soll, Platz finden. Neben einem lockeren Treff für Flüchtlinge und Ehrenamtliche soll es im „Welcome-Café“ auch ein künstlerisches Programm geben. Den Anfang macht an diesem Montag (4. April) eine deutsch-syrische Lesung.

 

„Suppe, Tee, Spiele, Kinderbuchecke“, fasste Mitorganisatorin Xenia Bühler einen Teil des Programms zusammen. Ehrenamtliche zu finden, sei kein Problem gewesen, sagten die Organisatorinnen – mit den Flüchtlingen sehe es etwas schwieriger aus. „Wir gehen davon aus, dass das Verhältnis Ehrenamtliche-Geflohene erstmal einseitig ist.“ Sie seien aber zuversichtlich, dass sich das mit der Zeit ändern werde.

 

Kammerspiel-Intendant Matthias Lilienthal, der wegen Krankheit nicht an der Präsentation der Café-Idee teilnehmen konnte, engagiert sich sehr für Flüchtlinge und sorgte im vergangenen Jahr mit der „Schlepper- und Schleuser-Tagung“ an den Kammerspielen für Aufsehen. Er sei im Zusammenhang mit diesem Kongress sogar bedroht worden, sagte Lilienthal vor kurzem der Deutschen Presse-Agentur. „Es gab Anfeindungen – auch mit Drohungen gegen mich selbst, inklusive meiner Privatadresse.“

 

Die Idee zum „Welcome-Café“ sei ihm gekommen, als er sah, welche Plattform AfD-Chefin Frauke Petry in einer Talkshow bekommen habe. „Ich hatte in diesem Moment das Gefühl, dass man Flüchtlingen ein anderes Forum bieten muss.“ Die Kammerspiele orientieren sich mit dem Café an einem ähnlichen Angebot des Staatsschauspiels Dresden, wo es bereits seit dem vergangenen Jahr ein solches Café gibt.

 

rg / dpa