Bayerns Innenminister Joachim Herrmann stellt die Kriminalstatistik für Bayern vor.

Weniger Gewaltdelikte und Diebstahl im Freistaat

In Bayern sinkt die Gefahr, Opfer eines Wohnungseinbruchs zu werden. Die Zahl der Sexualstraftaten dagegen nahm 2017 stark zu. Das hat jedoch besondere Gründe.

 

München: Die Zahl der Straftaten in Bayern ist im vergangenen Jahr deutlich gesunken: Die Polizei registrierte 2017 insgesamt 586 206 Delikte, das waren 4,6 Prozent weniger als 2016 (614 520). Miteingerechnet sind auch die versuchten Straftaten, wie Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Mittwoch bei der Vorstellung der polizeilichen Kriminalstatistik in München erklärte. Pro 100 000 Einwohner waren es demnach 4 533 Straftaten – das bedeutet die niedrigste Kriminalitätsbelastung seit 30 Jahren. Ausländerrechtliche Delikte wie illegale Einreisen oder Verstöße gegen die Residenzpflicht wurden aus der Statistik herausgerechnet.

 

Die Fallzahlen sanken besonders bei Gewaltkriminalität (-3,3 Prozent), Diebstahlsdelikten (-9,5 Prozent) sowie Vermögens- und Fälschungsdelikten (-5,1 Prozent). Auch die Zahl der Wohnungseinbrüche sank, wie zuvor bereits bekannt geworden war. 2017 zählte die Polizei 6045 Fälle – ein Rückgang um 19 Prozent. Einen Anstieg verzeichnete die Polizei dagegen unter anderem bei Internet- (+3,9 Prozent) und Rauschgiftkriminalität (+3,8 Prozent).

 

 

Die Zahl der Sexualdelikte stieg besonders stark um 26,2 Prozent auf 7666 an. Das liegt den Angaben nach aber vor allem an der Novelle des Sexualstrafrechts vom November 2016. Taten, die bisher als Beleidigung auf sexueller Grundlage galten, würden nun den neu geschaffenen Tatbeständen Sexuelle Belästigung und Sexueller Übergriff zugeordnet, erklärte Herrmann.

 

Er betonte, dass der steigende Anteil an tatverdächtigen Zuwanderern eine wichtige Rolle für die Kriminalitätsentwicklung spiele. Die Polizei zählte im vergangenen Jahr insgesamt 27 427 tatverdächtige Zuwanderer, die mindestens ein nicht-ausländerrechtliches Delikt begangen haben, wie es in dem Bericht heißt. Das waren 4,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Die größte Gruppe unter ihnen machten Syrer mit 16,2 Prozent aus, gefolgt von Afghanen mit 14,3 Prozent.

 

Der Anteil der tatverdächtigen Zuwanderer an allen Tatverdächtigen lag bei 10,3 Prozent und damit 0,7 Prozentpunkte über dem Wert von 2016. Trotz stark rückläufiger Flüchtlingszahlen gab es im vergangenen Jahr 25 511 Polizeieinsätze in Asylbewerberunterkünften (2016: 27 102). Bei den Tötungsdelikten war jeder fünfte Tatverdächtige (19,4 Prozent) ein Zuwanderer.

 

Um Kriminalität weiter zu bekämpfen, setzt das Innenministerium vor allem auf einen Ausbau der Polizei. Bayern werde seine «Spitzenstellung» mit mehr als 3500 weiteren Stellen bei der Polizei bis zum Jahr 2023 ausbauen, betonte Herrmann. Zudem solle die Ausrüstung der Beamten verbessert werden, ein besonderes Augenmerk liege auf der Schutzausstattung. Außerdem sollen zusätzliche Fahrzeuge für die Spezialeinheiten angeschafft werden.

 

dpa