Einfahrende S-Bahn auf der Münchner Stammstrecke

Wie pünktlich ist die S-Bahn wirklich?

Nach einer Übersicht der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt, muss die Deutsche Bahn erheblich weniger Strafzahlungen als im Vorjahr an den Freistaat Bayern leisten, da sie pünktlicher und sauberer war.

 

 

Jedes Jahr fallen Zahlungen von der Deutschen Bahn an den Freistaat an, wenn Züge zu spät oder verdreckt sind. Auch wenn sie mit weniger Wagons als geplant fahren, muss die Deutsche Bahn sogenannte Pönalen zahlen.

 

Da sich die S-Bahn in diesen Bereichen im vergangenen Jahr jedoch deutlich verbesserte, fallen, laut SZ, 2014 lediglich Zahlungen in Höhe von 200.000 Euro an. Im Jahr 2013 waren es noch 1,61 Millionen Euro. Auch die Strafen der Zugunternehmen in ganz Bayern gingen etwas zurück. So mussten die Unternehmen 2014 nur 11,4 Millionen Euro an Pönalen zahlen. 2013 waren es noch 11,9 Millionen Euro.

 

S-Bahn kommt pünktlicher

 

Außerdem gab S-Bahn Chef Bernhard Weiser an, dass 96 Prozent der Züge pünktlich seien. Diese Zahl wurde zuletzt 2006 erreicht. Damals war das Fahrgastangebot aber geringer und auch die Fahrgastzahlen fielen niedriger aus. 840.000 Menschen beförderte die S-Bahn an Werktagen im Jahr 2014. Jährlich werden es circa 20.000 Menschen mehr.

 

Diese 96 Prozent werden allerdings heftig diskutiert. Für die Statistik gilt nämlich jeder Zug als pünktlich, der nicht mehr als fünf Minuten zu spät ankommt. Eine durchaus großzügige Auslegung von Pünktlichkeit.

 

Zugausfälle zählen nicht in die Statistik

 

Hinzu kommt, dass Züge, die ausfallen oder frühzeitig gewendet werden nicht in die Statistik mit eingehen. Oftmals ist das in Pasing, am Haupt- oder Ostbahnhof der Fall. Nachdem diese Züge nicht die Stammstrecke passieren und daher auch nicht die zwei Pünktlichkeitsmesspunkte durchqueren, fallen diese S-Bahnen aus der Rechnung.

 

Ein Zug, der nicht fährt, ist sozusagen auch nicht unpünktlich. Zumindest eine spannende Auslegung der Verantwortlichen. Gerade das Ausfallen der Taktverstärker im Berufsverkehr trifft die Fahrgäste oft hart. Das Herausnehmen der Züge soll aber den Regelbetrieb früher wiederherstellen und ist damit nicht nur eine Belastung für den Fahrgast.

 

Doch auch ihr Ausfall zählt natürlich nicht in die Statistik. Zur Entschuldigung der Deutschen Bahn muss man erwähnen, dass sie für einen ausgefallenen Zug auch kein Geld vom Freistaat bekommt. Ein Hauptgrund, weshalb diese Bahnen aus der Statistik genommen werden.

 

Beschönigte Zahlen?

 

Dennoch fallen die Zahlen natürlich ohne diese Züge besser aus. Daher müssen sich die Verantwortlichen nun mit dem Vorwurf der Beschönigung der Statistik auseinandersetzen.

 

Doch Bernhard Weiser gibt zu verstehen, dass geringere Pönalen keineswegs den finanziellen Verlust ausgleichen würden, der durch einen ausgefallenen Zug entsteht. Diese Widerlegung ist auch glaubhaft, doch an der Außendarstellung der Pünktlichkeitszahlen ändert das für den Fahrgast nichts.

 

Auch die Messung an lediglich zwei Messpunkten, und die Dauer von sechs Minuten oder mehr, ab der ein Zug als verspätet gilt, lassen Kritiker nicht verstummen.

 

MVG ändert Statistik

 

Auf ein ähnliches Problem reagierte die MVG vor einigen Jahren, indem sie ihre Richtlinien umstellten. Sie prüft die An- beziehungsweise Abfahrtszeiten nun häufiger. Zudem gilt bei ihr ein Zug bereits nach mehr als zwei  Minuten Verspätung als unpünktlich. Trotz dieser Umstellung kam auch die MVG zu guten Zahlen in Sachen Pünktlichkeit. So lagen 2014 94,4 Prozent der U-Bahnen, 79,2 Prozent der Tram-Bahnen und 78,6 Prozent der Busse nicht mehr als zwei Minuten hinter dem Zeitplan.

 

Vielleicht greift ja auch die S-Bahn demnächst auf das Modell zurück. Doch schon jetzt versucht sie einiges, um die Pünktlichkeit zu verbessern. Seit letztem Jahr lassen sich die Türen der Wagons fast überall zentral verschließen, wodurch der Ablauf beschleunigt wird. So hat der Lokführer manuell die Möglichkeit die Lichtgitter und Lichtschranken zu deaktivieren. Ein Einklemmschutz garantiert aber zusätzlich die Sicherheit der Fahrgäste.

 

Auch dadurch kann die Haltezeit, die je nach Station zwischen 24 und 42 Sekunden liegt, optimiert werden. Schulungen für das Bahnsteigpersonal bei Arzteinsätzen sollen die Wartezeiten ebenfalls verringern. Die S-Bahn tut also einiges, um nicht nur auf dem Papier schöne Zahlen vorweisen zu können. Noch muss sich der Fahrgast aber wohl des Öfteren über Verzögerungen ärgern.