Eine S-Bahn in Winter in München

Wie wird eigentlich die „Pünktlichkeitsquote“ der Münchner S-Bahn ermittelt?

  • Am Mittwochmorgen mussten Fahrgäste der Münchner S-Bahn erneut etwas mehr Geduld mitbringen. Wegen einer technischen Störung an einer S-Bahn kam es zu Verzögerungen auf der Stammstrecke. 
  • Bei der S7 gab es bis in den Vormittag hinein noch Verspätungen – wegen technischer Störungen an mehreren Bahnübergängen. Deren Fahrgäste aus Richtung Aying mussten mehrmals am Ostbahnhof aus- und umsteigen, weil die Züge nicht durch die Stammstrecke fuhren, sondern frühzeitig endeten. 
  • Kaum zu glauben, doch genau diese Züge gelten als pünktlich, weil sie nicht in die „Pünktlichkeitsquote“ eingerechnet werden. 
  • In München muss eine S-Bahn nicht mal ankommen, um pünktlich zu sein – außer an der Hackerbrücke und am Rosenheimer Platz.

 

Eigentlich sollte man meinen, dass eine „Pünktlichkeitsquote“ Aufschluss darüber geben soll, ob ein Zug auch wirklich pünktlich kommt, beziehungsweise, ob der Fahrgast pünktlich von A nach B kommt. Bei der Bayerischen Eisenbahngesellschaft nimmt man dies wohl etwas anders wahr, so zumindest der Vorwurf, den sie sich immer wieder von Fahrgastverbänden und Co. gefallen lassen muss. (Die Bayerische Eisenbahngesellschaft, kurz BEG, ist das Unternehmen des Freistaats, das den Regional- und S-Bahnverkehr in Bayern plant, finanziert und kontrolliert) – sie veröffentlicht jährlich die sogenannte Pünktlichkeitsquote, jeweils für das vergangene Jahr.

 

So wurde beispielsweise im Oktober letzten Jahres eine Quote von 92,8 Prozent für das Vorjahr veröffentlicht. Zu glauben, man könne daraus schließen, zu 92,8 Prozent pünktlich von A nach B zu kommen, ist allerdings ein ziemlicher Trugschluss:

 

So berechnet die BEG die Pünktlichkeitsquote der Münchner S-Bahn:

 

  • Als unpünktlich zählt ein Zug nur dann, wenn er mindestens sechs Minuten zu spät kommt
  • Züge, die ausfallen oder frühzeitig wenden, werden nicht mitberechnet. Oftmals ist das in Pasing oder am Haupt- und Ostbahnhof der Fall. Im Klartext: Ein Zug der gar nicht kommt, gilt als pünktlich – eine widersprüchliche Auslegung
  • Da bei Betriebsstörungen während des Berufsverkehrs häufig die Verstärkerzüge des Zehn-Minuten-Takts entfallen, finden sich leider auch diese Bahnen nicht in der Statistik wieder
  • Die Statistik wird nur an zwei Stellen im Münchener Netz ermittelt, nämlich an den Messstellen Hackerbrücke und Rosenheimer Platz. Verspätet sich also ein Zug erst auf den Außenästen, gilt auch dieser als pünktlich – das ist zumindest irritierend

 

Deshalb gelten Ermittlung und Aussagekraft der Pünktlichkeitsstatistik als höchst umstritten. Weiterhin müssen sich die Verantwortlichen auch mit dem Vorwurf der Beschönigung der Zahlenkolonnen auseinandersetzen. Denn der ermittelte Wert sagt ganz offensichtlich nur sehr wenig darüber aus, ob ein Fahrgast wirklich pünktlich von A nach B kommt. Oder B überhaupt erreicht.

 

So werden auch in die Statistik, die für dieses Jahr ermittelt wird, jene Züge, die heute ausfielen, nicht einberechnet werden, besser gesagt als pünktlich gewertet. Es ist auch schon fast absehbar, dass auch bei der nächsten Veröffentlichung der „Pünktlichkeitsquote“ wieder ein Wert um die 90 Prozent herauskommen wird, was so viel bedeutet, dass etwa jede zehnte S-Bahn unpünktlich ist. Vielleicht will man sich aber auch gar nicht vorstellen, welches Ergebnis herauskäme, würden weitere Messstellen etabliert werden oder gar ausgefallene Züge einberechnet.