Zwei Männer beim Fingerhakeln auf der Wiesn

Wiesn-Lexikon: „F“ wie „Fingerhakeln“

Das Fingerhakeln ist eine alte alpenländische Sportart und wird vorwiegend in Bayern und Österreich betrieben. Die genaue Erklärung gibt’s in unserem Wiesn-Lexikon.

 

Beim Fingerhakeln sitzen beide Gegner einander an einem Tisch gegenüber und versuchen, den Gegner am Finger zu sich herüberzuziehen. Die Mittelfinger sind dabei in einen Lederriemen verhakt, der auch teilweise reißen kann. Oftmals wird der Sport aber auch ohne Riemen betrieben, wobei die mit Magnesia bestäubten Mittelfinger der beiden Gegner direkt ineinander verhakt werden. Prinzipiell wäre aber auch jeder beliebige Finger, außer der Daumen, erlaubt. Das Fingerhakeln wird auch auf dem Münchner Oktoberfest immer wieder praktiziert.

 

Einmal soll es auf der Wiesn sogar einen Vorfall gegeben haben, bei dem einem Mann der Finger ausgerissen worden sein soll. So berichtet ein Polizist aus Südtirol in einem Focus-Artikel, dass er an einem Tisch den Finger gefunden habe. Als die Beamten am Tatort ankamen, soll dessen „Besitzer“ allerdings schon verschwunden gewesen sein. Trotz Kontaktaufnahme mit allen Krankenhäusern und Suche auf den Krankenstationen konnte der Mann ohne Finger bis zum Wiesn-Ende angeblich nicht aufgefunden werden. Was an der Geschichte wirklich dran ist, lässt sich leider nicht belegen. Wir wissen nur, dass tatsächlich Polizisten aus Italien und Österreich auf der Wiesn mithelfen. Vielleicht wurde dem Südtiroler auch ein Streich von den Kollegen gespielt, wer weiß.

 

Polizisten mit Carabinieri auf dem Oktoberfest, © Polizisten mit den italienischen Kollegen auf dem Oktoberfest - Foto: Polizei München

 

Wichtig sind auch die beiden Auffänger, die Hinter den Haklern sitzen und diese bei Bedarf auffangen. Ein Schiedsrichter, ein Vorsitzender und zwei Beisitzer kommen auch noch hinzu. Für die perfekte Technik wird der Hakelfinger im Vorhinein mit Gewichten, Expandern und Klimmzügen trainiert. Bei dem Kampf, der zwischen 5 und 45 Sekunden dauert, sind vor allem Schnellkraft und Technik wichtig.

 

Bei dieser Sportart spielt vor allem die Technik eine große Rolle und nicht unbedingt die Kraft der Kandidaten, was man übrigens auch beim „Hau den Lukas“ beherzigen sollte, um gut Ergebnisse zu erzielen. (Man denke in Sachen Fingerhakeln auch an die Redewendung „Jemanden über den Tisch ziehen“.) Wie auch bei allen anderen Sportarten, gibt es auch hier immer wieder Unfälle und Verletzungen. Es ist keine Seltenheit nach einem Duell blutende Finger zu sehen.

 

Angeblich wurden so durch das Fingerhakeln früher im Alpenland Streitereien ausgetragen. Es ist heutzutage jedoch keine spontane Rangelei mehr, sondern eine gut organisierte und strukturierte Sportart. Alles ist genormt, so darf der verwendete Lederriemen nur ca. 10 cm lang und 6 bis 8 mm stark sein, der Tisch muss 79 cm hoch, 74 cm breit und 109 cm lang sein und der Hocker muss den Maßen 40 mal 40 cm und einer Höhe von 48 cm entsprechen.

 

Zudem muss der Abstand zwischen der Mittellinie und den seitlichen Linien 32 cm betragen. Besonders wichtig ist es auch, dass der Tisch festgeschraubt sein muss, damit er nicht umfallen kann. Auch die Ecken des Tisches sind abgepolstert, um Verletzungen vorzubeugen. Über das ganze Jahr verteilt werden Bayerische, Österreichische, Deutsche und Alpenländische Meisterschaften in verschiedenen Gewichts- und Altersklassen ausgetragen.

 

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