© Pixabay @ Alexas_Fotos (CCO public domain)

Wohnungsnot in München: Von verrückten und bezahlbaren Alternativen

Die Wohnungsnot in München ist inzwischen legendär. Die bayerische Landeshauptstadt führt regelmäßig die Spitze unter den teuersten deutschen Städten an. Nicht nur für die einkommensschwächere Bevölkerung wird es zunehmend schwieriger, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Immer mehr Betroffene weichen in die Zwischenmiete ab oder wählen Langzeitalternativen.

 

Heißbegehrt und teuer – in München in einer eigenen Wohnung zu leben, wird bald zu einer Art Luxus

In München ist jede Art von Wohnraum begehrt. Dabei haben nicht nur Studenten oder Einkommensschwache ein Problem, in der Stadt unterzukommen. Bereits 2016 war die Wohnungssituation maximal angespannt. Nach einer Studie der Allianz Baufinanzierung und Prognos fehlen in München derzeit fast 9.300 Wohnungen, bis zum Jahr 2030, also in knapp 11 Jahren, sollen es bis zu 158.000 fehlende Wohnungen sein.

Die Gründe: Zum einen hat sich Deutschland zu einem Einwanderungsland etabliert. Die Bevölkerung wird trotz sinkender oder stagnierender Geburtenraten zukünftig stetig anwachsen, in 30 Jahren auf 85 Millionen. Gerade wirtschaftlich attraktive Ballungszentren wie München werden demnach weiter ein Zuzugsort bleiben. Nicht nur der Druck auf die einheimischen Märkte steigt deshalb an, auch der Druck auf die lokale Stadtentwicklung, auf politischer wie unternehmerischer Ebene.

 

Wohnen im Hotel

Für viele Berufstätige, die für einen begrenzten Zeitraum in München arbeiten wollen, ist die Unterbringung in einem Hotel-Appartement mittlerweile eine oft genutzte Alternative. Gerade in der Innenstadt ist das Finden einer passenden Unterkunft ein fast unmögliches Unterfangen geworden. So werden von der deutschen Hotelkette H-Hotels 105 neu erbaute Appartements in einer Größe von 18 bis 29 Quadratmeter ab April nördlich des Münchener Olympiaparks angeboten. In acht Kilometer Entfernung zur Innenstadt sowie mit direkter Verbindung per U-Bahn ist das ein durchaus günstiger Standort.

Schon vor Jahren haben Firmen wie BMW den Plan entwickelt, für Mitarbeiter auf Zeit Hotelzimmer als Unterbringung bereitzuhalten. Im Münchener Stadtteil Moosach hat der Autobauer dafür gemeinsam mit dem Projektentwickler Strabag eine dreistöckige Hotelanlage mit 270 Zimmern in Auftrag gegeben. Manager aus dem Ausland, aber auch Lehrlinge oder Praktikanten sollen in den Räumlichkeiten unterkommen.

Was nutzen die besten Mitarbeiter, wenn sie auf dem Wohnungsmarkt scheitern? Es ist inzwischen üblich, dass große Konzerne ihren Mitarbeitern behilflich sind bei der Wohnungssuche. So hat auch Audi in Ingolstadt einige Rahmenverträge mit Appartementanbietern und Hotels geschaffen, um Mitarbeiter kurzfristig unterzubringen. Der Baukonzern Bauer aus Schrobenhausen hält ebenfalls eigene Appartements bereit.

 

Diversity und Relocation als neuer Trend

Egal für welches Zeitfenster, ob nur wenige Wochen oder Jahre – in München eine Wohnung zu finden, ist erschöpfend und äußerst zeitaufwendig. Deshalb entstehen auf dem Markt immer mehr Unternehmen, die einen Relocation-Service anbieten. Diese Firmen übernehmen nicht nur die Suche nach einem Appartement oder Zimmer, sie unterstützen auch bei der Organisation der Umzüge oder bei Behördengängen. Diese Service-Agenturen sind oft international aufgestellt und bieten Hilfestellung gerade für qualifizierte Mitarbeiter von außerhalb an. Auch die Suche nach

Schulplätzen oder nach Kinderbetreuung für die Kinder der Neu-Münchener wird hier übernommen.

Dies bezeichnet eine Entwicklung in der Stadt, die immer deutlicher zutage tritt. Die Münchener Bevölkerung wird sich zukünftig weiter durchmischen. Aus gutem Grund: Eine weltoffenere Gesellschaft schafft neue Zukunftsperspektiven in der Wirtschaftsmetropole, Diversity wird sich nach Experten als zukünftiger Trend etablieren. Selbst wenn es immer enger wird in der Stadt – der neue Trend hat auch positive Perspektiven. Rund um solche Service-Angebote entstehen neue Arbeitsmöglichkeiten und Jobs.

© Pixabay @ jplenio (CCO public domain) Aufstieg in schwindelnde Höhen – wohin entwickelt sich die Münchener Wohnsituation?

 

Erste Prüfung für Studenten: Die Wohnungssuche

Die Binnenwanderung auf bundesdeutsche Universitätsstädte zeigt auch in München ihre Auswirkungen. Das bedeutet vor allem für immer mehr Studenten einen regelrechten Kampf ums Überleben. Die angespannte Situation für Studenten auf dem Wohnungsmarkt zeigt sich in horrend gestiegenen Mietpreisen. Gerade Studenten

trifft der Mietpreisanstieg der vergangenen Jahre besonders hart, sind sie doch ausgenommen von allgemeinen Einkommensentwicklungen. In München liegt der durchschnittliche Preis eines 30 Quadratmeter großen Studentenappartements bei mehr als 580 Euro – wieder absolute Spitze in Deutschland.

So nutzen die jungen Akademiker alle verfügbaren Möglichkeiten. Hotel Mama wird wieder beliebter: Wer es einrichten kann, wohnt weiterhin bei seinen Eltern und nimmt dafür zum Teil längere Anfahrtswege in Kauf. In München gerät für einen angehenden Studenten bereits die Suche nach einer Bleibe zu einer der schwersten Prüfungen der Studienzeit. Nach endlosen Besichtigungsmarathons bleibt vielen nur das Couchsurfing bei Freunden. Bei dem gigantischen Run auf Wohnraum zu Semesterbeginn helfen zum Teil auch finanzstarke Elternteile nicht weiter.

 

Chancen für Azubis

Gibt es überhaupt noch bezahlbaren Wohnraum in München? Das Pilotprojekt der GEWOFAG hat mit 118 neuen und bezahlbaren Wohnungen rund um den Piusplatz fertigstellen können. 91 Wohnungen davon sind Azubi-Appartements, alles zu fairen Wohnkonditionen. Im schicken Gewand einer innovativ erscheinenden Fassade hat die größte städtische Wohnungsbaugesellschaft gemeinsam mit der Stadt München hiermit ein Zeichen gesetzt.

Dr. Klaus-Michael Dengler, Geschäftsführer der GEWOFAG München, bestätigt in einem Interview, dass ein Auszubildender hier einen möblierten Wohnraum von im Schnitt 350 Euro inklusive Nebenkosten bekommt. Bezuschusst vom Ausbildungsbetrieb wird hier nicht nur bezahlbarer Wohnraum geschaffen, sondern nebenbei noch die Attraktivität von Ausbildungen erhöht.

 

Wohnen im Zug

Ein außergewöhnliches Beispiel einer Zwischenmiete ist der Fall von Eric Hoffmann. Ein guter Job, aber keine Wohnung in München – mit diesen Aussichten ausgestattet hatte 2017 Eric Hoffman aus München eine fahrbare Unterbringung als Notlösung gewählt. Der damals 25-jährige Leiter eines Münchener Callcenters verfügte zwar über ein gutes Gehalt, hatte aber viel Druck und einen tristen Alltag. Um dem zu entfliehen, kaufte er sich eine Bahncard 100 für 658 Euro im Monat als neues Zuhause: die ICEs der Deutschen Bahn. Kostenlose Snacks und Getränke, Duschen im Bahnhof, Reisen quer durchs Land – ein echtes Wohnabenteuer jede Nacht und jedes Wochenende. Hauptsache, er war morgens wieder auf der Arbeit.

Als sein echter Traumjob in München kam, eine Anstellung als Computerspiele-Redakteur, sank leider sein Gehalt drastisch. Mit 1200 Euro netto deutlich zu wenig, um die Lebenshaltungskosten und die Mieten in München stemmen zu können. So muss Eric Hoffmann erst mal weiter Bahn fahren während seiner Suche nach einem festen Wohnort. Wohin die Reise für viele andere Wohnungssuchende in und um München wohl gehen wird, ist ungewiss.