© Die künftige Ausstellung „Chemie“ - Foto: Ambos + Weidenhammer

Zehn Jahre für ein Jahrhundertprojekt – Deutsches Museum wird saniert

Das «Jahrhundertprojekt» wird zehn Jahre dauern: Das Deutsche Museum wird generalsaniert. Zum 100. Geburtstag 2025 soll alles fertig sein. Bis dahin: Großbaustelle. Trotzdem bleibt für die Besucher genug zu sehen – jedenfalls mehr, als an einem Tag zu schaffen ist.

Die Almhütte ist schon abgebaut. Balken und Dachschindeln liegen fein säuberlich aufgestapelt und nummeriert. Denn die Hütte soll wieder aufgebaut werden – wenn die Modernisierung abgeschlossen ist. Die Generalsanierung des Deutschen Museums geht in die heiße Phase. Zehn Jahre soll sie dauern, 445 Millionen Euro kosten – und zum 100. Geburtstag des Gebäudes im Jahr 2025 will Generaldirektor Wolfgang Heckl dem Publikum eines der «modernsten naturwissenschaftlichen Museen der Erde» präsentieren.

Am 17. Oktober startet die heiße Phase des «Jahrhundertprojekts». Ausstellungen werden geschlossen, tonnenschwere Dampfmaschinen, U-Boote und ganze Flugzeuge werden demontiert oder abgedeckt. Besonders beliebte Stücke wie der Flugsimulator oder das Elektronenmikroskop kommen an neue Standorte im Museum. Andere wandern in die Flugwerft Schleißheim oder ins Depot. Die «Tante Ju», ein Flugzeug aus den 1930er Jahren mit fast 30 Metern Spannweite, wird auf der Museumsinsel bleiben – sie ist für einen Umzug viel zu groß.

 

«Wir haben es mit einem wirklich großen Projekt zu tun», betont Heckl. Allein für die Räumung und weitere Logistik sind 50 Millionen Euro eingeplant. Die Räumungsphase dauert neun Monate.

© Die künftige Ausstellung „Robotik“ - Foto: Die Werft

Die Abteilung Chemie ist schon leer. «Künstliche Farbstoffe» ist auf abblätternden Putz in der Hunderte Quadratmeter großen Halle zu lesen. An der Decke in schwarzer Schnörkelschrift: Methylester, Alkohol, Chloroform, Benzole. Auch wenn die Hälfte des Museums nicht zugänglich ist, können Besucher trotz der Arbeiten noch 25 000 Quadratmeter Ausstellungsfläche besichtigen und neun Kilometer Wege zurücklegen. «Sie werden also immer noch deutlich mehr zu sehen bekommen, als sie an einem Tag schaffen», sagt Heckl.

 

Die Renovierungsanforderungen auf der Insel in der Isar sind hoch. «Schon das Gebäude an die aktuellen Erfordernisse des Brandschutzes anzupassen, erfordert einen immensen Aufwand», erläutert Heckl. Neue Treppenhäuser sind nötig, ebenso ein unterirdischer Fluchttunnel. Und: Die Ufermauer an der Isar ist nicht standsicher. 15 Meter tief in den Boden sollen Anker gesetzt werden. Dahinter soll eine Dichtwand vor Wasser schützen.

© Visualisierung der künftigen Eingangshalle des Museums - Foto: Schmidt-Schicketanz und Partner

Manche Decken genügten nicht der Statik, schildert der Generalbevollmächtigte Bau, Dieter Lang. 1300 Öffnungen wurden gebohrt, um den Zustand festzustellen. Architektonisch sollen Räume luftiger und großzügiger werden. Unter anderem im Eingangsbereich sollen Mauern fallen. Vor allem inhaltlich wird alles neu: Gut 30 der mehr als 50 Ausstellungen werden völlig neu gestaltet, die übrigen aktualisiert. 70 Millionen Euro soll allein das kosten.

 

Die Abteilung «Agrar und Landwirtschaftstechnik» heißt künftig «Landwirtschaft und Ernährung». Sie wird sich mit den Themen «Mangel und Überfluss», Klimawandel und der Versorgung einer wachsenden Weltbevölkerung befassen, sagt Projektleiterin Sabine Gerber. Frühere Anbaumethoden neben moderner Landtechnik: Eine Mähmaschine von 1850 gehört ebenso dazu wie der autonome Agrarroboter Bonirob, der Kraut von Unkraut unterscheiden und letzteres selbstständig jäten kann.

© Ausstellung „Landwirtschaft und Ernährung“: Blick in Raum 2: Projektion „Pflanzenbau“ - Foto: Neo Studio

Auf Basis der Geschichte in die Zukunft führen, lautet ein Konzept. «Wer Newton nicht verstanden hat, kann Einstein nicht verstehen», sagt Heckl. «Wer die Dampfmaschine nicht versteht, kann nicht Mechatronik studieren».

 

Parallel zur Modernisierung geht die Digitalisierung der Exponate voran, auch ein virtueller Rundgang ist in Arbeit. Gerade im digitalen Zeitalter ist Heckl sicher: «Orte der haptischen Begegnung werden noch wichtiger werden als in der Vergangenheit.» Etwa, einen «geflogenen Raumanzug zu beriechen und beschmecken». «Wenn sich alles im virtuellen Raum abspielt, verstehen wir gar nichts mehr von der Erde.»

 

mk/dpa