Zirndorf: Flüchtlinge demonstrieren gegen Überfüllung der Unterkunft

In Vorwoche kam es bereits in München zu Demonstrationen – jetzt schwappt die Protestwelle nach Nordbayern: Rund 50 Flüchtlinge haben am Mittwoch in Zirndorf gegen die Überfüllung der dortigen Erstaufnahmeeinrichtung demonstriert. Der Verdruss wächst.

Zirndorf/München – Rund 50 Flüchtlinge haben am Mittwoch vor der zentralen Erstaufnahmeeinrichtung in Zirndorf (Landkreis Fürth) gegen die ihrer Ansicht nach untragbaren Zustände in der Asylunterkunft protestiert. Die Einrichtung sei völlig überfüllt, das Essen schlecht und die ärztliche Versorgung mit nur einem einzigen Arzt völlig unzureichend, kritisierte ein Sprecher der Demonstranten vor der Einfahrt der Einrichtung am Ortsrand von Zirndorf. Die Proteste verliefen friedlich. Erst in der Vorwoche hatten Asylbewerber bei Protesten vor der Bayernkaserne in München die Zustände in der südbayerischen Erstaufnahmestelle kritisiert.

 

Der Sprecher der Zirndorfer Demonstranten, ein aus Syrien geflohener Anwalt, kritisierte vor allem, dass es für die Flüchtlinge keinen Ansprechpartner bei Problemen gebe. Auf wenig Verständnis bei Flüchtlingen stoße auch, dass die Behörden etwa eine schwangere Frau mit einem erkrankten 13 Monate alten Kind eine Zeltunterbringung zumutete. Auch komme es wegen der Enge immer wieder zu Schlägereien zwischen Angehörigen aus verschiedenen Ländern. Erst in den vergangenen Tagen sei es zu Übergriffen albanischer Asylbewerber auf Flüchtlinge aus arabischen Ländern gekommen.

 

 

1100 Flüchtlinge beherbergt Zirndorf derzeit

 

Auf improvisierten Transparenten forderten die protestierenden Flüchtlinge unter anderem ein «Leben in Würde». Auf anderen, aus Windeln gefertigte Spruchbändern hieß es «Wir wollen gesünder leben», «Wir look for a better future four our children» (Wir wollen eines bessere Zukunft für unsere Kinder) und «Wir flohen vor Unrecht».

 
Der Demonstranten-Sprecher kritisierte auch die seiner Ansicht nach schleppende Bearbeitung der Asylanträge. Allein die Erstregistrierung dauere bis zu einer Woche; bis zur Anhörung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge vergingen oft drei bis vier Monate, kritisierte er. Er selbst sei bereits seit einem Monat in Zirndorf untergebracht. Seine Anhörungstermin beim Asyl-Bundesamt habe er aber erst Mitte Januar 2015. Die lange Wartezeit unter den beengten Verhältnissen zermürbe die Menschen. Nach letzten Informationen der Behörden sind in der Zirndorfer Unterkunft rund 1100 Flüchtlinge untergebracht; vorgesehen war sie für 650.

 

 

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