Di., 13.12.2016 , 15:45 Uhr

Entziehungskur am Hauptbahnhof - Wer glaubt es hilft?

Ob sich durch ein nächtliches Alkoholverbot am Münchner Hauptbahnhof Besserungen in der Kriminalstatistik zeigen werden, bleibt abzuwarten. Deutlich wird allerdings auch: In einer Stadt, die etliche Brauereien beheimatet und das Oktoberfest veranstaltet, wird diese Maßnahme auch als ein Zeichen von Ohnmacht und Hilflosigkeit von Seiten der Rathaus-Politik und vor allem der Münchner Polizei wahrgenommen. Dass die „Ordnungshüter“ deshalb „besser durchgreifen können“ und sich das Problem nicht einfach an einen anderen Ort verlagert, kann wohl niemand garantieren. Ein kommentierter Überblick der Netzreaktionen:

 

 

Im Münchner Rathaus wurde nun also ein Alkoholverbot am Hauptbahnhof beschlossen. Von 22 Uhr bis 6 Uhr morgens darf man dort künftig keinen Alkohol trinken und auch ein Mitführen soll nicht mehr erlaubt sein. Kaum verbreitet sich die Meldung, schon überschlagen sich auch die Kommentare im Netz. Viele Münchner sehen nicht nur am Hauptbahnhof ein Problem, sie nennen andere Orte in der Landeshauptstadt, wie zum Beispiel den Ostbahnhof oder auch den Pasinger Bahnhof, wo angeblich ähnliche Probleme vorzufinden seien. Auch wird befürchtet, dass das Problem nur verlagert wird.

 

„Dann stehen sie halt vorm Bahnhof und saufen da. Einfach über die Strasse. Problem nur verschoben und nicht gelöst.“

 

 

Andere freuen sich über das Verbot, sie erhoffen sich, dass wieder weniger Personen „herumlungern“ und es wieder sicherer wird in der Landeshauptstadt. Manche fordern, dass es strenge Kontrollen geben solle, damit die Maßnahme auch wirklich greife. Einige wiederum halten die Begrenzung auf die Zeit zwischen 22 Uhr und 6 Uhr für wenig sinnvoll. So schreibt ein weiterer Nutzer:

 

Das macht den Bahnhofsplatz tagsüber kein bisschen besser. Waren die Herren und Damen vom Stadtrat da jemals? Ich glaube die sind viel zu weit weg…. Von der Realität

 

 

Deutlich wird in den Netzreaktionen aber auch, dass sich offensichtlich einige Münchner, ob mit oder ohne Alkoholverbot, durch die Polizei und andere Kräfte nicht ausreichend beschützt fühlen. So kommentiert ein Facebook-Nutzer unter anderem auch: „Was bringt ein Alkoholverbot, wenn bei Übergriffen sowieso keiner hilft bzw. […] keine Helfer präsent sind?“ Andere betiteln das Alkoholverbot als Zeichen der Hilflosigkeit und spielen damit auf die Sicherheitskräfte vor Ort an.

 

Was sagen eigentlich die Zahlen?

 

Bis Ende Juni sind laut Statistik 188 Menschen am Hauptbahnhof überfallen und beraubt worden, das entspricht mehr als einem Fall pro Tag und ist demnach 2016 auch mehr als doppelt so oft passiert, als noch im Vorjahr. Auch die Zahl der Körperverletzungen ist von 60 Fällen (2015) auf mehr als 160 Fälle (2016) angestiegen. Die Polizei hat ihre Kontrollen schon verstärkt. Zudem sind Streetworker unterwegs.

 

Ist es wirklich „nur ein Hauptbahnhof-Problem“?

 

Sicherlich ist es auch nichts Neues, dass Wein, Bier, Schnaps und Co. die Hemmschwellen senken, aber das sei kein Problem, das es nur am Hauptbahnhof gebe, so viele Kommentatoren. Als Problem sehen sie, dass man es in einer der sichersten Städte Deutschlands anscheinend nicht schaffe, diese Straftaten durch Polizeipräsenz, konsequente Strafverfolgung, Hausverbote oder viele weitere Maßnahmen, die es schon gebe, zu reduzieren. Stattdessen fühlen sich nun viele auf den Schlips getreten, weil sie Angst haben, ihr Bierchen zu genießen, was ihnen wegen der „anderen, die sich nicht im Griff haben“ verboten werde.

 

Verboten sind mit der Maßnahme übrigens dann die alkoholischen Getränke, die erkennbar zum Verzehr vor Ort erworben wurden.

 

„Am besten packt man sein Bierchen also in die Tasche und geht zum Trinken an schönere Plätze, wo man sich noch ausreichend sicher fühlt.“

 

 

pm

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