Mi., 18.04.2018 , 15:25 Uhr

Fake-Arzt treibt Frauen dazu, sich lebensgefährliche Stromschläge zu verpassen

Die Polizei hat einen Mann verhaftet, der sich als Arzt einer Universität ausgegeben und über das Internet etliche Frauen dazu gebracht hat, sich lebensgefährliche Stromschläge zu verpassen. Er hatte ihnen Geld in Aussicht gestellt, wenn sie mit den selbstgebastelten Apparaturen an seiner „Forschung“ teilnehmen. 

 

Dieser Fall ist kaum zu glauben: Im Januar erfuhr die Polizei von einer 16-jährigen Schülerin aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck, die Opfer von lebensbedrohlichen Stromschlägen wurde. Die junge Frau war über das Internet von einem Mann kontaktiert worden, der laut Polizeiangaben womöglich schon seit Jahren Frauen in ganz Deutschland dazu trieb, live im Videochat ihr eigenes Leben zu riskieren und das fast immer mit der gleichen Masche:

 

Der Mann kontaktierte immer wieder Frauen, die über eine Online-Plattform ein Inserat auf der Suche nach einem Nebenjob aufgegeben hatten und gab sich als Arzt einer bekannten Universität aus. Er stellte ihnen finanzielle Vergütungen in Aussicht, falls sie im Rahmen einer angeblichen medizinischen Forschung an einem Experiment durch Stromstöße teilnehmen würden. Die arglosen Teilnehmerinnen wies der Täter via Internet an, Apparaturen zusammenzustellen und sich mittels dieser selbst Stromstöße zu versetzen, heißt es von der Polizei.

 

Trotz der Verschleierungstechniken des falschen Arztes gelang es den Ermittlern, dessen Identität zu klären. Mittlerweile wurde der 28-jährige tatverdächtige IT-Fachmann an seinem Wohnsitz im Landkreis Würzburg festgenommen. Die Beamten überraschten ihn, als er gerade dabei war, Kontakt zu einem neuen Opfer zu knüpfen. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft München II erließ der Ermittlungsrichter Haftbefehl wegen versuchten Mordes. Der Beschuldigte befindet sich in Untersuchungshaft.

 

Bei der Auswertung der sichergestellten Datenträger fanden sich über 200 Videoaufzeichnungen, die der Festgenommene von seinen „Probanden“ gefertigt hatte. Laut Polizeiangaben seien darunter auch Aufnahmen, auf denen zu erkennen ist, dass manche davon die „Versuche“ wegen zu starker Schmerzen abbrachen.

 

Die Identifizierung und Vernehmung der mutmaßlichen Geschädigten wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Der bislang noch nicht polizeilich in Erscheinung getretene Mann legte mittlerweile ein Teilgeständnis ab. Die Hintergründe der Taten bedürfen noch der weiteren Abklärung.

 

Mögliche weitere Geschädigte oder Personen, die Hinweise zu dem Fall geben können, werden gebeten sich bei der Kripo Fürstenfeldbruck unter 08141 3120 zu melden.

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