Do., 26.02.2015 , 13:43 Uhr

NS-Dokumentationszentrum München: Eröffnung am 1.Mai

Am 1. Mai öffnet das NS-Dokumentationszentrum München. Bis Ende Juli ist der Eintritt frei. Vorab findet am 30. April ein Festakt für hochrangige internationale Gäste statt.

 

Oberbürgermeister Dieter Reiter, Ministerpräsident Horst Seehofer und die Staatsministerin des Bundes für Kultur und Medien, Professorin Monika Grütters, werden zu diesem Anlass sprechen. Dr. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, und Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats deutscher Sinti und Roma, haben ebenfalls einen Wortbeitrag zugesagt.

 

Professor Dr.-Ing. Winfried Nerdinger, der Gründungsdirektor des NS-Dokumentationszentrums, wird anschließend einführen in die Konzeption des Lern- und Erinnerungsorts, der sich mit der nationalsozialistischen Vergangenheit der Stadt und den Ursachen, Ausprägungen und Folgen der Diktatur auseinandersetzt. „Die Eröffnung des NS-Dokumentationszentrums findet zum Jahrestag der Befreiung Münchens durch die US-Armee statt.

 

Es ist für uns von ganz besonderem Wert, zu diesem denkwürdigen Anlass Überlebende des Holocaust und diplomatische Vertretungen aus Ländern zu begrüßen, die Deutschland seinerzeit in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt hat”, so Oberbürgermeister Dieter Reiter. „Mit dem NS-Dokumentationszentrum schließt sich eine über viele Jahrzehnte klaffende Lücke in der Münchner Erinnerungslandschaft.

 

Zu verdanken ist dies nicht zuletzt der Initiative der engagierten Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt. Das Haus ist ein unübersehbares Zeichen, dass sich München seiner NS-Geschichte stellt. Unsere Vergangenheit muss uns für die Gegenwart und Zukunft in unserem demokratischen Streben bestärken.” Neubau im Kosten- und Zeitplan Der neue Lern- und Erinnerungsort wurde an der Brienner Straße, auf dem Grundstück der ehemaligen Parteizentrale der NSDAP errichtet.

 

 

 

Die Baukosten in Höhe von 28,2 Millionen Euro haben die Landeshauptstadt München, der Freistaat Bayern und die Bundesregierung zu je einem Drittel getragen. Entworfen haben den Neubau die Berliner Architekten Bettina Georg, Tobias Scheel und Simon Wetzel. Baureferentin Rosemarie Hingerl zieht eine positive Bilanz des Ende 2011 begonnenen Bauprojekts: „Die Arbeiten konnten im vergangenen Frühjahr termingerecht fertiggestellt und die vom Stadtrat genehmigten Kosten eingehalten werden. Der Neubau ist von herausragender Qualität: Die Architektur des NS-Dokumentationszentrums ergänzt und unterstützt das Ausstellungskonzept, sie gibt den Dokumentationen Raum und tritt in den Ausstellungsräumen in den Hintergrund.

 

Gleichzeitig ermöglicht sie den Blick auf die baulichen Relikte der NS-Zeit im unmittelbaren Umfeld. So wird der Standort des neuen Zentrums selbst zu einem wichtigen Element der Ausstellung.”

 

Ausstellung mit Gegenwartsbezug

 

2006 war im städtischen Kulturreferat mit der Projektarbeit zur Vorbereitung des NS-Dokumentationszentrums begonnen worden. 2012 wurde Professor Dr.-Ing. Winfried Nerdinger zum Gründungsdirektor ernannt. Unter seiner Leitung wurde nunmehr in den vergangenen zwei Jahren ein Ausstellungsdrehbuch entwickelt und zur Realisierung gebracht.

 

„Die entscheidende Fragestellung der Ausstellung lautet ‚Warum München? Und was geht uns das heute an?‘. Ausgrenzung, Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung können wir nur aktiv entgegentreten, wenn wir ein Bewusstsein für die Vergangenheit entwickeln”, erklärt Kulturreferent Dr. Hans Georg Küppers. „Das unter Professor Nerdingers Leitung konzipierte und erarbeitete Ausstellungs- und Informationsangebot ist vielfältig. Es richtet sich an ein breites Publikum aller Generationen und unterschiedlicher Herkunft.”

 

 

Lebendiger Ort der Information, Aufklärung und Diskussion

 

 

Neben dem Herzstück des Hauses, der mehrgeschossigen Dauerausstellung in Deutsch und Englisch, wird es wechselnde Sonderausstellungen geben. Um tiefer in die Geschichte einzusteigen, steht auf einer eigenen Ebene ein Lernforum zur Verfügung. Dort können alle Ausstellungsthemen an Medientischen und Recherchestationen individuell oder in Gruppen weiterverfolgt werden. Auch eine Bibliothek ist dort integriert. Räumlichschließt sich an das Lernforum der Seminarbereich für die Bildungsarbeit mit Schulklassen und anderen Gruppen an. Ein großer multifunktionaler Saal für 200 Personen bietet alle technischen Möglichkeiten für Vorträge, Zeitzeugengespräche, Filmvorführungen, Tagungen und Abendveranstaltungen unterschiedlicher Art. Begleitend zur Dauerausstellung wird es kostenlose Medienguides in mehreren Fremdsprachen geben. Mithilfe einer Smartphone-App können sich die Besucherinnen und Besucher auch außerhalb des NS-Dokumentationszentrums auf die Spuren des Nationalsozialismus begeben.

 

 

Professor Dr.-Ing. Winfried Nerdinger sieht das NS-Dokumentationszentrum als offenen und lebendigen Ort: „Mit einem inhaltsreichen und vielfältigen Programm möchten wir umfassend informieren und aufklären, aber auch zum Nachdenken und Diskutieren anregen. Nur auf der Basis von Wissen kann eine eigene kritische Reflexion in Gang gesetzt werden, um zu einem Verstehen zu gelangen, das auch das eigene Verhalten beeinflusst. In diesem Sinne ist es Ziel des NS-Dokumentationszentrums, zu einem Ort der Selbstvergewisserung demokratischer Errungenschaften zu werden. Denn das lehrt uns die Geschichte: Die Demokratie muss täglich gelebt und verteidigt werden.”

 

(Pressemitteilung)

 

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