Mo., 15.01.2018 , 15:11 Uhr

Umworbener Heynckes: Offene Trainerfrage kein Problem beim FC Bayern


Die Trainerfrage wird den FC Bayern noch einige Zeit beschäftigen. Ein Problem sei das für die Mannschaft sicher nicht, sagt Jupp Heynckes und erinnert an 2013. Damals holte sein Team das Triple. Diesmal muss sein Team erst zeigen, was es leisten kann.

Der von den Bayern-Bossen umworbene Jupp Heynckes sieht die offene Trainerfrage für die weitere Rückrunde nicht als Problem an. «Nein, sicher nicht. Meine Spieler lassen sich davon nicht beeinflussen. 2013 war die Situation genauso», sagte der 72 Jahre alte Coach der Münchner in einem «Kicker»-Interview (Montag). Im Jahr 2013 holte der deutsche Fußball-Rekordmeister unter dem damals am Saisonende scheidenden Heynckes das Triple. Wie die Chancen auf einen neuerlichen Triumph unter Europas Besten diesmal einzuschätzen sind, mag Heynckes nicht vorherzusagen.

«Wir müssen erst zeigen, was wir zu leisten imstande sind. Ob es letztlich für die europäische Krone reichen wird, dazu mag und kann ich keine Prognosen stellen», sagte Heynckes. Nächster Gegner des enteilten Bundesliga-Tabellenführers in der Champions League ist Besiktas Istanbul im Achtelfinale.

Heynckes ist auf die sportlichen Ziele fokussiert, das Trainerthema wollte er schon in den vergangenen Wochen nicht groß vertiefen. «Zu diesem Job, wie ich ihn mit meinen Mitarbeitern ausführe, gehören eine unheimliche Selbstdisziplin und Ausdauer. Aber ich werde im Sommer 73 Jahre alt. Da weiß man nicht, wie viel Zeit einem das Leben noch gibt», sagte Heynckes allerdings. «Wenn ich nicht das Gefühl gehabt hätte, dass ich diese Arbeit wieder mit so viel Energie machen kann, hätte ich nicht zugesagt. Als ich anfing, war ich fitter als jetzt, weil ich mehr Zeit für meinen Sport und meine Spaziergänge mit Cando hatte.»

Die Bayern-Bosse werben um eine Weiterbeschäftigung über das Saisonende hinaus. Karl-Heinz Rummenigge unterstützt die von Vereinspräsident Uli Hoeneß gestartete «Charme-Offensive» um den 72-jährigen Heynckes, der seine vierte Amtszeit in München bislang zeitlich auf diese Spielzeit begrenzt hat.

In den vier Jahren von Heynckes Abwesenheit in der Bundesliga habe sich der Fußball «nicht erneuert», wie der Coach erklärte. «Das ganze neue Vokabular macht den Fußball nicht besser, immer hoch zu stehen, immer nur Pressing und 90 Minuten Vollgas, das reicht nicht. Dann ist bei Dreifachbelastung der Akku im Januar leer. Man muss das Ganze flexibel gestalten, ökonomisch gegen den Ball, also im richtigen Moment Pressing ansetzen, und vieles mehr», meinte der Routinier.

Heynckes wertet seine Erfahrung als großes Plus. «Es ist schon wesentlich, ob du all das hundertmal erlebt hast. Kannst du deine Erfahrungen übermitteln? Korrigierst du Fehler? Gelingt es dir, eine positive Atmosphäre unter allen zu schaffen? Dann ist noch die Kommunikation nach außen und mit der Klub-Führung zu bewältigen – alles in allem ein Riesenaufgabenbereich», sagte der frühere Weltklassestürmer und mahnte bei der hochgelobten neuen Trainer-
Generation Geduld an. «Man muss den jungen Trainern Zeit geben, ihren Stil zu finden. Durch die Berichterstattung werden sie viel zu schnell hochgeschossen.»

dpa

 

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