Do., 30.06.2016 , 16:11 Uhr

Verlassene Klinik: Krankenakten von Fernsehstars gefunden

In einer verlassenen Klinik in Ambach bei Münsing sind nun etliche frei zugängliche Krankenakten, unter anderem von früheren Fernsehstars, aufgetaucht. Das hat nun Bayerns Datenschützer auf den Plan gerufen.

 

Wie bereits berichtet, waren in einer verlassenen Klinik in Ambach bei Münsing, nebst dem Starnberger See, hunderte Krankenakten und Röntgenbilder ehemaliger Patienten aufgetaucht. Bilder, die münchen.tv vorliegen, lassen erahnen, in welchen Ausmaß hier Datenschutz-Richtlinien missachtet worden waren.

 

 

Merkur hat Krankenakte von Klausjürgen Wussow ausfindig gemacht

 

Auf dem Gelände der ehemaligen Klinik in Münsing am Starnberger See (Kursanatorium Wiedemann) haben die Kollegen von „Merkur“ und „tz“ nun Röntgenaufnahmen des Schauspielers Klausjürgen Wussow ausfindig gemacht. Ein Fotograf, der gerne Bilder von verlassenen Orten macht, habe diese entdeckt. Der 2007 gestorbene Star spielte in der Fernsehserie „Die Schwarzwaldklinik“ den Chefarzt Prof. Brinkmann, heißt es in einer dpa-Meldung, die sich auf die beiden Blätter beruft.

 

Noch heute könnten die Befunde zahlreicher anderer prominenter Patienten in der seit zehn Jahren geschlossenen Klinik herumliegen. Das Privatgelände ist weder umzäunt, noch sind die Türen verschlossen, weil diese scheinbar von unbekannten Tätern aufgebrochen wurden. Kürzlich habe in dem Gebäude sogar eine Party stattgefunden. In der Privatklinik ließen sich einst Stars wie Inge Meysel, Heinz Rühmann und Harald Juhnke behandeln.

 

 

Auch Staatsanwaltschaft ermittelt wegen der Krankenakten

 

Der Bayerische Landesbeauftragte für den Datenschutz, Thomas Petri, gab den Fall an das für die Privatwirtschaft zuständige Landesamt für Datenschutzaufsicht in Ansbach ab, sagte er am Telefon. Die örtliche Polizei war schon vor einigen Wochen auf Krankenakten der Klinik aufmerksam geworden. Sie sagte gegenüber münchen.tv, dass man die Besitzer aufgefordert hatte, die Akten fachgerecht zu entsorgen. Möglicherweise hätten Jugendliche die Unterlagen entwendet. Die Staatsanwaltschaft sei eingeschaltet worden.

 

 

2004 hatte ein italienisches Unternehmen die Privatklinik, das damalige Kursanatorium Wiedemann, gekauft und wenig später allerdings selbst Insolvenz angemeldet. Seit wenigen Tagen sei der Besitz an die gemeinnützige AG „KWA – Kuratorium Wohnen im Alter“ übergegangen, die dort eine Senoirenresidenz bauen möchte. Diese erklärte dazu in einer schriftlichen Stellungnahme Folgendes:

 

„Zu unserer Überraschung fanden wir bei einer ersten Besichtigung der maroden baulichen Anlage auf dem ehemaligen Wiedemann-Areal in verschiedenen Räumen noch Unterlagen, die dem früheren Klinikbetrieb zugeordnet werden konnten und offensichtlich jahrelang für jedermann zugänglich waren, der sich Zugang zum Grundstück verschafft hat – was relativ einfach möglich war, angesichts kaputter Fensterscheiben und offener Türen. Was in den vergangenen Jahren von Vorbesitzern nicht ordnungsgemäß entsorgt wurde und, was Menschen, die rechtswidriger Weise auf dem Grundstück waren, von dort mitgenommen haben und jetzt möglicherweise gegen KWA einzusetzen versuchen, entzieht sich unserer Kenntnis. Alles, was wir als sensibel einstufen konnten – Röntgenbilder und Patientenakten – haben wir sofort entfernt: aufgrund der Dringlichkeit, noch vor dem Besitzübergang des Anwesens an KWA vor 10 Tagen.“

 

 

pm

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